Wann und wie haben die Treffen der einzelnen Gesprächsgruppen des Bürgerrates stattgefunden?

Die Online-Sitzungen gingen mittwochs von 18 bis 21 Uhr und samstags von 9 bis 17 Uhr. In meiner Gruppe „Demokratie und Rechtsstaat“ waren es knapp 40 Teilnehmer, die aus den verschiedensten Regionen Deutschlands kamen. Das Verhältnis des Alters war meiner Meinung nach ziemlich ausgeglichen. Es waren Schüler, Arbeitende und Rentner dabei, ebenso gab es fast gleich viele weibliche wie männliche Teilnehmer. Die Online-Treffen waren besser als erwartet. In den Pausen wurden wir durch einen Pianisten mit schöner Klaviermusik unterhalten und auch sonst war die Atmosphäre bis auf ein paar kleinere Stellen sehr angenehm. Obwohl man sich bei den Diskussionen nicht persönlich gegenübersitzen konnte, waren die Gespräche sehr sachlich, unterhaltsam und interessant. Es ging ja um das Hauptthema „Deutschlands Rolle in der Welt“. Dieser Frage haben wir uns immer wieder gewidmet, indem wir Substantive sowie Adjektive für die Rolle Deutschlands gesucht haben, zum Beispiel: Vorbild, Stabilisator, demokratisch, eigensinnig, und so weiter. Ich habe erstaunlicherweise von keinem der Teilnehmen eine extreme Meinung gehört. Oft waren wir sogar einer Meinung und selbst wenn dies nicht der Fall war, haben wir Kompromisse gefunden, die für alle zufriedenstellend waren.

Der erste Bürgerrat fand mit der persönlichen Anwesenheit der Teilnehmer an vier Wochenenden statt. Die Organisatoren beschrieben, dass es auch außerhalb der Gesprächsrunden viel Austausch zwischen den Bürgerräten gegeben habe. Gab es die Möglichkeit auch bei diesem Bürgerrat?

Während des Prozesses hatte ich keinen persönlichen Kontakt zu Teilnehmenden, doch mittlerweile gibt es eine WhatsApp-Gruppe, in der sich viele Teilnehmer unterhalten, persönliche Kontakte fördern und sich über Politik und den weiteren Verlauf des Bürgerrats unterhalten.

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Die Online-Treffen der einzelnen Gruppen und des gesamten Plenums sind nun vorbei. Wie geht es weiter?

Es geht jetzt so weiter, dass am 19. März zwei ausgeloste Teilnehmer des Bürgerrats die ausgearbeiteten Empfehlungen in Berlin dem Bundestag übergeben werden. Wir alle hoffen natürlich stark, dass diese Empfehlungen nicht einfach in irgendeinem Ordner landen, wo sie nach und nach vergessen werden, aber wir alle sind sehr zuversichtlich, dass dies nicht der Fall sein wird. Die Informationen über den restlichen Verlauf bekomme wir über die Gruppe oder eine eigene Internetseite bereitgestellt. Außerdem dürfen die Bürgerräte am Übergabetermin per Videokonferenz alles mit ansehen.

Was hat der Bürgerrat bei Ihnen persönlich bewirkt?

Ich gehe mit einem völlig anderen, aber deutlich positiverem Blick auf die Politik aus diesem Bürgerrat. Ich bin nun viel mehr am politischen interessiert und die Komplexität der Politik ist mir im Laufe dieses Bürgerrats klargeworden. Ich selbst hatte den Eindruck, dass ich meine Meinungen und Ideen sehr gut in die fertigen Empfehlungen einbringen konnte, ich erkenne dort ganz deutlich meine Worte wieder.

Was kann der Bürgerrat Ihrer Meinung nach für Deutschland bewirken?

Der Bürgerrat hat so viel Aufsehen erregt. Und ich glaube, dass Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble diese Stärkung unserer deutschen Demokratie durch diesen Bürgerrat – und hoffentlich noch folgende – annimmt und versucht, so viel wie möglich umzusetzen.

Würden Sie noch einmal an einem Bürgerrat teilnehmen?

Ich würde sofort wieder an einem Bürgerrat wie diesem teilnehmen. Auch wenn der ganze Prozess ziemlich anstrengend und zeitaufwändig war, lernt man so unglaublich viel über die teils sehr komplizierte Politik. Außerdem hat es mir total Spaß gemacht, mich mit so vielen verschiedenen Menschen aus ganz Deutschland zu unterhalten und an so etwas Neuem und Bedeutsamen mitwirken zu können.