Der Regen der vergangenen Tage hat fast vergessen lassen, dass es den Großteil des Jahres völlig anders aussah: Menschen und Natur ächzten unter großer Hitze und langer Trockenheit. Die Superlative der Messwerteskalen hat 2018 zwar nicht in allen Bereichen geknackt, aber es war mit großer Sicherheit das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Temperatur und Trockenheit

Bislang gibt es nur eine deutschlandweite Prognose, aber die dürfte auch für Freiburg gelten, sagt Andreas Matzarakis vom Deutschen Wetterdienst. Demnach war es noch nie so warm wie dieses Jahr. „Und wahrscheinlich gehört 2018 auch zu den drei trockensten Jahren.“ Der Rekord steht in Freiburg seit 125 Jahren: 1893 fielen nur 607 Liter Regen. Am wärmsten war es 2000 mit 12,8 Grad, 0,1 Grad mehr als 2003. Nicht ganz überboten hat Freiburg die höchste Anzahl an Sommertagen mit mehr als 25 Grad Celsius: 2003 gab es 107, dieses Jahr waren es 104.

Flüsse und Grundwasser

Nach den Regenfällen macht die Dreisam ihrem Namen („die Schnellfließende“) aktuell wieder alle Ehre. Den Großteil des Jahres gab es jedoch ein anderes Bild. „Wir waren ständig in Habachtstellung“, sagt Franz Bühler, Vorsitzender des Freiburger Angelsportvereins. Ende Juli fischten die Aktiven 2500 Forellen, Mühlkoppen und Schmerlen aus der Dreisam und versetzten sie in tiefere Gewässer – die erste Aktion dieser Art seit 2003. Weil so wenig Wasser in der Dreisam war, mussten sich die Fische zudem in den wenigen Gumpen sammeln. Beutetiere hätten damit leichtes Spiel gehabt, sagt Bühler. Er könne die Fischverluste nicht quantifizieren, „aber sie waren enorm“.

Am Pegel in Ebnet wurde das Allzeittief zwar nicht unterboten (der niedrigste Wasserstand lag vier Zentimeter höher als 2003); was aber total ungewöhnlich gewesen sei, erklärt die zuständige Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, waren die niedrigen Wasserstände im Herbst. Weil es kaum regnete, lag der Pegel im Oktober und November immer noch rund 30 Zentimeter tiefer als normal. Noch längst nicht wieder aufgefüllt seien die Grundwasserspeicher, sagt Klaus Rhode vom Energieversorger Badenova: Damit sich der Grundwasserstand wieder stabilisiere, seien acht Wochen Regen notwendig.

Verluste für Landwirte

Im städtischen Tiergehege Mundenhof hat Leiterin Susanne Eckert derzeit viel Aufwand und muss rechnen. Denn die Vierbeiner verputzen jedes Jahr zwischen 100 000 und 140 000 Kilogramm Heu, das der Mundenhof komplett zukauft. Nur: Wegen der Trockenheit wuchs das Gras nicht, deshalb gab es weniger Heu. Der Markt ist leergefegt, und die Preise lägen doppelt so hoch wie vor einem Jahr, erklärt Padraig Elsner, Sprecher des Badisch Landwirtschaftlichen Hauptverbandes. „Wir haben es geschafft, unser Lager erstmal gut zu füllen“, sagt Susanne Eckert. Sie hat keine Sorge, dass die Tiere über den Winter verhungern müssten: „Irgendwo werden wir noch Heu herbekommen.“ Für die Landwirte sei das Jahr erneut kein einfaches gewesen, sagt Padraig Elsner. Vor allem beim Mais habe es große Trockenverluste gegeben. Die Gewinner seien die Winzer, die sich über einen guten Jahrgang freuten.

Wie geht es weiter?

Wegen des Klimawandels wird der Schwarzwald in wenigen Jahrzehnten typische Landschaftsformen verlieren, so das Ergebnis einer Studie, die die Freiburger Beratungsfirma Unique vorgestellt hat. Geschäftsführer Bernd Wippel sagt: „Die zunehmend höheren Temperaturen und fehlender Niederschlag werden in den Wäldern und Wiesen rund um Freiburg und am Schauinsland spürbar sein.“