Die Verbraucher merken noch nichts, bei so manchem Freiburger Unternehmen allerdings rauchen die Köpfe: Seit 1. Januar gilt das neue Verpackungsgesetz. Es löst die frühere Verpackungsverordnung ab und soll die Menge an Verpackungsabfällen reduzieren beziehungsweise für vermehrte Wiederverwertung sorgen.

Für alle Unternehmen, die gefüllte Verpackungen für Privatkunden in Verkehr bringen, gilt ab sofort eine Registrierungspflicht bei der neu eingerichteten „Zentralen Stelle“ und deren Onlineregister „Lucid“. Wie bisher müssen sie sich am dualen System beteiligen, also an einen Lizenzpartner Geld bezahlen, der sich seinerseits um die Entsorgung der Verpackungen kümmert.

„Für mich ändert sich nicht allzu viel“, sagt Andrea Hauch, Inhaberin der Kaffeerösterei Schwarzwild in der Kartäuserstraße 60. „Ich beteilige mich schon seit 2012 am dualen System – aber jetzt musste ich mich registrieren und künftig dort regelmäßig meine Verpackungsmengen angeben.“ An die Firma Landbell, einen von derzeit neun zugelassenen Entsorgern im dualen System, habe sie bisher jährlich 1000 bis 1500 Euro bezahlt, abhängig von Art und Menge der Verpackungen, die sie in Umlauf bringt. „Klar, das sind Kosten, aber letztlich kann ich das System mittragen – und jetzt wird durch die Registrierungspflicht die Beteiligung wohl steigen, das ist fair“, sagt die Unternehmerin.

Wenig Stress bedeutet das neue Verpackungsgesetz für größere Unternehmen wie etwa die Freiburger Firma Taifun-Tofu im Gewerbegebiet Hochdorf. „Die neue Registrierung bedeutet für uns keinen nennenswerten Aufwand“, sagt Taifun-Sprecherin Lina Cuypers. Monatlich verlassen dort etwa zwei Millionen Päckchen verschiedener Tofuprodukte das Firmengelände. Mit welchen Lizenzpartnern des dualen Systems Taifun zusammenarbeitet, will das Unternehmen nicht mitteilen. „Als ökologisches Unternehmen begrüßen wir das neue Verpackungsgesetz“, versichert Lina Cuypers jedoch.

Ziemlich kritisch sieht hingegen Martina Walter vom Walter-Hof in Opfingen, Wippertskirch 2, das neue Gesetz. Der Familienbetrieb umfasst ein Gästehaus, ein Hofcafé und einen Hofladen. „Das Gesetz ist der Horror“, sagt die Unternehmerin. Tatsächlich gibt es keinerlei Erleichterungen für Kleinbetriebe. Im Prinzip besteht schon ab der ersten gewerblich für Privatleute in Verkehr gebrachten Verpackung die Registrierungspflicht und die Pflicht, sich am dualen System zu beteiligen.

„Eine Mitarbeiterin fuchst sich da seit Wochen ein, denn die Sache ist kompliziert“, sagt Martina Walter. „Wir mussten unsere Flaschen und Gläser für unsere Brände, Liköre und Marmeladen zum Teil alle erst noch wiegen, weil die Lizenzgebühren vom Gewicht und nicht von der Menge abhängen.“

Es gebe noch viele Unklarheiten und Unsicherheiten. „Es ist wie bei der Datenschutzgrundverordnung – obwohl man sich reinkniet, bleibt das Gefühl, dass man nicht alles korrekt gemacht hat“, so die Unternehmerin. Sie rechnet mit Lizenzgebühren fürs duale System von 300 bis 500 Euro jährlich. Die werde man dann wohl in die Endpreise für die Kunden einkalkulieren müssen.