Im Mordprozess gegen den jungen Afghanen Hussein K. wird möglicherweise am Mittwoch, 21. März das Urteil gesprochen. Das kündigte die Vorsitzende Richterin Katrin Schenk am gestrigen 21. Verhandlungstag an. Hussein K. ist angeklagt, die 19-jährige Studentin Maria L. in den frühen Morgenstunden des 16. Oktober 2016 an der Dreisam in Freiburg vergewaltigt und getötet zu haben. Er beharrt darauf, bei diesem Verbrechen ebenso wie bei einer Gewalttat gegen eine 20-jährige Studentin auf der griechischen Insel Korfu schwer betrunken gewesen zu sein. Die schon zu Beginn des Prozesses aufgetischte Version stärkster Alkoholisierung zur Tatzeit wird auf Grund von Filmaufnahmen und Zeugenaussagen stark in Zweifel gezogen.

Im Zentrum des gestrigen Verhandlungstages stand die Zeugenaussage des psychiatrischen Gutachters Hartmut Pleines aus Heidelberg. Er berichtete über zwei Befragungen von Hussein K. im September und November 2017 im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg, bei denen der Angeklagte seine Sicht der Verbrechen an der griechischen Studentin Spiriduola C. und an Maria L. schilderte.

Für die Gewalttat auf Korfu, wegen der er wegen Raubes und Mordversuch zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden war, habe der junge Afghane eher verharmlosende Angaben geliefert, sagte Pleines. Er sei des Nachts volltrunken auf die Studentin getroffen, habe ihre Handtasche an sich bringen wollen, sei aber geflüchtet, weil er den Lichtkegel eines Autos wahrgenommen habe. Dabei sei er gegen die Schulter der Studentin geprallt, die daraufhin über ein Eisengeländer eine zehn Meter hohe Klippe stürzte und schwerst verletzt wurde. Sie leidet heute noch unter dem Überfall und dessen Folgen.

Griechin widerspricht Angeklagten

Sexuelle Motive hätten ihn nicht zu dem Angriff verleitet, er habe lediglich Geld erbeuten wollen und habe sein Geständnis abgelegt, nachdem die Polizei ihn nach seiner baldigen Festnahme massiv geschlagen habe. Der junge Afghane habe es auf sie abgesehen gehabt und nicht auf ihre Handtasche, berichtete die Studentin einem deutschen Kriminalbeamten, der mit ihr in Griechenland gesprochen hatte und gestern vor dem Landgericht aussagte.

Maria L., so die Schilderung von Hussein K. gegenüber dem Psychiater, habe er ebenso stark betrunken angegriffen. Nachdem er gegen ihr Rad getreten habe und Maria L. stürzte, habe er sie mit einem Schal gewürgt, weil „meine Hände dafür nicht kräftig genug waren“. Er habe sie dann sexuell berührt und schließlich im Fluss Dreisam abgelegt, wo die 19-Jährige ertrank. Das Tatgeschehen sei ihm im Grunde nicht in Erinnerung. Dass Maria L. tot war, habe er erst am Tag danach über das Fernsehen erfahren. In einer weiteren gutachterlichen Aussage wurde gestern die Erkenntnis einer Zahnanalyse bestätigt, dass Hussein K. zur Tatzeit in Freiburg mindestens 22 Jahre alt war. Er behauptet nach wie vor, jünger gewesen zu sein, um nicht nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt zu werden.