Mit offensichtlich großer Sympathie wurde Sandra Flucht am Dienstagabend im Rathaus in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung offiziell in ihr neues Amt als Bürgermeisterin eingesetzt. Landrat Harald Sievers, selber erst seit einem Jahr im Amt, betonte, dass er sich sehr darüber freue mit Sandra Flucht die erste Bürgermeisterin überhaupt im Landkreis Ravensburg zu haben. "Das steht uns gut zu Gesicht", sagte Sievers.

Die Amtseinsetzung selber übernahm die stellvertretende Bürgermeisterin Josefine Haberkorn. "Das ist eine wichtige Stunde für unsere Gemeinde, ja eine Geburtsstunde", meinte sie zu den vielen Gästen aus der Gemeinde, der Politik und der Verwaltung. Natürlich gebe es durchaus große Erwartungen an Sandra Flucht. Als Schwerpunkte nannte sie unter anderem die Wilhelmsdorfer Schulen, die nicht nur eine lokale Bedeutung haben, die Riedstiftung und das Naturschutzzentrum, die gelebte Inklusion im Ort, die Schaffung von öffentlichen sozialen Wohnraum und die Teilhabe der Vereine mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement. Was erwarte Sandra Flucht von der Gemeinde, fragte Josefine Haberkorn: "Ich glaube, Sie haben einen guten Start erfahren, allein schon durch dieses Wahlergebnis." 66,5 Prozent erreichte sie auf Anhieb. Die Gemeinde sei gut aufgestellt.

"Die Schuhe sind nicht klein", formulierte es Landrat Sievers in Anspielung auf die Arbeit ihres Vorgängers Hans Gerstlauer, dessen fast 19-jährige Arbeit Sandra Flucht am 1. Juni übernommen hatte. "Sie werden ein Vorbild sein", ist sich der Landrat allerdings sicher – ein Vorbild für andere Frauen, die eine solche Position anstreben könnten. Und er ist sich sicher, "dass Sie die Gemeinde in eine gute Zukunft führen werden". Er freue sich auf die Zusammenarbeit.

"Nun gehöre ich dazu", freute sich Sandra Flucht: "Es ist schön, zu erleben, dass Sie alle – so viele Menschen – Anteil nehmen und mich auf meinem Weg in meiner neuen Aufgabe begleiten wollen." Zweifelsohne sei die Schulen, die Jugend das Kapital für die Zukunft, wandte sich an Johannes Baumann, Direktor des Gymnasiums Wilhelmsdorf, der sie stellvertretend für die Schulen begrüßte. Dieser hatte die besonderen Herausforderungen im Bildungsbereich in Wilhelmsdorf mit einem "Aufspringen auf einen schnell fahrenden Zug" verglichen. Professor Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerischen, erinnerte an die in der Gemeinde Weiterentwicklung der Inklusion.

Den Vereinen im Ort sagte Sandra Flucht ihre Unterstützung zu, ebenso eine gute Zusammenarbeit mit den Kirchen. Nicht zuletzt freute sie sich auf die Zusammenarbeit mit den Gemeinde- und Ortschaftsräten, wie auch mit den rund 80 Mitarbeitern in der Gemeinde. "Die ersten Dienstbesprechungen haben mit gezeigt, dass wir durchweg eine Sprache sprechen, auf derselben Wellenlänge sind. Das lässt sich gut an, mit so Leit kam r schaffe", so die neue Bürgermeisterin. Großen Respekt äußerte sie zu der bisherigen Arbeit in der Gemeinde: "Herr Dr. Gestlauer hat mir eine wohlbestellte Gemeinde und eine wohlbestelltes Haus überlassen." Sie müsse sich noch richtig in die Themen einarbeiten, meinte Flucht: "Ich denke und hoffe, dass Sie von mir heute kein fertiges Arbeitsprogramm für die nächsten acht Jahre erwartet haben." Und die künftige Entwicklung hänge ja nicht nur von ihr ab.

Zur Person

Sandra Flucht ist 43 Jahre alt, seit 2005 mit Joachim Flucht verheiratet und hat zwei Kinder, zehn und vier Jahre alt. Sie wohnt in Horgenzell. 1992 machte sie eigenen Angaben zufolge Abitur am Gymnasium in Weingarten. Über 20 Jahre war sie im Leistungssport (Schwimmen und Tanzen) aktiv. Von 1992 bis 1996 studierte sie an der Fachhochschule Kehl mit praktischer Ausbildungszeit bei der Stadt Weingarten. Sandra Flucht machte den Abschluss zur Diplom-Verwaltungswirtin. Von 1997 bis 1998 arbeitete sie im Gästeamt der Gemeinde Waldburg im Bereich Tourismus und in der Verwaltung der Burg, bevor sie Sachgebietsleiterin in der Ortsverwaltung Ailingen bei der Stadt Friedrichshafen wurde.

Ab 2007 war Sandra Flucht Ortsvorsteherin von Ailingen mit rund 7500 Einwohnern. Sie leitete zirka 50 Mitarbeiter in der Ailinger Verwaltung.