Walter Koch ist verärgert – und das immer wieder von Neuem. Nur wenige hundert Meter vor seiner Haustüre, an seiner Einmündung der Verbindungsstraße zwischen dem kleinen Weiler Oberkappel und dem Dorf Rengetsweiler in den Wald stolpert er sprichwörtlich immer wieder über illegale Müllablagerungen. Gerne nutzt der 63-Jährige die Abteilung 13 Obere Ebelent des Forstamtes Wald für seine Spaziergänge. Immer wieder liegen quer über den Waldweg verteilt leere Farbkübel, jede Menge Plastikhausmüll, Holzlatten, sogar einmal ein Roller und ein Fasnets-Teufelszinken aus Kunststoff. Walter Koch hat den Müll sogar schon mehrfach zur Seite geräumt. Doch kurze Zeit danach liegt der Müll wieder quer über den Waldweg drapiert, als wolle jemand damit eine Absperrung definieren. Mit dem SÜDKURIER hat sich Koch im Wald getroffen, um seinem Ärger Luft zu verschaffen.

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Bereits direkt an der Einmündung liegt der erste Müll, es zieht entlang dem Verlauf des Waldweges weiter. Neben einem Hochsitz am Weg wurde Ende November sogar ein stattlicher Stapel Faserzement-Platten (Eternit) abgeladen. In älteren Eternit-Platten ist der potentiell gefährliche Stoff Asbest mit enthalten. Die Entsorgung von Eternit-Platten sollte daher durch Fachleute mit spezieller Schutzausrüstung erfolgen.

Am Waldweg zwischen dem Distrikt 12 und 13, untere und Obere Ebelent, wurden Ende November Faserzement-Platten illegal abgeladen.
Am Waldweg zwischen dem Distrikt 12 und 13, untere und Obere Ebelent, wurden Ende November Faserzement-Platten illegal abgeladen. | Bild: Sandra Häusler

Jäger halten die Augen offen

Helmut Fleisch aus Kappel ist Jagdpächter dieses Distrikts. An drei bis vier Stellen seien Müllablagerungen. Die Jagdpächter haben bereits selbst Einiges entsorgt. Meist finden sich neue Müllablagerungen an Wochenenden, wo sie vermutlich Freitag- oder Samstagnacht abgeladen werden. Wegen der Eternitplatten am Hochsitz hat Helmut Fleisch die Polizei eingeschaltet. Sein Jagdkollege Johann Römischer hat ebenfalls „genug von dem Müllsündern“. Die Jäger werden vermehrt in dieser Ecke präsent sein und auf jeden Fall die Augen offen halten.

Anwohner Walter Koch aus Oberkappel ist über die illegalen Müllablagerungen im Wald verärgert.
Anwohner Walter Koch aus Oberkappel ist über die illegalen Müllablagerungen im Wald verärgert. | Bild: Sandra Häusler

Walter Koch sagt: „Ich hasse es, was man alles an Müll entlang unserer Landstraßen, Waldwege und Privatgrundstücke findet.“ Schon oft habe er auf den Spaziergang einen Eimer mitgenommen um Müll einzusammeln, ist es aber im Laufe der Jahre leid geworden. Er begreift die Beweggründe der Müllfrevler nicht: „Wir haben ein funktionierendes Abfallsystem, bei dem Jeder kostenlos oder zu einem annehmbaren Preis seinen Haus-und Sperrmüll entsorgen kann!“

App zur Meldung von wildem Müll

Spaziergänger können Wilden Müll über die Smartphone-App „MÜLLweg!DE“ melden, sagt Eva Veigel von Forst
Spaziergänger können Wilden Müll über die Smartphone-App „MÜLLweg!DE“ melden, sagt Eva Veigel von Forst | Bild: privat

Auf Nachfrage bei der Unternehmensgruppe Forst – Fürst von Hohenzollern bedankt sich Eva Veigel, Diplom-Forst-Ingenieurin (FH), für die Meldung der Müllablagerung. Eva Veigels Aufgaben im Forstbetrieb sind die Assistenz der Geschäftsleitung, der Jagdbetrieb und die Wildvermarktung: „Laut Kreislaufwirtschaftsgesetz und aufgrund verschiedener Urteile sind die Gemeinden (und in manchen Fällen auch die Abfallentsorgungsträger) für die Beseitigung von wildem Müll verantwortlich. Diese Regelung besteht, weil das Landeswaldgesetz das freie Betretungsrecht der Landschaft auch für privaten Waldbesitz zum Zwecke der Erholung erlaubt und dem Grundbesitzer damit die Sachherrschaft fehlt, wenn Müll dort illegal entsorgt wird.“ Der Distrikt, in dem der wilde Müll gefunden wurde, gehöre zur Gemeinde Wald, erläutert Eva Veigel an. Wenn die Unternehmensgruppe eine solche Müllmeldung erreicht, geben die Mitarbeiter diese auch an die Gemeinden weiter. Eva Veigel betont: „Oft genug entsorgen wir den Müll auch selbst.“ Eva Veigel macht auf eine Smartphone-App aufmerksam, über die man deutschlandweit wilden Müll melden kann. Sie heißt „MÜLLweg!DE“. Hier können auch Fotos und GPX-Daten hochgeladen werden.

Wiederholt wurde der am Wegrand zusammen gesammelte Müll von irgendjemandem wieder verteilt.
Wiederholt wurde der am Wegrand zusammen gesammelte Müll von irgendjemandem wieder verteilt. | Bild: Walter Koch

Ob solche illegalen Müllablagerungen eventuell mit der Einführung der Datenmatrix bei Anlieferung von Müll auf der Entsorgungsanlage Ringgenbach in Zusammenhang stehen könnten, verneint Holger Kumpf, technischer Leiter der Kreisabfallwirtschaft: „Einen Zusammenhang zwischen der Einführung der Datenmatrix und einer überproportionalen Zunahme des wilden Mülls können wir nicht feststellen. Was wir feststellen, ist, dass die Bürger durch die Pandemie mehr in der Region unterwegs sind und hierdurch auch mehr wilder Müll entdeckt wird oder die Leute sich mehr daran stören.“ In Baden-Württemberg wird die illegale Müllentsorgung je nach Menge und Art mit einer empfindlichen Bußgeldstrafe bis zu 5000 Euro geahndet. Die Abgabe gewisser Materialien auf Wertstoff-und Recyclinghöfen ist meist kostenfrei.

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