Es ist ein Traum vieler Mädchen, sich die schönsten Kleider, Kostüme und Mäntel selbst zu nähen. 23 ehemalige Schülerinnen des Gymnasiums Kloster Wald sind ihrem Traum ein Stückchen nähergekommen. Sie dürfen sich von nun an Maßschneiderin nennen. Nach 12,5 Jahren Schul- und Ausbildungszeit wurden die Abiturientinnen von 2020 offiziell losgesprochen. Sie sind nun, das betonte Werkstattleiterin Diana Kempf, „befreit von den Rechten und Pflichten“ eines Lehrlings und stehen auf eigenen Füßen. Die Lossprechungsfeier fand zum ersten Mal online statt. Lediglich die Gesellinnen, ihre Meisterinnen sowie Mitglieder der Schulgemeinschaft waren vor Ort. Familien und Freunde mussten wegen der Hygienevorschriften daheimbleiben.

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Sieben Monate ganztägige Ausbildung

Seit der Wahl des Lehrberufes haben die Schülerinnen ab der neunten Klasse einen Nachmittag pro Woche in der Werkstatt verbracht. Im Anschluss an das Abitur folgten sieben Monate der ganztägigen Ausbildung, in denen sie intensiv in Theorie und Praxis auf die Gesellenprüfung vorbereitet wurden. Statt der traditionellen Modeschau, die coronabedingt nicht möglich war, produzierten die Gesellinnen mit Hilfe ihrer engagierten Meisterinnen ein Modemagazin, das seinesgleichen sucht. Hochglanzfotos voller Ästhetik und Anmut zeugen vom ganzen Können der jungen Handwerkerinnen.

Beeindruckendes Modemagazin

Die Heimschule Kloster Wald wurde bereits mehrfach für ihr Konzept der ergänzenden handwerklichen Ausbildung parallel zur Schulzeit und nach dem Abitur im Gymnasium ausgezeichnet. Dies gelang auch in Corona-Zeiten.
Die Heimschule Kloster Wald wurde bereits mehrfach für ihr Konzept der ergänzenden handwerklichen Ausbildung parallel zur Schulzeit und nach dem Abitur im Gymnasium ausgezeichnet. Dies gelang auch in Corona-Zeiten. | Bild: Christl Eberlein

Dieses Modemagazin ist, so Werkstattleiterin Kempf, nicht nur „wirklich gelungen“. In ihm sei wegen der besonderen Umstände auch die „Zeitgeschichte von 2021 festgehalten“. Vor allem aber zeuge das Ergebnis von der Eigenverantwortung, Selbstdisziplin und Teamfähigkeit, die sich die Mädchen während ihrer Ausbildungszeit erworben hätten. So bestätigte Harald Herrmann, der Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, per Videoschalte, dass es „nie verkehrt“ sei, mit einer Handwerksausbildung ins Berufsleben zu starten. Die Gesellinnen hätten unter Beweis gestellt, dass die Probleme durchdenken und lösen sowie diszipliniert und ergebnisorientiert arbeiten könnten. Er lobte die hohe Qualität der Ausbildung in Wald. Hervorragend waren bereits die Ergebnisse der Ausbildung. Insgesamt fünf Schülerinnen bekamen Preise: Anna Stander und Albertina Thurn-Valsassina (2,0) sowie Miriam Schelkle und Friederike Wiskandt (1,9). Lisa Barlecaj schloss sogar mit von 1,2 ab.

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Beeindruckt war Schulleiter Hartwig Hils von den Ergebnissen. Die Lehrlinge hätten „Corona die Stirn geboten“ in diesem Jahr und sich von den Umständen nicht bestimmen lassen. „Maßschneiderei“, fasste er zusammen, „ist für mich wie Zauberei – nur in echt.“