Die Kreuzung Wallstraße und Schwabentorring ist eine Problemkreuzung – und wird es allem Anschein nach bleiben. Illegale Linksabbieger verursachten allein im vergangenen Jahr drei Unfälle mit Straßenbahnen, gleich zwei entgleisten. Die Verkehrs-AG sowie das Rathaus sehen keine Möglichkeit mehr, die Stelle zu entschärfen.

Neun Mal hat es 2018 insgesamt auf der Kreuzung von Schwabentorring, Wall- und Kartäuserstraße gekracht, aber drei Unfälle stechen besonders heraus: Drei Mal sind Autofahrer vom Schwabentorring trotz Verbots nach links in die Wallstraße abgebogen und mit Straßenbahnen kollidiert. Im Mai und im Juli wurden die Trams aus den Schienen gehoben. Die Ecke ist ein Unfallschwerpunkt. Von Anfang 2015 bis Ende 2017 gab es fünf Straßenbahn-Crashs, zeigt eine Auswertung der Polizei – alle verursacht von Linksabbiegern. Die Kreuzung Wallstraße und Greiffeneggring ist dagegen unauffällig.

Die Straßenbahnfahrer sind extrem auf der Hut. „Man denkt, das geht gut, und dann zieht doch jemand in die Wallstraße – da hat man keine Chance“, erklärt Jan Werdermann, bei der VAG für den Fahrbetrieb zuständig.

Denn eine Tram, die 30 Stundenkilometer schnell fährt, hat einen Bremsweg von mehr als 20 Metern, bei Tempo 50 rund 50 Meter. „Das unterschätzen die anderen Verkehrsteilnehmer.“ Oder sie übersehen die Bahn, die hinter ihnen fährt. Die Entgleisungen waren „Glück für den Pkw-Fahrer“, sagt Werdermann. Sonst wären die Autos an Hauswand oder Ampel gedrückt worden. Die VAG hat den Schaden und hohen Zeitaufwand. Dabei sind ihre Fahrer auf „Hotspots“ geschult und verhindern sehr viele Unfälle, auch mit Notbremsungen.

Die Behörden wissen um das Problem. Die Polizei kontrolliert mit Unterstützung des Ordnungsamts immer wieder, mit schwankendem Ergebnis. 2018 erwischten sie pro Stunde zehn Linksabbieger; 2016 waren es einmal über 100 in knapp zwei Stunden – Strafe: 15 Euro. Aber sie können nicht ständig da stehen. Mehrfach haben Ämter und Polizei die Stelle begutachtet. Mehr als jetzt geht nicht, erklärt das Garten- und Tiefbauamt: „Die Beschilderung ist eindeutig und durch Bodenmarkierungen nochmal verdeutlicht.“

Das Linksabbiegen mit einer Sperre zu verhindern sei nicht möglich, weil Autos sonst nicht mehr aus der Wallstraße heraus- und von der Kartäuserstraße hineinfahren können.

Keine Chance sieht das Amt auch für ein Legalisieren: Für eine Linksabbiegerspur ist die Straße zu eng. Weil die Spur fehlt, fällt eine getrennte Ampelschaltung für Tram und Auto auch aus. Sie könnte die Stelle entschärfen, aber alle auf dem Ring müssten anhalten, sobald eine Straßenbahn naht, ob sie nun abbiegen oder geradeaus wollen. Aus dem selben Grund würde es zu Staus auf dem Ring und der störanfälligen B 31 führen, würde sich die Tram ihre Spur mit Linksabbiegern teilen. Zudem hätten die Verkehrsplaner Bedenken, dass die Wallstraße zum Schleichweg würde.

„Das ist sehr komplex“, sagt VAG-Mann Werdermann: „Baulich können sie da einfach nichts machen.“ Die einfachste Lösung wäre, heißt es im Rathaus: Alle hielten sich an die Verkehrsregeln. Die Falschabbieger mit einem Blitzer davon zu überzeugen, wäre grundsätzlich eine gute Idee, sagt das Amt für öffentliche Ordnung auf die Nachfrage, ob ein an die Ampelphase gekoppeltes Gerät in der Wallstraße die Linksabbieger vom Schwabentorring erfassen könnte.

Solche Geräte gebe es in anderen Ländern, aber soweit das Ordnungsamt weiß, nicht in Deutschland. Für den Gemeindevollzugsdienst steht fest: „An dieser Stelle weiß jeder, dass man nicht abbiegen darf.“