Konstanz/Kreuzlingen Spektakulärer Fund: Schweizer Zoll entdeckt 60 Kilogramm Drogen im Kofferraum

Bei einer Kontrolle am Emmishofer Zoll zwischen Konstanz und Kreuzlingen wurden Schweizer Zöllner fündig. Es ist der bislang größte Drogenfund an diesem Zollübergang.

Da staunten selbst altgediente Drogenfahnder nicht schlecht. Bei einer Kontrolle am Grenzübergang Emmishofen zwischen Konstanz und Kreuzlingen entdeckten Schweizer Grenzwächter 60 Kilogramm Drogen. „Die erfahrenen Drogenfahnder der Kantonspolizei Thurgau sagen, so etwas hätten sie bisher noch nicht erlebt“, sagte Andy Theler am Mittwoch auf Nachfrage des SÜDKURIER.

Der Fahrer eines Personenwagens war den Beamten bereits am Dienstag mit seiner heißen Fracht ins Netz gegangen, wie erst gestern bekannt wurde. Gegen 16.30 Uhr wollte der Holländer in seinem Auto am Grenzübergang Emmishofen den Zoll passieren und in die Schweiz einreisen. „Man kann schon von einem Zufall sprechen“, sagte Pressesprecher Theler weiter. Der 39-Jährige sei seinen Zoll-Kollegen aufgefallen. Mit einem Betäubungsmittelspürhund durchsuchten Spezialisten das Fahrzeug und wurden nach und nach fündig. Die Ware sei nicht im eigentlichen Sinne versteckt gewesen, sondern habe sich im Kofferraum in Taschen befunden.

Bei der Durchsuchung seien alles in allem 60 Kilogramm Drogen sichergestellt worden. Darunter waren 36 Kilogramm Amphetamin, 5 Kilogramm Crystal Meth, an die 150.000 Ecstasy-Pillen, 6 Kilogramm Haschisch sowie mehrere Kilogramm Designerdrogen.

Die Laboruntersuchungen liefen noch, erläuterte Andy Theler weiter. „Wir müssen erst analysieren, wie rein die Drogen sind, welche Qualität sie haben.“ Allerdings liege der Marktwert offenbar zwischen 5 und 6 Millionen Schweizer Franken.

Die Ermittlungen der Kantonspolizei Thurgau und der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen hätten weiter ergeben, dass der Niederländer, der in Haft ist, mindestens einen mutmaßlichen Komplizen hatte. Auch dieser soll ein Holländer sein. Die niederländische Polizei habe den 40-Jährigen noch in derselben Nacht verhaftet. Theler verwies gestern auf die laufenden Ermittlungen. Demnach wäre es wahrscheinlich, dass der Drogenschmuggler aus den Niederlanden über Deutschland kam und seine Ware auf dem Schweizer Markt umsetzen wollte.

Die Ermittler klären gegenwärtig die genauen Hintergründe der Drogenfahrt. Auf die Frage, ob auch organisierte Kriminalität beteiligt war, erklärte Theler nur, es werde in alle Richtungen ermittelt.

Der Drogenhandel in der Schweiz floriert, in Schweizer Medien erscheint die Eidgenossenschaft inzwischen als eine europäische Drogen-Hochburg. Danach rangiert Zürich als Kokain-Metropole, aber auch Basel, Genf, St. Gallen und Bern stünden nicht sehr weit dahinter, schreibt der Schweizer „Blick“. Beim Konsum von Ecstasy belege Zürich „Rang fünf der pillenfreudisten Städte Europas“.

Um welche Mengen es inzwischen geht, zeigt schon eine Bilanz des Schweizer Zolls für den Kanton Zürich. Allein in den letzten drei Monaten 2015 stellten Zöllner dort 3,1 Kilogramm Heroin sowie knapp 26 Kilogramm Haschisch und Marihuana sicher. Neben weiteren 12 Kilogramm Kokain und 2 Liter GBL (K.-o.-Tropfen fielen den Zöllnern noch 2,8 Kilogramm Designerdrogen in die Hände.

Bei Kokain beliebt ist offenbar die geschluckte Form, eingetütet in Fingerlinge; aber auch in Koffern mit doppeltem Boden, in Rucksäcken und in Postpaketen gelangen Drogen über die Grenze. Auffällig ist aus Sicht von Experten bei der jüngsten Drogenaktion in Emmishofen die ansehnliche Menge, aber auch die breite Palette an Drogen, die im Kofferraum des Autos gefunden wurden. Vor allem die Designerdrogen passen in das Bild eines sich verändernden Marktes, auf dem synthetisch hergestellte Drogen im Kommen sind. Ihre Anbieter finden sich in vielen Ländern, so auch in Deutschland und den Niederlanden. Der Drogenmarkt ist indessen längst global, wie auch der Europäische Drogenbericht 2015 feststellt. Demnach tauchten innerhalb eines Jahres 101 neue Drogen auf dem europäischen Markt auf. Eine erschreckende Bilanz.

Die Kantonspolizei Thurgau feierte den Erfolg auf Facebook als wohl größten Fund der Geschichte des Kantons Thurgau. 
 
 

Das dürfte die grösste sichergestellte Menge an Drogen in der Geschichte des Kantons Thurgau sein!Dank der...

Posted by Kantonspolizei Thurgau on Mittwoch, 24. Februar 2016
 


Gefährliches Gift

Crystal Meth ist eine synthetisch hergestellte Substanz, auch Methamphetamin genannt. Sie wird in der Pharmazie als Arzneistoff verwendet und ist Bestandteil nicht-halluzinogener euphorisierender Drogen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gift von Stukka-Piloten wegen seiner enthemmenden Wirkung genommen. Macht abhängig.
Ecstasy, MDMA, ist auch als Partydroge bekannt und besonders im Techno- und House-Umfeld beliebt. Die Pillen können zu erhöhter Aggressivität und zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Epileptische Anfälle, Halluzinationen und Langzeitschäden sind nicht ausgeschlossen.

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