Wilhelmsdorf – Die Schlange der Gäste hat sich entlang der Zufahrt zur Wilhelmsdorfer Riedhalle gezogen. Rund 600 Bürger und Weggefährten aus Politik, Kirche und Gesellschaft waren gekommen, um sich von Bürgermeister Hans Gerstlauer zu verabschieden. Nach knapp 19 Jahren wechselt er in den Ruhestand. Während vor der Halle eine Gemeinschaftskapelle aller Wilhelmsdorfer Musikvereine aufspielte, hieß Gerstlauer jeden Gast mit einem Händedruck persönlich willkommen.

Nach vier Stunden und elf Grußworten war klar, dass hier ein besonderer Mensch verabschiedet wurde. Wertschätzung, Lob, äußerst positive Attribute und viel Anerkennung für die geleistete Arbeit gaben die Redner dem scheidenden Bürgermeister mit auf dem Weg in den neuen Lebensabschnitt. Natürlich durfte er sich auch über zahlreiche Geschenke freuen. Sie reichten vom beliebten Tropfen über einen Brotbackkurs, einen Feuertisch und eine Stirnlampe bis zum Segenslied, das Pfarrer Ernest Ahlfeld anstimmte. "Etwas berührt bin ich schon von dem, was mir hier so entgegenkommt", dankte Gerstlauer. Er habe während seiner Amtszeit breites Vertrauen in der Gemeinde erfahren. "Davon getragen, war ich gerne Bürgermeister." Nicht alle Entscheidungen seien einfach gewesen, erinnerte er an Fragen des Straßenbaus oder an den Naturschutz als kommunale Aufgabe. "Für mich waren aber immer die Gratwanderungen mit dem Ziel im Blick am schönsten. Manchmal muss man dabei auch schwindelfrei sein." Er freue sich sehr, dass Wilhelmsdorf mit Sandra Flucht die erste Bürgermeisterin im Landkreis Ravensburg bekomme, sagte Gerstlauer. "Dafür wurde es höchste Zeit."

Mit der Ernennung Gerstlauers zum Ehrenbürger Wilhelmsdorfs überraschte seine Stellvertreterin Josefine Haberkorn gleich zu Beginn des Abends. "Sie haben Großartiges für die Gemeinde geleistet und wichtige Impulse gesetzt", dankte sie. Von der Abschaffung der unechten Teilortswahl über Schulentwicklung, Bau der Riedhalle bis zur Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried blickte sie auf das Wirken Gerstlauers zurück. "Bei all dem sind Sie den Menschen immer mit Würde, Achtung und Respekt begegnet."

Manne Lucha, neu bestellter Landesminister für Soziales und Integration, bezeichnete Gerstlauer als Menschen, an dem man sich orientieren könne. An Nachfolgerin Sandra Flucht gewandt, meinte er, dass Gerstlauer supertolle Fußabdrücke in der Gemeinde hinterlasse. "Aber in ihnen kann man marschieren." Harald Sievers, Landrat des Landkreises Ravensburg, lobte in erster Linie Gerstlauers Haltung. "Sie sind kein Mensch der Schnellschüsse und Parolen." Engagement bis zum letzten Arbeitstag bescheinigte Peter Smigoc als Vertreter der Bürgermeister im Landkreis Ravensburg. Extra aus der polnischen Partnergemeinde angereist war deren Bürgermeister Tomasz Antoniuk. Vertreter der Schulen, der Kirchen, der Zieglerschen, der Stiftung Naturschutz, der Vereine und nicht zuletzt der Mitarbeiter des Rathauses und des Gemeinderats gaben Gerstlauer die besten Wünsche mit auf den Weg und dankten für die gemeinsame Zeit. Musikalische Akzente setzte ein Bläserquintett von Lehrern der Musikschule Ravensburg.