Beginnend am Freitag, 20. Juli, feiert die Gemeinde Hartheim bis einschließlich Sonntag ihre Feier zum 1250-jährigen Bestehen des Orts mit einem großen Programm. "Seit über drei Jahren bereiten sich die Hartheimer intensiv auf ihr großes Fest vor", berichtet Thorsten Steidle von der Stadtverwaltung Meßstetten.

Großer historischer Umzug am Sonntag

An den ersten beiden Tagen stünden mit der SWR 4-Schlagerparty samt Partyband "Papi’s Pumpel"s und Barock, einer großen AC/DC-Tribute-Show, zwei musikalische Höhepunkte auf der Bühne des 2000-Mann-Festzelts an. Als Höhepunkt des Festwochenends folge dann am Sonntag der große historische Umzug mit 90 Gruppen und Teilnehmern aus der gesamten Stadt Meßstetten und aus den umliegenden Gemeinden, darunter auch Teilnehmer aus Schwenningen und Stetten a.k.M..

Ortsvorsteher Bodo Schüssler (dritter von links) und Cheforganisator Robert Butz (rechts) zusammen mit Helfern und Nachbauten historischer Gemäuer für den Festumzug. Zu sehen sind (von links) die ehemalige Dorfkirche in noch unverputztem Zustand, die Dreifaltigkeitskapelle und die Zehntscheuer. Im Vordergrund zu sehen ist ein von den Aktiven gebautes Bildstöckle.
Ortsvorsteher Bodo Schüssler (dritter von links) und Cheforganisator Robert Butz (rechts) zusammen mit Helfern und Nachbauten historischer Gemäuer für den Festumzug. Zu sehen sind (von links) die ehemalige Dorfkirche in noch unverputztem Zustand, die Dreifaltigkeitskapelle und die Zehntscheuer. Im Vordergrund zu sehen ist ein von den Aktiven gebautes Bildstöckle. | Bild: Veranstalter/Stadt Meßstetten

Die Geschichte Hartheims soll bei dem Umzug von der Ersterwähnung des Orts in der St. Galler Urkunde im Jahr 768 angefangen, dargestellt werden. "Mit großem Aufwand wurden dafür zahlreiche örtliche Gebäude und Objekte nachgebaut, wie die frühere Pfarrkirche oder die Zehntscheuer", sagt Steidle. Auf alten Fuhrwerken sollten diese Bauten beim Umzug zu bestaunen sein. "Ebenso werden historische Szenen nachgestellt. Zum Beispiel der Verkauf der Herrschaft Werenwag, zu der auch Hartheim gehörte, an Österreich im Jahr 1381, die Klage der Bauern vor dem Innsbrucker Rat im Jahr 1450, die Einweihung der ersten Kirche, eine historische Bauernhochzeit oder der Anschluss des Orts an die Wasserversorgung."

Dabei sei der Anschluss an die Wasserversorgung für die Heuberggemeinde einer "Erlösung" gleichgekommen, erläutert Steidle. Schließlich hätten die Albbewohner in den Sommermonaten immer mit Wasserknappheit kämpfen müssen und so mit Fuhrwerken ins Tag fahren müssen, um das kostbare Nass in den Ort zu holen. "Zum Anschluss an die Wasserversorgung gab es dann ein riesen Wasserfest, zu dem auch der Großherzog von Baden auf den Heuberg kam.

Großherzog Friedrich I von Baden.
Großherzog Friedrich I von Baden. | Bild: Annette Weiske

Freuen könnten sich die Gäste entlang der Umzugsstrecke auch auf Umzugsteilnehmer, die alte Handwerker und Amtspersonen, wie den Waldhüter oder den Feldschütz, und alte Traditionen und Bräuche vorstellten. "Außerdem nimmt die Vorstellung von landwirtschaftlichen Tätigkeiten und Gerätschaften aus früherer Zeit einen breiten Raum ein." Eine Bereicherung des Umzugs sollten auch die zahlreichen Pferdegespanne und Reiter bringen, die teilweise eine weite Anreise auf sich nehmen. "Insgesamt wirken knapp 1000 Personen an dem Umzug mit", beschreibt Steidle die Dimension der Veranstaltung.

An allen Ecken und Enden
wird mit angepackt

„Für die Zuschauer soll der historische Umzug die Geschichte unseres Ortes zu einem spannenden Erlebnis machen“, bringt es Hartheims Ortsvorsteher Bodo Schüssler auf den Punkt. "Momentan wird an allen Ecken und Enden des Orts angepackt, damit das Festwochenende ein voller Erfolg wird“, beschreibt er die derzeitige Situation, kurz vor dem Feststart. Und er beschreibt die Ursprünge des Heubergorts: Verantwortlich für das derzeitge geschäftige Treiben in der bis zur Kreisreform selbstständigen badischen Gemeinde, sei ein gewisser Grundherr namens Amalpert gewesen. Im Jahre 768 vermachte dieser seinen Grundbesitz in Hartheim dem Kloster St. Gallen und hielt dies für die Nachwelt in einer Schenkungsurkunde fest. "Noch heute kann diese Urkunde im Stiftsarchiv St. Gallen besichtigt werden."

Für die Hartheimer ist das der Beweis

Für die Hartheimer sei das der Beweis gewesen, dass sie auf eine mindestens 1250-jährige Geschichte zurückblicken können. "Als wir uns 2015 für die Ausrichtung einer 1250-Jahrfeier entschieden haben, war sofort klar, dass es ein mehrtägiges Fest in einem großen Zelt samt historischem Umzug sein soll", erinnert sich der Ortsvorsteher, dem der Stolz auf den guten Zusammenhalt in seinem Ort sichtlich anzumerken ist.

Das Wasserfest

In der Hartheimer Chronik wird über das Wasserfest und den Besuch des badischen Großherzogs wie folgt berichtet:

"Im Jahre 1891 wurde in Anwesenheit seiner Königlichen Hoheit, des Großherzogs Friedrich von Baden, ein großes Wasserfest gefeiert. Der Besuch des Großherzogs in Hartheim am 2. Oktober 1891 war für die kleine Heuberggemeinde sicherlich ein Jahrhundertereignis. Mit überschwänglichen Worten wurde am 4. Oktober 1891 im Albbote Ebingen daran erinnert. Hier in Auszügen der Zeitungsbericht: Der Großherzog von Baden auf dem Heuberg Ein schöner Tag der Festesfreude liegt hinter uns. Was keiner von den ältesten Bewohnern des Heubergs erlebt, ist zur Wirklichkeit geworden: Unser vielgeliebter Landesfürst Se. Kgl. Hoh. der Großherzog hat in seiner bekannten Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit es sich nicht nehmen lassen, unsere einfachen kleinen Heubergorte zu besuchen und einem Werk seiner Huld und Gnade, der Wasserversorgung des Heubergs, durch persönlichen Augenschein die Weihe der Krönung des Werks zu geben.

Nach einem ersten Aufenthalt in Beuron bestieg der hohe Herr mit seinem Gefolge die bereit gestellten Wagen und begab sich zur Centrale der Wasserversorgungsgruppe, zur Pumpstation auf den Hammer. Der hohe Herr nahm hierauf die ganze Anlage eingehend in Augenschein. Nach einem frugalen Frühstück fand die Weiterfahrt über Nusplingen und Unterdigisheim hierher statt.

Unser Dorf hatte zu Ehren des hohen Besuches sein bestes Festgewand angelegt, vom Kirchthurm wehte weithin sichtbar eine Fahne in den badischen Landesfarben, Ehrenpforten prangten mit hübschen, sinnigen Inschriften an allen Dorfeingängen, auch Privathäuser zeigten reichen Schmuck, so besonders das des Kreuzwirths (Invaliden) Kienle. Gegen 12.30 Uhr nahmen die Schuljugend, die bürgerlichen Collegien, der hiesige und die auswärtigen Kriegervereine und ein zahlreich erschienenes Publikum Aufstellung an der Meßstetter Straße. Um 12.45 Uhr nahten die Wagen und Glockengeläute und Böllersalven verkündeten, daß der Landesfürst die Markungsgrenze überschritten. Bald hielten die Wagen und in frischer lebhafter Rüstigkeit entstieg unter lebhaften Hochrufen der Großherzog, der die Uniform seines Dragonerregiments trug. Sofort stellte der Herr Oberamtmann Behr von Meßkirch den Bürgermeister Schnell vor und dieser hielt an den Landesherrn eine warme Ansprache, in welcher er für die hohe Ehre des Besuchs S. Kgl. Hoheit dankte, dem ohnehin für so viele Gnadenerweisungen die Bevölkerung des Heubergs den aufrichtigen Dank schulde. Die Gesinnungen der Treue und Dankbarkeit fasste er zusammen in einem stürmisch aufgenommenen Hoch. Der hohe Herr wandte sich nun in geradezu unüberbietbarer Liebenswürdigkeit an eine Reihe von Personen, so an die erschienenen Pfarrer und Schultheißen der württ. Orte und an die Vorstände und einzelnen Mitglieder der Kriegervereine. Sodann begab sich der Zug zum Hochreservoir. Voran die Meßstetter Musik, sodann die Schuljugend, darunter zwölf weißgekleidete Mädchen mit einer jungen Linde und der Großherzog mit Begleitung zu Fuß, während den Schluß die Kriegervereine bildeten, so ging es zum Reservoir. Dort angekommen, ließ sich der hohe Herr zuerst die Anlage erklären und dann begann inmitten des ringsum aufgestellten Zuges ein Akt der Pietät, zu welchem der hohe Herr gnädigst seine Genehmigung ertheilte, die Pflanzung einer Erinnerungslinde. Hr. Pfarrer Banotti hielt hierbei an den Landesherrn eine prächtige, ergreifende Rede, betonte, wie gerade die Gemeinde Hartheim schon bei drei Anlässen, vor Allem: bei dem Hagelschlag, bei dem Straßenbau und bei der Wasserversorgung in so reichem Maße die Fürsorge des Landesherrn erfahren habe und deßhalb sei es Pflicht jedes guten Bürgers, Treue zu halten dem Landesfürsten bis zur Selbstverleugnung, bis zum Tode. Sein Hoch auf den Landesfürsten fand stürmischen brausenden Wiederhall. Der Großherzog dankte mit freundlichen Worten. Nun wurde die Linde gepflanzt, welche fortan zur Erinnerung an den Tag den Namen „Friedrichs-Linde“ führen wird als weithin sichtbares Zeichen der heutigen Feier. Anschließend begab sich der Großherzog mit Gefolge zu dem festlich geschmückten Gasthof zur Sonne, wo die Mittagstafel bereit gestellt war. Zu der Tafel, bei welcher 18 Gedecke in dem sehr hübsch dekorierten Saale aufgelegt waren, wurden im Auftrage des Großherzogs in liebenswürdiger Weise die erschienenen Beamten von Tuttlingen, Balingen und Spaichingen, einige Bürgermeister und Vorstände von Kriegervereinen eingeladen. Bei Tisch unterhielt sich der Landesfürst in freundlichster Weise und erkundigte sich auf´s Eingehendste nach den Verhältnissen der Gegend. Gegen 3 Uhr wurde die Tafel aufgehoben, wobei sich der hohe Herr über die Bewirthung sehr lobend aussprach. Inzwischen hatten sich die Vereine und das Publikum trotz strömenden Regens vor der Sonne eingefunden und unter herzlicher Verabschiedung, brausenden Hochrufen und dem Klang der Musik erfolgte die Abfahrt. Allen Theilnehmern an der Feier in Hartheim aber wird diese in Verbindung mit der freundlichen Person des Großherzogs eine unauslöschliche Erinnerung bleiben! – Möge Gott dem Badnerland noch lange seinen Monarchen erhalten."