In der Altstadt insgesamt ist die Gewaltkriminalität 2017 um 16 Prozent zurückgegangen, im Bermuda-Dreieck rund ums Martinstor sogar um 24 Prozent. Minister Strobl kündigte an, dass die Partnerschaft fortgesetzt wird.

Zehn Prozent weniger Gewaltdelikte in Freiburg – das war die vor einem Jahr ausgegebene Zielmarke. Tatsächlich erreicht wurde ein Rückgang um fünf Prozent. „Wir sind aber sicher, dass wir unser Ziel im Jahr 2018 erreichen“, erklärte Polizeipräsident Bernhard Rotzinger im Pressegespräch. Die Kriminalität hat in Freiburg den niedrigsten Stand seit fünf Jahren erreicht. In der Altstadt konnte die Straßenkriminalität um 20 Prozent und die Gewaltkriminalität um 16 Prozent gesenkt werden – im Ausgehviertel Bermuda-Dreieck sind die Werte sogar noch höher. Erkennbare Verdrängungseffekte, so Rotzinger, habe es nicht gegeben. Aber: Weil mehr kontrolliert wurde, hat die Zahl der Drogendelikte um 120 Prozent zugenommen.

Die Polizei hat 2017 mehr als 14 000 Personen kontrolliert. Über 300 Personen wurden festgenommen, 60 davon kamen in Haft. Die Polizeibeamten durchsuchten mehr als 6000 Menschen und kontrollierten 1700 Fahrzeuge. Der Polizeipräsident dankte den beteiligten Einsatzkräften für ihre Arbeit. Viele von ihnen waren Donnerstagnachmittag im Polizeirevier Nord beim Termin mit dem Innenminister dabei. „Sicherheit und Ordnung sind kein Gegensatzpaar zu Liberalität und Weltoffenheit, sie sind vielmehr die Voraussetzung dafür“, so Rotzinger.

Vor eineinhalb Jahren, nach den Morden an der Dreisam und in Endingen, haben Stadtverwaltung und Landesregierung gemeinsam die Sicherheitspartnerschaft auf die Beine gestellt. Die Freiburger Polizei bekam zehn zusätzliche Beamte, seitdem patrouilliert ein Einsatzzug der Bereitschaftspolizei in der Stadt. Die Stadt wiederum hat eine 13-köpfige Stadtpolizei installiert, die sich um Ordnungsstörungen kümmert.

Das Land wird die Sicherheitspartnerschaft fortsetzen, auch der zusätzliche Einsatzzug kann bis auf weiteres eingesetzt werden, erklärte Innenminister Thomas Strobl. „Wir lassen die Städte und Kommunen mit ihren Sorgen nicht allein“, sagte er. Man habe ein maßgeschneidertes Konzept für Freiburg entwickelt und die Präsenz an Brennpunkten sichtbar erhöht. Landespolizeipräsident Gerhard Klotter berichtete, dass auch für andere Städte eigene Konzepte und Lösungen gefunden worden seien.

Laut Oberbürgermeister Dieter Salomon honorieren die Bürgerinnen und Bürger, dass die Polizei mehr Präsenz in Freiburg zeigt. „Dieses Jahr ist Verpflichtung, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen“, so Salomon. Der Erste Bürgermeister Otto Neideck berichtete von 9000 Bürgerkontakten des neuen Vollzugsdienstes seit dessen Arbeitsbeginn Anfang Oktober. Die Stadtpolizei hat 5400 mündliche Verwarnungen ausgesprochen, in 190 Fällen mussten Bußgelder verhängt werden. Es gehe um ein niederschwelliges Vorgehen, um im persönlichen Gespräch die Sache zu erklären, so Martin Schulz, Vize im Amt für öffentliche Ordnung und Projektleiter der Stadt für die Sicherheitspartnerschaft. „Der Vollzugsdienst hat diese Zielrichtung zu 100 Prozent umgesetzt“, so Schulz.

Polizei kann 2017 mehr Straftaten aufklären

Die kriminellste Stadt im Land bleibt Freiburg – trotz eines Rückgangs um 626 auf 26 656 Straftaten. Die Altstadt bleibt auch in der Kriminalitätsstatistik 2017 der Hotspot. Hier hat die Polizei fast jede dritte Gewaltstraftat in Freiburg erfasst. Die Ermittler konnten insgesamt 60,4 Prozent der Straftaten aufklären. Gestoppt werden konnte laut Polizeipräsident Bernhard Rotzinger der steile Anstieg der vergangenen Jahre bei den ausländischen Straftätern. Sorgen macht der Polizei die starke Zunahme der Fälle, bei denen Senioren Opfer skrupelloser Betrüger werden.

  • Erster im Landesvergleich: Um 2,4 Prozent ist die Zahl der Straftaten zurückgegangen – damit liegt das Ergebnis deutlich unter dem Landesschnitt (Minus 5,1 Prozent). In Freiburg werden 11 712 Straftaten auf 100 000 Einwohner verübt. Zum Vergleich: In der Landeshauptstadt Stuttgart liegt diese so genannte Häufigkeitszahl bei 8451. Freiburg bleibt also auf Platz eins: Rotzinger: „Ich habe gehofft, dass wir den Spitzenplatz an Mannheim abgeben können. Aber das hat nicht geklappt.“
  • Höhere Aufklärungsquote: Erstmals seit langem liegt die Aufklärungsquote in Freiburg über der 60-Prozent-Marke. Das entspricht einem Plus gegenüber 2016 um drei Prozentpunkte.
  • Weniger Raubüberfälle: Die Gewaltkriminalität in Freiburg insgesamt ist um 5,2 Prozent zurückgegangen, die Straßenkriminalität um 11,2 Prozent, wie der Leitende Polizeidirektor Berthold Fingerlin berichtete. Höher ist der Rückgang in der Altstadt, was die Polizei auch auf die Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadt und Land zurückführt. Die Zahl der Rauschgiftfälle ist um 27,4 Prozent gestiegen – das liegt an der erhöhten Zahl der Kontrollen. Die Zusatzkräfte der Polizei haben rund 1000 Straftaten aufgenommen. Auch das spiegelt sich natürlich in der Statistik wieder. 195 Raubüberfälle wurden registriert, das sind sechs weniger als im Jahr davor. 119 Fälle konnten aufgeklärt werden. 152 Sexualstraftaten wurden registriert. Laut Kripochef Peter Egetemaier musste die Polizei 14 Mal wegen Straftaten gegen das Leben ermitteln, 13 Fälle wurden aufgeklärt. Es gab 2017 keinen Mordfall in Freiburg. Abgenommen haben die Diebstähle. Wohnungseinbrüche nahmen um 332 Fälle ab: ein Minus von 25,6 Prozent.
  • Tatverdächtige: Es gab 4526 ausländische Tatverdächtige. Sei 2008 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Ihr Anteil lag 2017 bei 42,2 Prozent, gegenüber 57,8 Prozent der deutschen Tatverdächtigen. 17 Prozent der Wohnbevölkerung in Freiburg hat keinen deutschen Pass. Aber: Die Statistik erfasst auch die Tatverdächtigen, die nicht in Freiburg leben, warnte der Polizeipräsident vor möglichen falschen Schlussfolgerungen. 1675 tatverdächtige Asylbewerber oder Flüchtlinge wurden gezählt, das ist gegenüber dem Vorjahr (1755) ein Rückgang. Rund 15 Prozent der Tatverdächtigen stammen aus dieser Gruppe (Zwei Prozent Anteil der Wohnbevölkerung). Gezählt werden auch leichtere Delikte wie etwa schwarzfahren. Aber auch bei den aufgeklärten Gewaltdelikten liegt laut Polizeipräsident den Anteil nichtdeutscher Verdächtigen bei über 40 Prozent. Die Ermittler kümmern sich vor allem um die Intensivtäter und wollen, dass bei Ermittlungserfolg die „Sanktionskette“ funktioniert – bis hin zur Abschiebung. Auch bei der Jugendkriminalität liegt der Anteil der ausländischen Verdächtigen bei 40 Prozent.
  • Mehr Betrügereien: Deutlich zugenommen von 112 auf 194 Fälle hat der Betrug zu Lasten älterer Menschen. Durch den so genannten Enkeltrick, durch Schockanrufe oder Anrufe falscher Polizeibeamter ist 2017 den Opfern allein in Freiburg rund 119 000 Euro Schaden entstanden. Die Aufklärungsquote liegt hier nur bei 35 Prozent. „Wir haben einen explosionsartigen Anstieg, das Vorgehen der Täter ist besonders perfide“, so Polizeipräsident Rotzinger.