Es ist der achte Prozesstag in der Verhandlung um den Staufener Missbrauchsfall vor dem Freiburger Landgericht. Richter Stefan Bürgelin verliest die Vorverurteilungen von Christian L. Es sind eine Menge.

Der Blick der Journalisten im Gerichtssaal.
Dies ist der Blick der Journalisten im Gerichtssaal. Der SÜDKURIER ist auch heute wieder vor Ort. | Bild: Mirjam Moll

Bereits 2005 wird Christian L. wegen Besitzes von Kinderpornografie zu einem Jahr Haft verurteilt, 2010 folgt eine Verurteilung wegen Missbrauchs einer damals 13-Jährigen in 23 Fällen. Christian L. wird zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Dabei kam auch die dreijährige Schwester des Mädchens zu Schaden, die nackt fotografiert wurde. Der damalige Gutachter stellt bei Christian L. eine "kombinierte Persönlichkeitsstörung" fest und dissoziales Verhalten sowie eine sexuelle Störung - Pädophilie wurde damals allerdings nicht eindeutig festgestellt.

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Auch die Gefahr, dass Christian L. weitere Taten dieser Art begehen könnte, wurde damals nicht gesehen. Eine Sicherungsverwahrung kam deshalb nicht in Frage.

Weitere Chatverläufe verlesen 

Richter Stefan Bürgelin und Richterin Kathrin Schenk verlesen zum Ende der Beweisaufnahme weitere Chats zwischen Christian L. und Berrin T. über WhatsApp. In den Unterhaltungen geht es um das damals dreijährige körperlich und geistig behinderte Mädchen, dass Christian L. gemeinsam mit Berrin T. mehrfach missbraucht hat.

Ein Blick auf die Anklagebank.
Ein Blick auf die Anklagebank. Die beiden Hauptangeklagten sitzen gemeinsam mit ihren Verteidigern auf der rechten Seite des Gerichtssaals. | Bild: Mirjam Moll

Berrin T. sollte dafür sorgen, dass Christian L. an die Tochter einer Bekannten von der Tafel kommt. Berrin T. forderte ihn den Chats von Christian L., dass er ihr dafür versprechen solle, sich nicht an ihrem Sohn zu vergehen. L. versicherte ihr damals, dass er sich "nicht für Jungs interessiere".

Aus dem Chatverlauf geht hervor, dass Christian L. vorhatte, sich häufiger und über Jahre hinweg an dem Mädchen zu vergehen.

Vergewaltigungen strategisch geplant

Sorge, dass sie ihn verraten könnte, hatte er nicht. Er war sich stattdessen sicher, dass sich das Kind nach dauerhaftem Missbrauch nicht mehr gegen die Taten wehren würde, sondern dies als Normalität empfinden würde.

Berrin T. ließ sich darauf ein, Christian L. "das Mädchen zu besorgen", fragte L. aber immer wieder, ob er nur deshalb mit ihr zusammen sei.

Christian L. wiederum fragte immer wieder, ob Berrin T. die Vorstellung, das Mädchen zu missbrauchen, nicht auch sexuell errege. Als das Mädchen später vergewaltigt wurde, war Berrin T. daran aktiv beteiligt.

Das sagt der forensische Gutachter

Mit Spannung ist das forensische Gutachten erwartet worden. Es wird ausschlaggebend für eine mögliche spätere Sicherungsverwahrung sein: Der Experte Hartmut Pleines muss einschätzen, ob von beiden eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht. 

Über Christian L.

Dem Hauptangeklagten Christian L. attestiert Pleines Pädophilie – hetero und homosexuell, mit aggressiver bis sadistischer Nebenströmung sowie dissoziale Persönlichkeitsstörung.

Über die Gefahr für die Allgemeinheit sagt Pleines: "L. vereint auf sich eine Reihe von Merkmalen, die für ein hohes Rückfallrisiko sprechen."

Über Berrin T.

Über Berrin T. sagt der Gutachter: "T. hat eine unzureichende intellektuelle kognitive Entwicklung", Bei einem Test wurde ein Intelligenzquotient von 67 festgestellt.

Zur Frage, ob Berrin T. pädophil sein könnte, lässt der Gutachter verlauten: "Es lässt sich auf keinen Fall behaupten, dass sie pädophil wäre."

Zum Punkt der Sicherungsverwahrung sagt Pleines: "Bei Frau T. lässt sich kein ungünstiges Risikoprofil der Rückfalldelinquenz erkennen."

Was am 8. Verhandlungstag noch geschah

Gutachter Pleines stellte den Antrag, die Öffentlichkeit ausschließen zu lassen, um über die möglichen Folgen des Missbrauchs für den Jungen zu sprechen. Pleines fürchtet eine negative öffentliche Darstellung für die Prognose des Kindes. Das Gericht entsprach diesem Antrag.