Die Alpenüberquerung mit dem Mountainbike war ein sportliches und ehrgeiziges Vorhaben, doch Hubert Veeser aus Wald und Michael Wenzler aus Walbertsweiler haben den Alpencross über die Pässe geschafft. Knapp 1100 Kilometer mit rund 24 000 Höhenmetern von der Haustüre bis zur südfranzösisch-italienischen Grenzstadt Menton-Ventimiglia an der ligurischen Riviera haben sie zurückgelegt.

Die sportliche Grundvoraussetzung bringen die beiden Langstrecken- und Marathonläufer des Turn- und Sportvereins (TSV) Wald mit. Bereits seit einiger Zeit hegte Michael Wenzler den Plan, eine Radtour zum Mittelmeer, die er mit seiner Frau Manuela vor Jahren gefahren war, zu wiederholen – "allerdings über die höchsten Berge der Westalpen", so Wenzler.

Mit Hubert Veeser, einem begeisterten und motivierten Mountainbiker, arbeitete er den Plan aus. "Wir hatten nur zwei Wochen Zeit", schildert Michael Wenzler, dessen Arbeitsalltag normalerweise am Schreibtisch im Hauptamt des Walder Rathauses stattfindet. Hubert Veeser ist bei der Firma HSM in Salem als Projekt-Ingenieur tätig.

Am 26. Juni starteten die beiden Männer mit dem Ziel Mittelmeer. Am ersten Tag schafften sie es bereits bis Luzern, am zweiten Tag bis ins Simmental. Die dritte Etappe führte über Gstaad. Dann kamen die ersten großen Pässe, der Col du Pillon (Passhöhe 1546 Meter) und der Col de la Croix (1778 Meter).

"Diese Pässe waren eher noch zur Eingewöhnung", so die Mountainbiker. Sie durchfuhren Martigny und übernachteten bei Champex in einer Herberge. Am nächsten Tag wurden sie mit einem tollen Blick auf den Mont-Blanc belohnt und fuhren ein Stück auf der Tour du Mont-Blanc, einem der beliebtesten Fernwanderwege der Alpen, der um die Mont-Blanc-Gruppe teilweise über Schneefelder führt. Alpinisten, bekleidet mit hohen Bergstiefeln und warmen Wetterjacken, die ihnen entgegenkamen, waren immer sehr verwundert, wie leicht die Beiden gekleidet waren. Nur mit Radler-Halbschuhen, kurzen Hosen und T-Shirt waren sie auf den Schneefeldern und Gletschern unterwegs.

Es folgten weitere Pässe, wie der Col de Ferret (2538 Meter) und der kleine St.-Bernhard-Pass (2188 Meter). Unterkunft fanden die Biker in einem Hostel bei Seez in Bur St. Maurice. Sie überquerten den Col de l'Iseran, den höchsten, mit dem Auto überfahrbaren Gebirgspass der Alpen mit 2770 Metern. "Wir dachten, wir müssten die Räder nur noch vom Pass hinablaufen lassen bis zur nächsten Unterkunft, hatten aber nebenbei einen kleinen Pass des Mt. Cenis (2215 Meter) übersehen. Hier querten schon Hannibal und Napoleon die Alpen. An diesem Tag sind wir dann fast 2800 Höhenmeter gefahren", blickt Wenzler zurück.

Jeder der beiden Radler entwickelte auf der Alpenüberquerung seine eigene Fahrtechnik. Während Veeser viele Anstiege stehend fahrend bewältigte, gönnte sich Wenzler nach jeweils einem Kilometer Anstieg eine 20-Sekunden-Pause. Die Rucksäcke waren nur mit dem Nötigsten bepackt und wogen jeweils zehn Kilogramm. Morgens frühstückten die beiden ausgiebig, tagsüber gab es nur ein Handvesper und abends wurde mit Nudeln der Kohlehydrathaushalt wieder auf Vordermann gebracht, berichtet Wenzler. In jeder Ortschaft gab es Trinkwasserbrunnen und in den Bergen Quellen und Bäche, an denen die Wasserflaschen gefüllt wurden. In Susa, einer alten römischen Stadt, bogen die Mountainbiker von der Straße ab und befuhren die Assietta-Passstraße auf 2300 bis 2400 Metern. Da sich die beiden auf dem italienisch-französischen Grenzkamm befanden, kamen immer wieder alte Forts und Bunker zum Vorschein.

Auf ihrer Alpenüberquerung blieb den Radfahrern keine Zeit, die Städte kulturell zu entdecken. Nach dem italienischen Wintersportort Sestriere kam die erste ganz große Herausforderung auf die beiden Männer zu: Der Col Mayt in den Westalpen liegt auf 2706 Metern. "Da haben wir kräftig geschoben und getragen." Durch eindrucksvolle Alpenflora ging es weglos nach oben. Die Radler übernachteten in einer Alpenvereinshütte auf 2400 Metern im Schatten des großen Monte Viso, einem "gigantischen Klotz" mit 3841 Metern.

Die höchste Alpenüberschreitung war der Col Vallante auf 2810 Metern. "Eine sehr anspruchsvolle Etappe mit steilem Schuttfeld", sagt Wenzler. Die beiden Radler trugen hier ihre Fahrräder 300 Meter durch Schnee und Eis. Nach einem langen "Downhill" auf schmalen Pfaden bis runter auf 1200 Meter über Normalnull, kamen die Bremsen immer wieder zum Glühen. Auf der Weiterfahrt durch enge Gebirgsschluchten folgte wieder eine Übernachtung im Bergdorf Marmora.

Ab hier reihten sich weitere Pässe und Gratfahrten durch die einst so kriegerische Grenzregion in Richtung Mittelmeer. Eine große, nicht endend wollende Gewitterfront hielt sie ab, den ligurischen Grenzkamm weiterzufahren. So fuhren die Mountainbiker bei Tende, einem sehr interessanten mittelalterlichen Städtchen, ab. Die Mountainbiker blieben zwar von Pannen und Verletzungen verschont, wechselten aber einmal die Bremsklötze und Kette am hart in Anspruch genommenen Mountainbike. Enorm war der Temperaturunterschied, den die Mountainbiker bei der Abfahrt von 2400 Höhenmetern von 12 auf 39 Grad Celsius am Meer erwartete. ´

"Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Trotz der tollen Erlebnisse und der schönen Landschaft war es eine anstrengende Sache", blickt Michael Wenzler zurück. Als sie am 6. Juli am Mittelmeer im französischen Menton ankamen und nach Ventimiglia, einer an der ligurischen Küste liegenden italienischen Grenzstadt zu letzten Übernachtung weiterradelten, gab es zuerst die obligatorische Velo-Taufe im Meer. Danach gönnten sie sich noch ein ausgiebiges Bad im allzu warmen Mittelmeer. "Wir waren stolz, es geschafft zu haben, und werden noch lange von den nichtalltäglichen, bleibenden Eindrücken auch im stressigen Alltag Kräfte spendend zehren", sagen die beiden.

Die eintägige Heimfahrt mit dem Zug war ein Abenteuer und laut Wenzler, die stressigste Etappe der Tour, da Veeser während des einstündigen Stopps in Mailand unbedingt noch eine Stadtrundfahrt mit dem Velo machen wollte. Es reichte dann bis auf die letzte Minute den Anschlusszug in die Schweiz nach Basel zu bekommen. Von dort ging es über Singen nach Stockach. Die letzten Kilometer nach Wald radelten sie wieder, um nicht aus dem Training zu kommen.

Der Alpencross

Das Motto der beiden Sportler: Man muss den Körper schinden, bevor der Körper uns schindet. Der Alpencross ist ein Traum eines jeden ambitionierten Mountainbikers. Michael Wenzler und Hubert Veeser werden bei einem Bildervortrag des Christlichen Bildungswerks Wald am 26. März 2017 im Dorfgemeinschaftshaus Walbertsweiler über ihre Tour berichten. (sah)