Freiburg – Badische Gemütlichkeit, Bächle in der Innenstadt, Sehenswürdigkeiten und eine idyllische Landschaft: Freiburg, die viertgrößte Stadt in Baden-Württemberg, hat überregional ein positives Image – und ist eines der beliebtesten Touristenziele im deutschen Südwesten. Viele wollen hier auch leben: Freiburg ist die Stadt in Baden-Württemberg, die am schnellsten wächst. Doch sie ist auch die kriminellste Stadt im Land. Aktuelle Schwerverbrechen setzen die Polizei nun noch mehr unter Druck.

„Wir arbeiten unter Hochdruck, sämtliche Kapazitäten werden ausgeschöpft“, sagt die Freiburger Polizeisprecherin Laura Riske. Die Polizei in der 220 000 Einwohner zählenden Stadt ist am Limit. Ermittler machen Überstunden, arbeiten rund um die Uhr. Sie haben es seit Tagen parallel mit zwei spektakulären, ungelösten Verbrechen zu tun. Diese sorgen für Unruhe in der beschaulichen Stadt.

Blumen und Kerzen stehen in Freiburg vor einem Baum an der Dreisam. Dort wurde am 16. Oktober eine getötete Studentin in der Nähe eines Fahrrads aufgefunden.
Blumen und Kerzen stehen in Freiburg vor einem Baum an der Dreisam. Dort wurde am 16. Oktober eine getötete Studentin in der Nähe eines Fahrrads aufgefunden. | Bild: Patrick Seeger (dpa)

Am frühen Sonntagmorgen hat ein Unbekannter in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und getötet. Die junge Frau war mit dem Fahrrad von einer Studenten-Party nach Hause unterwegs, als sie am Uferweg des Flusses Dreisam Opfer des tödlichen Verbrechens wurde. Vom Täter fehlt jede Spur. Nicht nur die Studenten in der badischen Universitätsstadt sind geschockt. Am gleichen Tag wurde eine weitere tödliche Tat bekannt, die sich bereits am Mittwoch zuvor ereignet hatte: Ein 51 Jahre alter Mann, der nachmittags in der Öffentlichkeit auf einem belebten Platz nahe der Innenstadt in der Nähe einer Kirche uriniert, wird von vier unbekannten Männern angegriffen und geschlagen. Er stirbt wenig später an den Folgen des Übergriffs. Auch von diesen Tätern hat die Polizei keine Spur, sie bittet um Hinweise.
 

Hinzu kommt am Freitag ein Fall, der für die Polizei besonders unangenehm ist. Denn ein mutmaßlicher Täter kommt aus den eigenen Reihen: Ein Polizeibeamter wird festgenommen, weil er gemeinsam mit einem Komplizen illegal mit Anabolika gehandelt haben soll. Es geht nicht nur um Verstöße gegen das Anti-Doping- und das Arzneimittelgesetz, sondern auch um Strafvereitelung im Amt und um die Verletzung von Dienstgeheimnissen.

„Freiburg profitiert in der öffentlichen Wahrnehmung von seinem positiven Bild“, sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne): „Doch Freiburg hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie jede andere Großstadt auch.“ Der Blick in die landesweite Kriminalitätsstatistik zeigt: Freiburg ist seit vielen Jahren die Kriminalitätshochburg in Baden-Württemberg, führt die Statistik deutlich an. In keiner anderen Stadt im Land gibt es mehr Verbrechen pro Einwohner als hier.

Laut polizeilicher Statistik ist die Altstadt mit 7202 Fällen (2015) der mit Abstand am stärksten belastete Stadtteil, abgeschlagen sind die Stadtteile Haslach (2928), Stühlinger (2701) und die Wiehre (2161). Auf 100 000 Einwohner im Jahr 2015 kamen in Freiburg 12 296 Straftaten. Zum Vergleich: In Mannheim waren es 11 654. Der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger fordert deshalb seit Jahren mehr Beamte – mit bislang mäßigem Erfolg.

Zwar gibt es viel Kleinkriminalität, doch schwere Verbrechen prägten zuletzt das Bild. Sexuelle Übergriffe auf Frauen in Diskotheken und in der Innenstadt hatten Freiburg Anfang des Jahres bundesweit Negativ-Schlagzeilen eingebracht. Im August dann wurde eine 24 Jahre alte Studentin in einer Wohngemeinschaft in Freiburg mit mehreren Messerstichen getötet. Ein Mitbewohner wurde festgenommen.

Eine offene Wunde ist bei der Polizei noch immer der Mord an dem acht Jahre alten Armani. Der Junge wurde im Juli 2014 von einem Unbekannten erwürgt, die Leiche fand sich in einem Bach. Der Täter ist bis heute unbekannt, der Fall liegt bei der Kripo inzwischen bei den Akten. Er soll laut Ermittlern aber regelmäßig auf mögliche neue Erkenntnisse hin überprüft werden.