Drei junge Feuerwehrleute haben in den vergangenen Jahren Brände in Freiburg gelegt. In zwei Fällen war ihre Zugehörigkeit zur Feuerwehr bisher nicht öffentlich bekannt. Angehörige der Feuerwehr kritisieren, ihre Leitung ziehe daraus keine Konsequenzen. Gegenüber dieser Zeitung hat sie nun angekündigt, das Thema gründlich anzugehen.

Die drei Fälle ereigneten sich in den Jahren 2005, 2009 und 2018. Der erste Fall machte Schlagzeilen: Ein Feuerwehrmann wurde wegen Brandstiftungen verhaftet, die Serie umfasste 24 Brände mit einem Schaden von 3,8 Millionen Euro. Der 21-Jährige war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Zähringen, auch schon als Jugendlicher. Bei dem Brand im Jahr 2009 an der Tullastraße starb ein Familienvater; seine Tochter und drei andere Hausbewohner wurden schwer verletzt. Die Polizei ermittelte einen Jugendlichen, den das Gericht in nicht-öffentlicher Verhandlung verurteilte. Dass er Mitglied der Jugendfeuerwehr Zähringen war, wird jetzt dadurch bekannt, dass sich eine besorgte Gruppe aus der Feuerwehr an diese Zeitung wandte. Parallel ging ein anonymes Schreiben mit ähnlichen Vorhaltungen im Rathaus ein. Es sei aber nicht von ihr, versichert die Gruppe.

Die erste Serie im Jahr 2005 habe nicht verhindert werden können, sagt ein Sprecher der Gruppe. „Aber man muss seine Lehren daraus ziehen.“ Stattdessen habe es einen weiteren Fall sogar mit Todesfolge gegeben. „Da muss man doch wach werden“, sagt der Feuerwehr-Angehörige. Der Brand an der Tullastraße habe gezeigt, dass etwas falsch laufe, sei aber intern nicht aufgearbeitet worden.

Von 2016 an brannten immer wieder Fahrzeuge in Hochdorf. Die Polizei ermittelte im Sommer 2018 einen dringend Tatverdächtigen, dessen DNA sich am Tatort fand. Dieser Fall endete tragisch: Der mutmaßliche Brandstifter starb überraschend. Der 19-Jährige war Freiwilliger Feuerwehrmann in Hochdorf und zuvor in der Jugendabteilung. Weil dies nicht einmal intern thematisiert werde, erklärt die Gruppe, wende sie sich an diese Zeitung. Sie fürchte Vertuschung. „Dabei gibt es inzwischen Tote und Riesenschäden“, sagt der Sprecher.

Er sieht einen Teil des Problems in der Ausbildung des Nachwuchses. Zwar werde ehrenamtlich tolle Arbeit geleistet. Seit einiger Zeit aber werde der Feuerwehreinsatz teils geradezu heroisiert. Die jungen Leute würden heiß gemacht, Helden zu sein und Anerkennung zu finden. Doch der Grat sei schmal. Tatsächlich löschten sie im Alltag seltener Brände, sondern rückten wegen Fehlalarmen und Ölspuren aus. Manchen Ausbildern mangele es an Sensibilität und es fehle eine Schulung zu der Problematik, sagt der Mann: „Das muss sich zur Vermeidung künftiger Fälle ändern.“

Die Führung der Feuerwehr sieht nur zwei Brandstifter aus den eigenen Reihen. Der Jugendliche im Fall Tullastraße sei nicht aktiv gewesen, sagt Ralf-Jörg Hohloch, Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz, also auch kein Fall zum Aufarbeiten. Im Gegensatz zu 2005, sagt Reiner Ullmann: „Das war Thema in der Abteilungskommandantensitzung“, so der Chef der Freiwilligen. „Aber die Ereignisse in Hochdorf haben mich rechts und links überholt.“ Als die Polizei mitteilte, sie habe den Verdächtigen ermittelt, erwähnte sie weder dessen Tod noch die Zugehörigkeit zur Feuerwehr.

Die Leitung der Feuerwehr hat überlegt, wie sie das Thema bei den unteren Führungskräften und Abteilungen ansprechen, wie sie es in der Schulung einbauen könnten, aber noch nichts Konkretes unternommen. Der Todesfall habe alles überlagert. Ullmann wollte der Abteilung Hochdorf Zeit geben, den Schock zu verarbeiten. „Von uns wurde nichts vertuscht“, sagt Hohloch. Die Freiwilligen-Führung habe nichts falsch gemacht.

Gleichzeitig sieht er den Druck von außen als Beschleuniger: „Das hat uns positiv aufgeschreckt.“ Fachliteratur und Informationen über Brandstifter in Uniform seien rar, sagt Hohlochs Stellvertreter Philipp Golecki: „Repräsentative Auswertungen gibt es nicht.“ In Deutschland gebe es jährlich 37 Brandstiftungen pro 100 000 Einwohner. Nach früheren Angaben des Brandermittlers und Sachverständigen Frank Stolt legen jährlich 40 bis 50 Freiwillige Feuerwehrleute Brände in ganz Deutschland, was laut Golecki gerechnet auf 100 000 Einwohner im Promillebereich liege. Brandstifter seien meist männlich, jünger als 25, alleinstehend, hätten wenig Bildung und großen Geltungsdrang. „Innerhalb der Feuerwehr wird das Thema meist tabuisiert.“ Das sieht auch Hohloch so: „Wer guckt schon gern in den Spiegel.“

In Freiburg soll ein Referent der Polizei eine Fortbildung über Brandstifter bei der Feuerwehr geben. Dabei soll es um Prävention, Anzeichen und um den Fall der Fälle gehen. „Wir haben regelmäßig Schulungen, da ist das ein Pflichttermin“, sagt Ullmann. Auch die Berufsfeuerwehrleute sollen geschult werden.