Nach wie vor halten mehrere Tötungsdelikte die Polizei in Freiburg in Atem. Freiburgs großgewachsener Kripochef Peter Egetemaier überblickt die Arbeit der zwei Sonderkommissionen „Dreisam“ und „Erle“, die die Mörder von Maria L. und Carolin G. suchen. Übrigens mit Unterstützung von inzwischen 40 Beamten von außerhalb, die derzeit in Freiburger Hotels untergebracht sind.

Auf die Frage „Wie geht’s“ antwortet der Leitende Kriminaldirektor mit einem gequälten Lächeln: „Das können Sie sich vorstellen“. Den Kripochef nervt, dass die aufwändigen Ermittlungen bisher noch keine erfolgversprechende Spur ergeben haben. Ein Beispiel dafür ist das auffällige Fahrrad, dass der Täter am Tatort mitten auf dem Dreisam-Radweg unweit des Fundorts der Leiche von Maria L. abgestellt hatte. „Allein 300 Hinweise“ zu diesem Fahrrad seien eingegangen, sagt Egetemaier,“ und „manchmal dachten wir, da ist jetzt ein weiterführender Hinweis dabei“. Bei näherer Nachprüfung zerstoben die Hoffnungen auf Erkenntnis- und Fahndungserfolg dann aber schnell – immer wieder. Peter Egetemaier kann es kaum glauben, dass Nutzer beziehungsweise Besitzer des Fahrrads, an dem Täter-DNA identifiziert wurde, weiter verborgen bleiben.

Auch der Kripochef wartet darauf, dass das LKA in Stuttgart im Fall Carolin G. wie im Fall Maria L. eine genetische Spur des Täters findet. Dass dann Klarheit herrscht, ob die beiden Mordfälle im Raum Freiburg nur einem Täter zuzuschreiben sind, der, so Egetemaier, „auf ein Opfer, wie er es sich vorstellt, wartet und es dann überfällt“. Oder ob es zwei Täter waren. Dass beide Morde an einem Sonntag verübt wurden, dem misst Egetemeier keine Bedeutung zu.

Aber der großen Verunsicherung unter der Bevölkerung in Freiburg, der ist er sich bewusst: „Wir stehen unter Druck, keine Frage“. Egetemaier kann sich nicht erinnern, dass in der Freiburger Polizeigeschichte zwei so große Sonderkommissionen parallel ermitteln mussten: „Das ist eine bisher einmalige Situation“. Was geschieht nun mit den DNA-Proben, die bei etwa 100 Studenten vorgenommen wurden und die nach Angaben des Landeskriminalamts keine Übereinstimmung mit der Täter-DNA im Fall der getöteten Maria L. aufweisen? „Die müssen vernichtet werden“, erläutert Pressestaatsanwalt Michael Mächtel in Freiburg. Aber wann? Antwort von Mächtel: „Wenn sie definitiv für das weitere Verfahren nicht mehr erheblich sind“. Und darüber befindet der zuständige Abteilungsleiter der Staatsanwaltschaft Freiburg, er bestimmt nach Sachlage und seiner Einschätzung den Zeitpunkt der Vernichtung des gespeicherten Genmaterials der Studenten. Bislang ist die Entscheidung laut Mächtel nicht gefallen. Der bekannte Freiburger Stafverteidiger Ferdinand Gillmeister äußerte in einem Gespräch mit dieser Zeitung die Befürchtung, die Proben könnten greifbar bleiben, bis der Täter gefunden ist. Und das kann lange dauern.

Peter Egetemaier. Bild: dpa
Peter Egetemaier. Bild: dpa | Bild: Patrick Seeger

Die Staatsanwaltschaft hat jetzt auch im Fall Carolin G. wie vorher im Fall Maria L. 6000 Euro Belohnung ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen. Bei Maria L. kommen von privater Seite 29 000 Euro hinzu, bei Carolin G. 19 000 Euro. Insgesamt sind es damit 60 000 Euro für zielführende Hinweise in den beiden jüngsten Mordfällen. Bei den privaten Auslobungen wurde sichergestellt, dass die Belohnungen auch einklagbar sind, wenn sie je fällig werden. Polizeipressesprecher Walter Roth hofft, dass es zur Auszahlung kommt. „Dann hätten wir die Täter ja“, sagt er.