In seinem Element war Minister Peter Hauk als Diplomforstwirt, als er die Baumschule Stingel in Allmannshofen besuchte. In dem kleinen Weiler hat Unternehmer Frank Stingel etliche Millionen Bäume gepflanzt, die er in das gesamte Bundesgebiet sowie Österreich liefert. Rund acht Millionen Bäume verlassen jährlich den 120-Hektar großen Betrieb, dessen Hauptsitz in Albstadt-Burgfelden liegt, dem Geburtsort von Gärtnermeister Frank Stingel.

Betrieb von zwölf auf 120 Hektar erweitert

Vor 30 Jahren hatte er mit 21 Jahren die zwölf Hektar große Hofstelle in Allmannshofen gekauft, und seitdem die Fläche verzehnfacht. 80 Hektar davon sind mit Bäumen bepflanzt, 90 Prozent sind Setzlinge bewährter Arten wie Buche, Eiche oder eine Million Douglasien, aber mit neuen Baumsorten wie Esskastanien, Libanon-Zeder oder Tulpen-Bäumen will man dem Klimawandel trotzen. Rund 80 fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt Stingel sowie während der Erntezeit bis zu 200 meist osteuropäische Saisonarbeiter.

Viele Millionen Bäume gepflanzt

Dass es im Kreis Sigmaringen eine Baumschule dieser Größenordnung gebe sei ihm neu, und freue ihn, bekannte Minister Hauk. Die vor 50 Jahren begonnene Neuausrichtung der Forstwirtschaft mit dem naturnahen Umbau des Waldes mittels Naturverjüngung habe für viele Baumschulen das Aus gebracht, denn so konnten sich die Waldbesitzer das teure Anpflanzen freier Flächen mit Setzlingen der Baumschulen sparen.

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Temperaturanstieg bedroht die Buche

Die Buche habe die Fichte als wichtigste Baumart in Baden-Württemberg abgelöst, sei aber durch den Temperaturanstieg extrem bedroht, besonders in Lagen bis 300 Metern. „Und die Fichte wird verschwinden“, ist Hauk überzeugt. Deshalb gelte es, mit neuen Baumarten den Wald widerstandsfähig und zukunftssicher zu machen, wobei man keinen Radikalumbau betreiben werde. Dabei müsste die Herkunft der neuen Baumarten und deren Auswirkungen auf das Ökosystem Wald vorab geprüft werden, wobei der Minister invasive Arten ausschließt.

Regionalität bei Auftragsvergabe stärker berücksichtigen

Unternehmer Stingel nutzte die Vorlage von Peter Hauk, der von „einem Aderlass der Baumschulen„ in den vergangenen Jahrzehnten gesprochen hatte, um für seine Branche einige Forderungen an den Forstminister zu formulieren. Bei Auftragsausschreibungen müsse die Regionalität stärker beachtet werden, monierte Stingel, dass derzeit die Vergabe sich ausschließlich am Preis orientiere. Zuletzt habe er einen 25 000-Euro-Auftrag aus der Region nicht erhalten, weil ein norddeutscher Betrieb 480 Euro günstiger war: „Jetzt werden die Pflanzen von Norddeutschland in den Süden transportiert“, regte der heimische Unternehmer an, dass die Amtsleiter der Forstbehörde sich vor Ort umschauen sollen, ob es heimische Baumschulen gebe. Man werde die Ausschreibungskriterien verfeinern, versprach Hauk und ergänzte, dass man die Schwellenwerte für öffentliche Ausschreibungen während Corona schon erhöht habe.

2,5 Millionen Fichten-Setzlinge verbrannt

Die Unsicherheit des Klimawandels birgt auch für Baumschulen große Risiken. So verbrannte Frank Stingel im vergangenen Jahr rund 2,5 Millionen Fichtensetzlinge, was einen großen Verlust bedeutete. Grund für die Aktion ist die Tatsache, dass die vor Jahren gepflanzten Fichten-Setzlinge heute kein Waldbesitzer mehr pflanzen will, weil diese Baumart zu den Verlierern des Klimawandels gehört.

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Zehn Millionen Kubikmeter Fichte stehen in den Wäldern des Landkreises Sigmaringen

Forstamtschef Stefan Kopp vom Landratsamt Sigmaringen hatte zu Beginn erläutert, dass zwei Drittel des Waldbestandes im Kreis Sigmaringen aus Nadelhölzern bestehen: „Wir haben noch zehn Millionen Kubikmeter Fichte in den Wäldern stehen.“ Das „Käferproblem“ habe man ziemlich gut im Griff, auch dank vom Land bewilligter zusätzlicher Personalstellen.

Forstbetriebe sind zunehmend als Volldienstleister gefragt

Franz Lang, Forstbetrieb: „Die Buchen haben ein großes Problem, denn die tief wurzelnden Bäume finden angesichts der Trockenheit kein Wasser mehr im Erdreich.“
Franz Lang, Forstbetrieb: „Die Buchen haben ein großes Problem, denn die tief wurzelnden Bäume finden angesichts der Trockenheit kein Wasser mehr im Erdreich.“ | Bild: Volk, Siegfried

Franz Lang, Mitglied des 1200 Mitglieder zählenden Landesverbands „Forstbetriebe“, bestätigte im SÜDKURIER-Gespräch, dass derzeit die Buche massive Probleme wegen der Trockenheit hat. Der Tiefwurzler findet, im Gegensatz zur flachwurzelnden Fichte, trotz der jüngsten Regenfälle, im tieferen Boden kein Wasser mehr und stirbt. In dritter Generation betreibt der 71-jährige Lang das in Kirchberg ansässige Fuhrunternehmen mitsamt Forstbetrieb, wobei seine Kundschaft, vornehmlich Privatwaldbesitzer, ihn zunehmend als Komplettdienstleister verpflichten – vom Setzen der Bäume, deren Pflege bis hin zur Ernte mit dem Vollernter. Deshalb nutzte er den Ministertermin, um sich mit Frank Stingel wegen etwaiger Geschäftsbeziehungen auszutauschen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Burger prägte quasi das Motto des Tages: „Besuch in der Kinderstube des Waldes.“ Abschließend verteilte Landesforstdirektor Martin Strittmatter an die Besucher noch einen herzförmigen grünen Waldsticker.

Patent für Schutzvorrichtungen gegen Wildverbiss

Diesen Schutz aus Holz, anstelle von Kunststoff, gegen den Wildverbiss junger Bäumchen hat die Baumschule Stingel entwickelt und patentieren lassen.
Diesen Schutz aus Holz, anstelle von Kunststoff, gegen den Wildverbiss junger Bäumchen hat die Baumschule Stingel entwickelt und patentieren lassen. | Bild: Volk, Siegfried

Ein Anliegen hatte Frank Stingel noch an Minister Hauk. Er präsentierte zwei Schutzvorrichtungen für Pflanzen gegen Wildverbiss, die aus Holz und nicht wie üblich aus Kunststoff bestehen. Die Kosten von 2,75 und 6,15 Euro je Stück sieht durch die regionale Wertschöpfungskette und dem Ersatz von Plastik durch den natürlichen Rohstoff Holz als adäquat an, besonders wenn man die ökologische und nachhaltige Gesamtbilanz der Herstellung betrachte. Dazu kommt noch eine soziale Komponente, denn die Teile werden von Menschen mit Handicap in einer Werkstätte der Lebenshilfe Zollernalb zusammengebaut.

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