Bereits im vergangenen Jahr haben Gutachter „Hot Spots“ in Freiburg identifiziert: Bereiche, die sich bei Hitze besonders stark aufheizen, was angesichts des Klimawandels kritisch werden könnte. Nun liegen auch Empfehlungen auf dem Tisch, wie sich die Belastungen für die Bürger verringern ließen – den größten Effekt haben Bäume. Die Stadtverwaltung sieht das Klimaanpassungskonzept jedoch lediglich als Grundlage für weitere Planungen. Den Fraktionen im Umwelt- und im Bauausschuss des Gemeinderats war das zu wenig.

14 Brennpunkte haben die Büros „Berchtoldkrass Space & Options“ aus Karlsruhe und „Geo-Net Umweltconsulting“ aus Hannover identifiziert. Viele der hitzensensiblen Bereiche liegen außerhalb des Zentrums, etwa im Stadtteil Rieselfeld, in Teilen von Weingarten oder rund um die Berliner Allee in Betzenhausen und Mooswald. Manche Hot Spots sind tagsüber und nachts kritisch. Andere, wie beispielsweise die Innenstadt oder Teile der Wiehre, haben eher in der Nacht Probleme, weil sie nicht genügend auskühlen. Eingeflossen in die Analyse sind Daten wie Temperatur, Wind und Strömungsverhältnisse, aber auch die Erreichbarkeit von „Entlastungsräumen“: Dabei haben die Gutachter untersucht, wie schnell die Bürger zum Beispiel in einen Park oder in den Wald gelangen können, wo es an heißen Tagen erträglicher ist.

Da durch den Klimawandel die Hitzebelastung weiter zunehmen wird, haben die Gutachter Vorschläge gemacht, wie sich die Situation verbessern ließe. Herausgekommen ist ein fast 200 Seiten starkes Klimaanpassungskonzept, das neun strategische Leitsätze und 28 konkrete lokale Empfehlungen enthält. Die Gutachter raten zum Beispiel, Oberflächen zu entsiegeln, Schatten an Fuß- und Radwegen zu schaffen, aber auch an Haltestellen und Wartebereichen. Dach- und Fassadenbegrünung werden ebenfalls empfohlen. Zudem sei die Auswahl der Baumaterialien wichtig.

Ganz konkret betrachtet wurde beispielhaft ein 40 000 Quadratmeter großes Gebiet im Stadtteil Stühlinger. Für dieses haben die Büros durchgerechnet, wie sich verschiedene Empfehlungen auf die Umgebung auswirken würden. Dabei hat sich gezeigt: Die größte Wirkung haben Bäume. Je nach Größe reduzierten diese die Umgebungstemperatur um bis zu 18 Grad, heißt es im Klimaanpassungskonzept. Eine Fassadenbegrünung und die geeignete Auswahl von Baumaterialien bringt ein Minus von 8 Grad, die Entsiegelung von Oberflächen bis zu 4,5 Grad und Wasserelemente bis zu 5,5 Grad. Für die Stadtverwaltung ist das neue Klimaanpassungskonzept eine Planungsgrundlage: Wenn Bauvorhaben anstehen, sollen die Empfehlungen der Gutachter berücksichtigt werden. Das sei zu wenig, kritisierten die Fraktionen im Umwelt- und im Bauausschuss des Gemeinderats. Ein Konzept und „schöne Worte“ reichten angesichts des Klimawandels nicht mehr aus, meinte Stadtrat Karl-Heinz Krawczyk (Freiburg Lebenswert/Für Freiburg): „Wir müssen Vollgas geben.“ „Mehr Fahrt und Tempo“ wünschte sich auch Brigitte von Savigny (Unabhängige Listen). Abgestimmt wird über das Klimaanpassungskonzept im Gemeinderat am 5. Februar.