Die Narren landauf- und landab bedauern, dass die Fasnet 2021 der Corona-Pandemie zum Opfer fällt. Doch dies ist nicht das erste Mal, dass eine Fasnet aufgrund besonderer Umstände ausfällt. Vor 30 Jahren, im Jahr 1991 passierte dies schon einmal. Der moralische Druck aufgrund des Beginns des Zweiten Golfkrieges am 17. Januar 1991 war hoch. Er warf die Frage auf, ob man hier ausgelassen Fasnet feiern könne, während US-Soldaten und europäische Mächte im Irak kämpfen und viele Menschen bei den Kriegshandlungen ihr Leben verlieren. Den Absagen der Narrenumzüge in den rheinischen Fastnachtshochburgen folgten die Narrenzünfte im Südwesten.

Alle Gruppen für den Umzug hatten bereits zugesagt

Frieder Grupp, langjähriger Vorsitzender des Turn- und Sportvereins (TSV) 1924 Wald erinnert sich an die ausgefallene Fasnet. „Fristgerecht hatte der TSV zum 11.11.1990 die teilnehmenden Fastnachtsgruppen zum traditionellen Umzug am Fasnachtssamstag nach Wald eingeladen“. Alle Gruppen hatten auch zugesagt. Doch dann kam Mitte Januar der Golfkrieg und sagten den beliebte Umzug ab. Die TSV-Vorstandschaft plante stattdessen mit den Jedermannsturnern, die üblicherweise mit einer größeren Gruppe am Umzug beteiligt und beim Narrenbaumstellen aktiv gewesen wären, alternativ einen internen Hock im Gasthaus Lamm.

Beste fasnachtliche Stimmung

„Schnell wurde ersatzweise ein Narrenbäumchen geschlagen und geschmückt und zu dem Treffen im Lamm mitgebracht“, so Grupp. Karl-Heinz Koch von der Burraumühle berichtet, dass damals die Jedermänner beim Stammtisch die Entwicklungen diskutiert hätten und überlegten, was die Gruppe alternativ machen könne. Der damalige Jedermannsturner, der damals noch eigene Schafe und Lämmer gehalten hat, erklärte sich daraufhin bereit, ein Lamm für ein Lammessen zu spenden. Mitturner Wendelin Längle aus Walbertsweiler bereitete dieses zu und servierte es. Bei bester fasnachtlicher Stimmung ließen sich die Jedermänner im Traditionsgasthaus Zum Lamm das Lamm mit Spätzle und Gemüse schmecken. Das Treffen dehnten sie zu einem ausgiebigen Fasnachtshock aus, da sie anschließend bei Konrad Nipp noch zum Kaffee, Kuchen und Plätzchen eingeladen waren.

Ein Blick in die Vergangenheit

Bei der Recherche ist der SÜDKURIER noch auf ältere Fasnetsbilder aus der Gemeinde Wald gestoßen. Sie stammen aus dem Bildband „Wald Geschichte, Menschen, Bilder“, das von der Gemeinde Wald mit dem Geiger Verlag aus Horb am Neckar anlässlich des 800-jährigen Jubiläums 2008 aufgelegt wurde.

Das älteste Fastnachtsbild aus Hippetsweiler 1927 (oben). Darunter ein Bild aus dem Jahr 1933.
Das älteste Fastnachtsbild aus Hippetsweiler 1927 (oben). Darunter ein Bild aus dem Jahr 1933. | Bild: Gemeinde Wald
Fastnacht 1949 in Riedetsweiler mit Lehrer Hänle.
Fastnacht 1949 in Riedetsweiler mit Lehrer Hänle. | Bild: Gemeinde Wald
Die Jedermänner nehmen die Gemeindereform auf die Schippe und mit ihr das neue Rathaus.
Die Jedermänner nehmen die Gemeindereform auf die Schippe und mit ihr das neue Rathaus. | Bild: Gemeinde Wald