80 Jahre nach der Zerstörung der Alten Synagoge ist die jüdische Gemeinde in Freiburg wieder im Besitz einer eigenen Synagoge. Das Gebäude an der Engelstraße in der Innenstadt gehörte der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Jüngst wurde die Eigentumsübertragung notariell beurkundet. „Ein historischer Moment“, findet die Freiburger Vorsitzende Irina Katz.

Zur Unterzeichnung war nicht nur Rami Suliman gekommen, der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, sondern auch Oberbürgermeister Martin Horn.

Bereits im Jahr 1971 hatte die Stadt Freiburg das Grundstück zwischen Nußmannstraße und Engelstraße der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRGB), vertreten durch den Oberrat mit Sitz in Karlsruhe, geschenkt. Er ist der Dachverband der heute zehn jüdischen Gemeinden in Baden. Der damals bezifferte Wert des Grundstücks: 760 000 Mark. Eingeweiht wurde die Synagoge 16 Jahre später. Zum Gebäudekomplex gehören auch Ladengeschäfte und acht Wohnungen. An den Baukosten von zehn Millionen Mark beteiligte sich die Stadt mit einer Million Mark und das Land mit 3,5 Millionen Mark.

Die Idee, das Gebäude an die örtliche Gemeinde zu übertragen, ist schon ein Vierteljahrhundert alt. 1993 und 2010 gab es Verhandlungen mit dem Ziel, die Synagoge von der IRGB an die jüdische Gemeinde vor Ort zu übergeben, so wie andernorts auch, um Verwaltungskosten zu senken. Erschwert wurden die Gespräche, weil auf der Immobilie eine Hypothek von einer halben Million Euro lastet und eine Sanierung für 1,2 Millionen Euro ansteht. Die Verträge waren bereits unterschriftsreif, als der israelitischen Gemeinde aufgrund interner Querelen plötzlich Ansprechpartner fehlten.

Vor vier Jahren der dritte Anlauf. In den Gesprächen sei sogar erwogen worden, dass die Stadt die Synagoge kauft, heißt es in einer Informationsvorlage für den Gemeinderat, der am 14. Februar 2017 die Einigung gebilligt hat, die laut Rathaus nun auch umgesetzt worden ist: Danach wird der Gebäudekomplex geteilt in Synagoge und Gemeindezentrum einerseits – sie gehen ins Eigentum der Freiburger Gemeinde über –, sowie Läden und Wohnungen andererseits, die im Besitz der IRGB und mit der Hypothek belastet bleiben. Die Stadt übernimmt 640 000 Euro der Sanierungskosten – die Hälfte hat sie schon überwiesen.