In der Nacht wurden Wildschweine beobachtet, wie sie in Kappel in einem Maisacker verschwanden. Das Feld grenzt an einen Wald, und es besteht eine Wahrscheinlichkeit, dass die Rotte es sich im Mais bequem gemacht hat. Von außen sind keine Spuren zu erkennen, aber nur wenige Schritte in das Feld genügen, um zu erkennen, dass die Wildschweine den mehrere Hektar großen Acker seit Wochen zum Fressen gern haben. Das Areal zu Fuß zu durchkämmen, auf der Suche nach den Schweinen und den angerichteten Schäden, ist schier unmöglich und deshalb rufen Landwirte immer häufiger bei Hubert Baur in Kappel an.

Suche nach Wildschäden und Tieren

Der Landwirtschaftsmeister betreibt einen Schweinebetrieb mit Ferkelaufzucht und Mast. Aber der Schweinemarkt ist schwierig und nicht erst seit Corona und afrikanischer Schweinepest (ASP) im Prinzip unkalkulierbar. Deshalb hat der 49-Jährige mit Ehefrau Sylvia ein zusätzliches und ungewöhnliches wirtschaftlichen Standbein entwickelt – das Paar lässt Drohnen in die Luft steigen, um Wildschäden zu dokumentieren, den Maiszünsler zu bekämpfen und als jüngste Innovation Baumschäden in den Wäldern zu dokumentieren und zu lokalisieren.

Auf dem Bildschirm sind die Schäden, die Wildschweine in dem Maisacker angerichtet haben, deutlich zu sehen.
Auf dem Bildschirm sind die Schäden, die Wildschweine in dem Maisacker angerichtet haben, deutlich zu sehen. | Bild: Volk, Siegfried

Körperwärme der Tiere liefert „Störpunkte„

Auf einer Wiese wird das „Drohnenquartier“ aufgebaut. Weil das Fluggerät nicht dreckig werden soll, wird eine Sperrholzplatte als Landeplatz genutzt. Routiniert und behutsam wird der „Flügler“ startklar gemacht, die Wärmebildkamera installiert und auf einem Stativ ein Bildschirm montiert. Kurt Baur startet die Drohne und fliegt 20 Meter über dem Maisacker. Auf dem Monitor sind die Wildschäden deutlich zu erkennen. „An diesem Eck waren die Wildschweine schon nach der Aussaat drin“, zeigt der Drohnenpilot auf einen Geländestreifen, in dem fast keine Pflanzen mehr stehen. Die Wärmebildkamera liefert noch keine Hinweise, dass sich Tiere im Acker aufhalten. Ihre Körperwärme würde von der Technik als sogenannter „Störpunkt„ registriert.

Drohne registriert die Umgebungswärme und die Körperwärme der Tiere

Aber, man braucht schon ein geschultes Auge, um diese Einzelpunkte von der Umgebungswärme zu unterscheiden. Denn am Nachmittag hat sich das Erdreich schon aufgeheizt, und es sollten schon zehn Grad Unterschied zwischen Tier- und Bodentemperatur sein. Vor Tagen konnte Kurt Baur einen solchen Störpunkt klar identifizieren, und tatsächlich hoppelte ein Hase aus dem Feld.

Erst durch die Bilder der Kameradrohne wird das Ausmaß der Verwüstung deutlich, der durch Wildschweine auf der Wiese angerichtet wurde.
Erst durch die Bilder der Kameradrohne wird das Ausmaß der Verwüstung deutlich, der durch Wildschweine auf der Wiese angerichtet wurde. | Bild: Kurt Baur

„Wildschweine kommen aus dem Wald, wenn der Jäger weg ist“

Etwa 15 Minuten hält der Akku die Drohne in der Luft, wobei es nach Angaben von Kurt Baur bald leistungsfähigere Antriebe geben soll. Auf dem Bildschirm sind die Wildschäden deutlich zu sehen, aber von den Verursachern fehlt jede Spur. Die Wildschweine haben es sich womöglich im angrenzenden Wald gemütlich gemacht, wobei die schlauen Tiere sehr genau beobachten, wann Menschen sich in ihrer Nähe befinden. „Die kommen raus, wenn der Jäger gegangen ist“, bringt es Landwirtschaftsmeister Baur auf den Punkt.

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Drohneneinsatz über den Wäldern, um erkrankte Bäume ausfindig zu machen

Dann lässt er die Drohne über den Wald aufsteigen, um die neueste Anwendung mitsamt einer eigens entwickelten App zu dokumentieren – die Kartographierung von Bäumen, die vom Borkenkäfer befallen sind. Aus der Vogelperspektive werden diese ausfindig gemacht, die Position lokalisiert, die GPS-Daten auf eine digitale Karte übertragen. Zusätzlich gibt es eine Matrix, in der beispielsweise die Art der Baumschädigung eingetragen wird. Mit dieser Datenbank kann später einem Waldarbeiter exakt angeben werden, wo sich ein Borkenkäferbaum befindet, der gefällt und aus dem Wald gebracht werden muss. Die Zeitersparnis gegenüber der fußläufigen Baumsuche wird auf 25 Prozent geschätzt. Auch jeder Flug über Wälder muss übrigens dokumentiert werden, und sobald sich die Rotoren drehen, gilt dies als Flug.

Kreisjägermeister: Wildschweine finden dieses Jahr sehr viel Nahrung

Kreisjägermeister Hartmut Kohler vom Kreisverein Badische Jäger Überlingen prognostiziert eine weitere Erhöhung der Wildschweinpopulation. „In diesem Jahr fruchten Eichen und Buchen außergewöhnlich und versorgen die Wildschweine übermäßig mit Nahrung“, erklärt der erfahrene Waidmann. Aufgrund dieses Nahrungsangebotes lassen sich die Tiere kaum an Kirrstellen anlocken, was sonst eine erfolgversprechende Jagdmethode ist. Aufgrund der guten Ernährungslage ist deshalb im nächsten Jahr mit einer noch höheren Vermehrungsrate beim fortpflanzungsfreudigen Schwarzwild zu rechnen.

In den vergangenen Jahre habe die Landesregierung einiges getan, um die Jägerschaft bei der Wildschweinjagd zu unterstützen, lobt Hartmut Kohler. So könnten die Tiere nun ganzjährig bejagt werden, mit Ausnahme der Muttertiere in der Aufzuchtphase. Durch das Förderprogramm InfraWild werden Zuschüsse gewährt für Reviereinrichtungen, die der Schwarzwildbejagung dienen, ebenso gibt es Mittel für den Treiber- und Hundeeinsatz bei revierübergreifende Drückjagden. Für die Vermarktung von Wildbret wurde eine Beratung sowie Förderungsmöglichkeiten bereitgestellt. Auch gibt es zur Bejagung der Wildschweine eine waffenrechtliche Erleichterung. Nachtsichtgeräte, die am Zielfernrohr aufgesteckt werden können sind jetzt ohne spezielle behördliche Erlaubnis möglich, allerdings seien diese Geräte jedoch sehr teuer. „Warum leistungsstarke Taschenlampen, die am Zielfernrohr befestigt werden verboten bleiben, ist jagdlich nicht nachvollziehbar“, moniert Kohler.

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