Stau? In Freiburg nichts Ungewöhnliches. Doch jetzt gibt es mit dem Münsterplatz einen ganz neuen Ort, wo man Geduld aufbringen muss: Seit es nur noch drei statt fünf Wurstbrätereien gibt, kommt es vor den Lange-Rote-Ständen öfter zu langen Wartezeiten. Doch bald sollen zwei neue Imbisse ausgewählt werden plus ein Kaffeestand für die Südseite. Der Gemeinderat soll die neuen Richtlinien für den Münstermarkt beschließen. Dabei geht es auch um transparentere Kriterien bei der Vergabe der Imbissstände.

Die Belegschaft der drei verbliebenen Stände brät und grillt im Akkord, kommt zu den Spitzenzeiten aber trotzdem kaum hinterher. Mitte Juli hatten die Familie Uhl ihren Wurststand wegen Personalproblemen aufgegeben. In der ersten Septemberwoche folgte das Aus für die Familie Hauber – per Gewerbeuntersagung durch die Stadt. Seither verköstigen nur noch die Stände Meier, Hassler und Licht die hungrige Kundschaft.

„Das war sicher nicht zu unserem Nachteil“, beschreibt Thomas Meier die vergangenen Monate. „Allerdings sind September und Oktober in jedem Jahr immer die umsatzstärksten Monate“, so Meier, dessen Opa 1949 die erste Wurst auf dem Münsterplatz verkaufte. Die Verträge der verbliebenen Imbisse laufen noch bis zum 31. März 2022. Für die frei gewordenen Plätze gibt es nun eine Neuausschreibung. Diese hat sich mehrere Monate verzögert, weil die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM), die den Münstermarkt veranstaltet, gemeinsam mit dem städtischen Rechtsamt zunächst die Richtlinien für den Münstermarkt überarbeiten wollte.

Für die Nordseite sollen die zwei weggefallenen Wurststände ersetzt werden. Der Kaffeestand auf der Südseite wird dagegen ein neues Angebot sein. „Das haben auch wir Marktbeschicker immer gefordert“, sagt Wurststandbetreiber Meier. Die Marktregularien werden so angepasst, dass der Kaffeeanbieter seine Heißgetränke aus einem „gängigen Verkaufsfahrzeug“ anbieten kann.

„Der Münstermarkt ist den Freiburgern heilig“, sagt Finanzbürgermeister Stefan Breiter, der zuständige Dezernent. Traditionsbetriebe seien wichtig, ständige Wechsel würden Unruhe schaffen. Er hofft nun auf gute Bewerbungen: „Ich hoffe, dass es Betriebe sind, die steuerrechtlichen Hausausaufgaben gemacht haben“, so der Bürgermeister und Ex-Finanzämtler.

Neu geordnet wird auch das Auswahlverfahren. Die Kriterien lauten unter anderem: Attraktivität des Standes, technische Ausstattung, Qualität der Dienstleistung und des Warenangebots sowie die Erfahrung aus anderen Veranstaltungen. Für ein Gesamtergebnis werden die einzelnen Kriterien dann nach einem festgelegten Schlüssel gewichtet. Die FWTM wird eine Ersteinschätzung der Bewerbungen vornehmen, eine Bewertungskommission von FWTM und Stadt wird eine Entscheidung vorbereiten – die Entscheidungshoheit liegt dann aber allein bei den städtischen Mitgliedern der Kommission. Dieses Vorgehen hat Gründe. In der Vergangenheit hatten immer wieder im Auswahlverfahren unterlegene Bewerber das Gericht angerufen. Die Richter hatten der Stadt dann dringend geraten, dass sie die Entscheidung über die Vergabe nicht aus der Hand geben dürfe.