Die Rolle Deutschlands in der Welt beschäftigt seit dem 13. Januar 160 ausgeloste Frauen und Männer aus der gesamten Bundesrepublik. Sie nehmen am zweiten bundesweiten Bürgerrat teil. Unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble werden bis Ende Februar zehn Online-Sitzungen stattfinden, in denen sich die ausgewählten Frauen und Männer über verschiedene Themen austauschen werden. Die Ergebnisse der Sitzungen sollen dem Bundestag zur Beratung vorgelegt werden.

16-Jähriger per Zufall ausgewählt

Auch Bürgerinnen und Bürger aus der Gemeinde Wald sind dabei. Einer von ihnen ist Ben Schneider. Der 16-jährige Schüler wurde, wie alle Teilnehmer, per Zufall aus dem Einwohnerregister der Gemeinde ausgewählt und eingeladen. Er macht gerne mit. „Die Einladung kam für mich ziemlich überraschend. Zunächst einmal habe ich mit meinen Eltern und meinem Wirtschaftslehrer über die Einladung gesprochen und von allen eine Empfehlung bekommen, diese Chance, in der Politik etwas bewirken zu können, zu nutzen. Ich bringe gerne meine Ideen in ein Thema ein und habe mich deshalb dazu entschlossen, am Bürgerrat teilzunehmen“, erklärt Ben Schneider.

Fünf Themen im Bürgerrat

Der Bürgerrat „Deutschlands Rolle in der Welt“ beschäftigt sich mit fünf Themen: „Nachhaltige Entwicklung“, „Wirtschaft und Handel“, „Frieden und Sicherheit“, „Demokratie und Rechtsstaat“ und „Die Europäische Union„. Welches Thema genau es sein würde, in das der junge Mann seine Meinungen einbringen soll, wusste er im Vorfeld noch nicht. Erst am 13. Januar wurden die Bereich den einzelnen Gesprächsgruppen per Zufall zugewiesen. „Ich habe mir in der Vorbereitungsphase daher noch keine großen Gedanken gemacht und konnte mich ja auch auf kein Thema fixieren, erklärte Ben Schneider in der Woche vor dem Startschuss.

Demokratie ein wichtiges Thema

„Trotzdem würde ich mich über die Möglichkeit freuen, entweder bei dem Thema ‚Demokratie und Rechtsstaatlichkeit‘ oder am Thema ‚Frieden und Sicherheit‘ mitreden zu können.“ Warum, führt er so aus: „Bei dem Thema ‚Demokratie und Rechtsstaatlichkeit‘ mitwirken zu können, würde mich deshalb freuen, weil ich sehr froh bin, in einer Demokratie leben zu dürfen und dies möchte ich auch anderen Menschen in anderen Ländern ermöglichen, in denen eine Demokratie im Moment noch nicht existiert. Außerdem interessiert es mich, wie Deutschland mit den Ländern zusammenarbeitet, die keine Demokratie haben.“

Das Thema „Frieden und Sicherheit“ spreche ihn an, da er überzeugt sei, dass das Dasein auf der Welt nur sicher sein könne, wenn sich die Menschen nicht gegenseitig bekriegen. „Ich finde es wichtig, dass sich ein Land wie Deutschland, das in dem Luxus lebt, Frieden zu haben, sich dafür einsetzt, dass in anderen Ländern die Menschen genauso friedlich leben können, wie hier und dass dieser Frieden auch erhalten bleibt.“ Kluge Worte eines jungen Mannes, der damit schon vor Beginn der Gespräche zeigt, dass er sich aktiv in die Diskussionen im Bürgerrat einbringen wird.

Stimmen normaler Leute hören

„Ich bin ein Mensch, der gerne seine Meinung zu einem Thema hinzugibt“, sagt Ben Schneider noch einmal über sich selbst. Er bleibe aber trotzdem immer offen für andere Vorschläge. „Außerdem denke ich auf keinen Fall, dass eine einzelne Person nichts bewirken kann. Ich denke, es geht im Bürgerrat genau darum, die Stimmen von ganz normalen Leuten zu hören und ich bin der Meinung, dass diese nicht nur gehört werden, sondern dass auch versucht wird, die Ideen umzusetzen.“ Das klingt nach guten Voraussetzungen für gute Argumente des jungen Bürgerrat-Teilnehmers aus Wald.

Ergebnisse sollen im März vorliegen

Neben den inhaltlichen Themen soll es im Bürgerrat darum gehen, eine neue Form der Bürgerbeteiligung im Parlament zu testen und zu entwickeln. Bereits 2019 hat ein von „Mehr Demokratie„ und der „Schöpflin Stiftung“ angeregter, selbst organisierter Bürgerrat zum Thema „Demokratie“ erfolgreich stattgefunden. Dabei wurden 22 Vorschläge erarbeitet, die dem Bundestagspräsidenten und den Fraktionen vorgelegt wurden. Bundestagspräsident Schäuble regte einen anschließenden Austausch an, der zu der Idee führte, einen zweiten Bürgerrat ins Leben zu rufen, bei dem die Fragestellungen direkt aus dem Parlament und den Fraktionen kommen. Im März sollen die Ergebnisse des aktuellen Bürgerrates vorgelegt werden und in die Arbeit des Bundestages einfließen.

Bis Ende Februar soll nichts nach außen

Wie die einzelnen Online-Gespräche verlaufen und zu welchen Einigungen die einzelnen Gesprächsgruppen kommen, das dürfen Ben Schneider und die anderen 159 Teilnehmer vor Ende Februar nicht preisgeben. Mit einem Schmunzeln verrät er jedoch noch: „Ich habe immer etwas zu trinken, einen Block mit Stift und viel Einfallsreichtum im Gepäck.“

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