Die stimmungsvollen Ecken der wilden Moorlandschaft Pfrunger-Burgweiler Ried bei einer Abendwanderung erkunden, den Informationen der versierten Moorführer lauschen, die Natur hautnah erleben und den Abend mit einem Essen sowie einer eindrucksvollen Fotoschau abschließen: So erlebten 22 Teilnehmer den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe "Dem Mythos Moor auf der Spur" des Naturschutzzentrums Wilhelmsdorf. An jedem ersten Freitag in den Monaten Mai bis September finden die Moorwanderungen mit Abendessen und wechselndem Abendprogramm statt. Ausgangspunkt ist jeweils an der Riedwirtschaft, die mitten in der Moorlandschaft zwischen Pfrungen und Riedhausen liegt.

"S' g'nozged", schwäbisch für es ist matschig, warnte Moorführer Erwin Burth. Die alle Teilnehmer waren mit gutem Schuhwerk ausgerüstet. Auf schmalen Pfaden, unter dem frühlingsgrünen Blätterdach und über Teppiche aus Wiesenschaumkraut machte sich die Gruppe auf zum Nillsee. Die Schritte wurden vom "schwarzen Gold", dem weichen Torfboden, abgefedert. Zunächst berichtete Burth über den Ist-Zustand des Moores, ging dann zu seinen Kindheitserinnerungen über, wie er zum Kühehüten ins Moor geschickt wurde, und erinnerte sich an die Besuche mit dem Großvater in der Riedwirtschaft, als damals dort noch die Hühner auf den Tischen herumliefen. "Die Mischung aus Information und der Zeit, in der man die Landschaft in Ruhe auf sich einwirken lassen kann, passt", lobte Teilnehmerin Heide Guth aus Wilhelmsdorf. Vor 160 Jahren hatte an dieser historischen Stelle der Torfabbau im Pfrunger Ried begonnen. Die Jahresproduktion des Torfwerkes lag bei 35 Millionen Wasen, die Abbausaison ging von Mai bis Anfang August. Torf wurde als Heizmaterial genutzt und Streutorf zur Bodenverbesserung eingesetzt. Es wurde auch versucht, aus Torf Druckerschwärze, Asphalt und Torföl herzustellen, erklärte Burth.

Der Versuch gelang jedoch nicht. Nach dem Ende des Torfabbaus waren natürlich wirkende Seen entstanden. "Die Industrie hat uns eine Wasserfläche von 100 Hektar gebracht", sagte Burth und leitete in seinen Ausführungen auf die Wiedervernässung des Gebietes über. Den Fokus richtete er auf die dadurch entstandene Pflanzen- und Tierwelt des Riedes. Auch die Biber haben sich hier angesiedelt. Burth wies auf eine "Biberautobahn", einen Weg des Bibers von einem Gewässer zum anderen hin, zeigte Fraßspuren an Bäumen und gab "Biberchips", von Bibern abgenagte Holzstücke, durch die Reihe. Wilfried Arnold, ebenfalls Moorführer, lotste die Gruppe zu einem beachtlichen Biberdamm. "Ein tierisches Kraftwerk", sagte Schwester Gisela Ibele, eine Franziskanerin aus Ravensburg, beeindruckt. "Es ist Wahnsinn, was die Biber machen", pflichtete ihr Frank Rottler aus Wilhelmsdorf bei.

Die Relikte des Torfabbaus sind teilweise noch erhalten, wie die Torfhütten, in denen früher die Torfwasen getrocknet wurden. Weiter ging es entlang der eingewachsenen Schienen der einstmals sechs Kilometer langen Schmalspurbahn, mit der der Torf einst abtransportiert worden war. "Jetzt kommen die wildromantischen Ecken. Wir machen unser Schatzkästchen auf", kündigte Wilfried Arnold an und schürte die Neugier der Teilnehmer. Auf zahlreichen schmalen Stegen überquerten die Gäste die Gräben, wanderten zwischen Heidelbeeren, Rauschbeeren und austreibenden Birken. Selbst Riedkenner entdeckten bei der Moorwanderung Neues. "Ich habe das Ried nun von einer ganz anderen, neuen Seite gesehen", sagte Anneliese Pallmann aus Ochsenbach.

Bei der Rückkehr von der zweistündigen Moorwanderung kochte das Team von Gabriele Theuer, Wirtin in der Riedwirtschaft, bereits das deftige Moorgulasch über einem Lagerfeuer. Überraschend kamen Räuberhauptmann "Schwarz Vere" und seine Partnerin "Marie" um die Ecke und schöpften den Teilnehmern mit einer großen Kelle das dampfende Gulasch. "Da habt ihr gute Häuser gehabt", sagte Erwin Burth beim Blick in die fleischgefüllte Schüssel. In der urigen Atmosphäre des Moorstübles wurde gespeist. Anschließend fesselte Andreas Fässler aus Mengen die Teilnehmer mit einer Bilderschau aus dem Ried. Der Hobbyfotograf versteht es hervorragend, das Ried in seiner Schönheit und auch rauen Art darzustellen.

Dem Mythos auf der Spur

Das Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf bietet von Mai bis September jeweils am ersten Freitag im Monat unter dem Titel "Dem Mythos Moor auf der Spur" eine vierstündige Veranstaltung, einschließlich zweistündiger Moorwanderung, an. Wetterfeste Kleidung und passendes Schuhwerk werden empfohlen. Die nächsten Termine: 2. Juni, 7. Juli, 4. August und 1. September. Treffpunkt ist jeweils um 17.30 Uhr an der Riedwirtschaft in Pfrungen. Eine Anmeldung zu den Moorwanderungen ist unbedingt unter 0 75 03/739 oder per E-Mail an shb@naturschutzzentrum-wilhelmsdorf.de erforderlich.