Mit der Installation von zwei neuen Wärmespeichern und einem Kältespeicher hat das Uniklinikum sein Heizkraftwerk ausgebaut. Damit ist die Klinik bei möglichen Engpässen zu Spitzenzeiten noch besser aufgestellt als bisher und spart zusätzlich rund 2000 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Zudem nutzt das Kraftwerk, das vor sieben Jahren aus der Kohle ausstieg und seitdem auf Erdgas und Pellets als Energieträger setzt, die Restwärme immer öfter für die Kälte-Produktion.

„Bei Bedarf holen wir da etwas raus“, sagt Joachim Schmeiser. Der Leiter des Heizkraftwerks steht vor den neuen Wärmespeichern, die zusammen rund 600 000 Liter fassen. Gerade morgens, wenn viele Menschen gleichzeitig duschen und warmes Wasser verwenden, entstünden Anforderungsspitzen, so Schmeiser.

Im Heizkraftwerk werden Strom, Wärme, Kälte und Dampf für die ganze Klinik erzeugt.
Im Heizkraftwerk werden Strom, Wärme, Kälte und Dampf für die ganze Klinik erzeugt. | Bild: Rita Eggstein

Diese könne man dank der neuen Speicher (die Kosten lagen bei einem hohen sechsstelligen Betrag) jetzt noch besser abfangen; die Produktion laufe durch das dauerhafte Einspeichern und Entnehmen zudem insgesamt kontinuierlicher. Die jeweils 35 Tonnen schweren Anlagen wurden bereits im Dezember mit einem 750-Tonnen-Kran und einem 500-Tonnen-Kran im Tandemhub von der Hartmannstraße in das Heizkraftwerk transportiert. Dort sind die Speicher nun an früheren Lagerstellen montiert und mit Rohren verbunden.

Wo sich früher Kohle stapelte, ist nun Platz für anderen Brennstoff – zum Beispiel für Pellets. Davon kommen im Winter täglich circa 100 Tonnen via eigenem Waggon über den Gleisanschluss vom Güterbahnhof direkt bis vor die Tür hinter das Kraftwerk. „Wir sind nicht mehr zwingend von nur einem Brennstoff abhängig“, sagt Wolfgang Müller, Leiter der Energietechnik an der Uniklinik, und nennt die drei Säulen, auf die das Heizkraftwerk aufgebaut sind: Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Neben dem Erdgas (circa 80 Prozent) werden immer wieder auch Pellets genutzt, als letzten „Notnagel“ gibt es zudem Heizöl im Vorrat. Den Klimawandel, sagt Müller, als es vom Pellets-Speicherraum in die Kaltwasserzentrale geht, spüre man auch hier im Haus. Weil es draußen wärmer und drinnen immer mehr Klimaanlagen zum Standard würden, müsse man viel mehr kühlen. Neben dem steigenden Bedarf an Strom – nicht nur in der Klinik – brauche man deswegen immer mehr Kälte. Zwar wird dafür bisher schon die Restwärme genutzt, aber ein neu entwickeltes Verfahren soll das in Kürze nochmal perfektionieren, erzählt Müller. Zu diesem Prozess gehören auch sogenannte Kühltürme, die bereits auf dem Dach des Heizkraftwerks installiert sind.

Von oben, mit Blick auf das in den 1930-Jahren entstandene Klinikareal, führt der Rundgang über mehrere Treppen wieder hinab. Es geht vorbei an der Turbinenhalle und den Dampfkesselanlagen bis zum Schaltraum. Hier in der Kontrollwarte überwachen Mitarbeiter an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr, die genauen Abläufe. Im Hintergrund dominiert noch das Mosaikschaltbild aus den 1970er-Jahren. Bald wird es komplett durch ein neues Leitsystem ersetzt sein. Das Heizkraftwerk der Uniklinik erzeugt nicht nur für die eigenen Häuser Strom, Wärme, Kälte und Dampf, sondern liefert auch Energie für das Fernwärmenetz.

Durch einen geschlossenen Kreis läuft die Fernwärme über die Berliner Allee und versorgt neben dem Uniklinikum, der Universität und anderen Behörden auch die Westarkaden, das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, das Regierungspräsidium und das Polizeipräsidium. Auch Richtung Flugplatz und Technische Fakultät reicht das Netz. Laut Müller gibt es weiteres Potenzial für einige Bereiche im Westen der Stadt.

Mit dem Heizkraftwerk können umgerechnet rund 30 000 Haushalte mit Wärme versorgt werden. Hinzu kommen 35 000 Haushalte, die mit Strom und 45 000 Kühlschränke, die von der Hartmannstraße und über das Fernwärmenetz mit Kälte versorgt werden.