Das Hospiz in Wangen (Kreis Ravensburg) ist nach der Krankmeldung mehrerer Mitarbeiter vorübergehend geschlossen. „Wir hoffen auf eine zeitnahe Wiedereröffnung“, sagte die Vorsitzende des Trägervereins Calendula und frühere Hospiz-Leiterin, Annegret Kneer. Ein Termin stehe aber noch nicht fest. Denn das Hospiz und vor allem Kneer selbst sind seit Wochen massiv in der Kritik: Ehemalige und aktive Mitarbeiter und Vereinsmitglieder sprechen laut Medienberichten unter anderem von einer Überbelegung der Einrichtung und einer massiven Überlastung der Pflegekräfte.

Der „Schwäbischen Zeitung“ hatten Mitarbeiter zum Beispiel geschildert, aus Platzgründen seien gestorbene Bewohner im Badezimmer zwischengelagert worden. Zudem war von abgelaufenen Medikamenten und nicht sorgfältig dokumentierten Arzneimittelgaben die Rede. Kneer wies die Vorwürfe zurück: Das Hospiz habe bislang immer einen guten Ruf gehabt, sagte sie. „Wir haben gute Arbeit abgeliefert.“ Nur einmal sei ein Bett mit einem Verstorbenen für einen kurzen Zeitraum im Bad abgestellt worden - um zu vermeiden, dass sich bei dessen Abtransport der Weg mit einem neuen Patienten kreuze.

„Aber wir haben ganz bestimmt nicht Verstorbene im Bad gelagert.“ Die Überbelegung sei dagegen „großes Thema gewesen“, nachdem in der Region zwei Krankenhäuser geschlossen wurden, sagte Kneer. „Damals war die Not ganz akut.“ Sie habe immer versucht, „so gut wie möglich jedes Bett zu belegen“ und auch das Personal aufzustocken. Das sei aber nicht immer gelungen. Das Landratsamt hatte die Überbelegung bereits vor einigen Jahren beanstandet - 2014 akzeptierte Kneer laut einem Sprecher der Behörde sogar 2000 Euro Bußgeld. Ausgelegt war das Hospiz damals für neun Patienten - laut Medienberichten wurden in der Spitze aber bis zu 17 Menschen gleichzeitig untergebracht.

Zudem ermittelte die Staatsanwaltschaft gleich zweimal gegen die Einrichtung: Im Oktober 2015 habe der Hospiz- und Palliativverband Baden-Württemberg eine Strafanzeige unter anderem gegen Kneer gestellt, sagte ein Sprecher der Behörde. Demnach sollten etwa Hospizgäste gegen ihren Willen sediert oder festgehalten worden sein, zudem sollte es medizinische Behandlungen ohne Einwilligungen gegeben haben. Das Verfahren wurde jedoch mangels Tatverdacht eingestellt. Ab Mai 2016 untersuchte die Behörde zudem den Vorwurf der Veruntreuung von Vereinsvermögen und Ungereimtheiten beim Umgang mit Spendengeldern - auch dieses Verfahren wurde jedoch eingestellt, weil die Vorwürfe nicht verifiziert werden konnten. Kneer hatte erst kürzlich Konsequenzen gezogen und die Leitung des Hospizes aufgegeben - Vorsitzende des Trägervereins ist sie aber nach wie vor.

Ob sie bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang November erneut kandidiert, will sie noch offenlassen. Geplant sei bislang nur, dass der gesamte Vorstand des Vereins zurücktreten und es Neuwahlen geben solle, sagte die Medizinerin. Wie ihre Rolle im Hospiz künftig aussehe, sei ebenfalls ungewiss, sagte Kneer. „Das ist eine ganz schwere Frage.“ Eine Kluft zwischen sich und den Mitarbeitern im Hospiz sehe sie auch nach den Vorwürfen ihr gegenüber nicht. „Ich denke, da ist viel Energie von außen gekommen. Wie das war, wer das war, kann ich nicht sagen. Aber ich glaube nicht, dass die Mitarbeiter aus sich selbst heraus so gehandelt hätten. Ich habe ein gutes Verhältnis gehabt mit allen.“