In der Wirthstraße im Stadtteil Landwasser ist in mehreren Wohnblocks mit Hunderten von Bewohnern ein extrem hoher Legionellenbefall gemessen worden. Am Montag waren die Bewohner durch Aushänge kurzfristig informiert worden, dass am Dienstag in den Hochhauswohnungen ab dem achten Stock Sterilfilter eingebaut werden müssen. Das Duschen wurde untersagt. Insgesamt wurden dem Gesundheitsamt in Freiburg 2018 rund 60 Gebäude mit erhöhten Werten gemeldet. Bei einer Infektion kann es zu einer schweren Erkrankung der Lunge kommen.

Die nun bekannt gewordenen Werte in Landwasser sind ein Extremfall: Sie lagen, wie der Eigentümer der Gebäude Wirthstraße 14-22, das Bochumer Wohnungsunternehmen Vonovia, mitteilte, bei 44 900 Kolonien bildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Wasser. Mehr als 100 KBE (technischer Maßnahmewert) müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Zudem muss der Wohnungseigentümer – dies ist gesetzlich vorgeschrieben – von einem Experten eine Gefährdungsanalyse erstellen lassen, nach der dann entsprechend gehandelt werden muss: Sei es durch thermisches Desinfizieren der Wasserleitungen (Legionellen entstehen, wenn Warmwasserleitungen zu niedrige Temperaturen haben) oder durch bauliche Vorkehrungen wie den Einbau von Sterilfiltern in Wasserhähnen und Duschköpfen. Mehr als 1000 KBE gelten laut Trinkwasserverordnung als „hoch“, mehr als 10 000 KBE als „extrem hoch“. Letzteres wurde dem Gesundheitsamt vor Bekanntwerden der Fälle in der Wirthstraße in Landwasser bei den 57 Fällen in diesem Jahr bislang nur zweimal gemeldet. Bereits im September hatten sich Bewohner im Auggener Weg 2 in Weingarten und in der Auwaldstraße 79 in Landwasser – allesamt ebenfalls Mieter des größten deutschen Vermieters Vonovia – hilfesuchend an die Öffentlichkeit gewandt.

„Von den hohen Werten haben wir durch einen Prüfbericht erfahren“, sagte Vonovia-Sprecherin Bettina Benner auf Nachfrage. Das Unternehmen habe unverzüglich die Mieter per Aushang informiert und für den darauffolgenden Tag einen Austausch der Sterilfilter in allen Wohnungen in den Stockwerken acht bis 16 angeordnet und ein Duschverbot bis nach Einbau der Filter verkündet.

Ein Problem: Für die vielen ausländischen Mieter waren die Aushänge schlichtweg nicht verständlich. Eine Frau im Eingangsbereich von Haus Nummer 20 erklärte: „Ich verstehe nicht viel Deutsch.“ Es gebe so viele Aushänge – „alles nicht so wichtig!“ Mieterin Natalja Schneidmiller sagte: „Den Aushang habe ich erst gelesen, als ich gestern Nachmittag nach Hause kam.“ Da hatte sie vormittags schon geduscht, „aber wenigstens meinem Mann konnte ich früh genug Bescheid geben“. Der Aushang habe sie nachdenklich gemacht: „Ich habe zwei Kinder, daher mache ich mir mehr Sorgen. Ich war froh, dass der Duschkopf schon heute gewechselt wurde.“ Auch andere Mieter erfuhren erst durch den Monteur von dem Problem. Während eine junge Mieterin im 15. Stock der Wirthstraße 22 zum Duschen zu Freunden ging, sagte eine andere Bewohnerin, im achten Monat schwanger, dass sie den Aushang besonders ernst nehme: „Normalerweise trinken meine Kinder und ich immer viel Leitungswasser. Seit gestern koche ich das Wasser aber ab, bevor wir es trinken.“ Der Handwerker, der den Duschkopf ausgetauscht habe, habe sie beruhigt und versichert, dass sie das Wasser nun wieder normal nutzen könne. Daniela Dittmann, Vonovia-Mieterin im Auggener Weg 2, traut diesem Frieden nicht: Trotz neuer Armaturen duschen sie und ihre Familie seit Wochen und auch weiterhin bei ihren Eltern. Besonders Wasser als Aerosol, also Wasserdampf, ist gefährlich für eine Infektion. Eine Bitte um Mietminderung sei von Vonovia abgelehnt worden, sagt Dittmann, die inzwischen eine Anwältin eingeschaltet hat.