Wald – Zu wenig Niederschläge – für die Pflanzen ein echtes Problem. Diese Erfahrung erleben jetzt gerade zwei Landwirte aus Sentenhart, der Biolandwirt Clemens Stadler und der konventionell wirtschaftende Karl Stadler. Letzterer hatte vor zehn Tagen Teile seiner Wintergerste ausdreschen lassen. Sein Fazit: "Im anhaltenden Rückgang von Niederschlägen seit dem Frühsommer und dem damit verbundenen Wassermangel im Boden rechne ich mit einem um 20 bis 30 Prozent geringerem Getreideertrag gegenüber dem letzten Jahr." Beim Stroh, so Karl Stadler, gehe er von rund 40 Prozent aus.

Ernte beginnt früher

Am Montag dieser Woche brachte ein Mähdrescher auf den staubigen Feldern die erste Ernte des Biolandwirts Stadler ein. Das Abernten der Wintergerste beginne um gute zehn Tage früher als gewohnt. "Auch meine Böden sind trocken." Das zeigte sich in fingerdicken Bodenrissen, an zu kurz gewachsenen Halmen und halbierten Ährenständen. Die Weiden hätten in den vergangenen zwei Wochen aufgehört zu wachsen. Bereits eingefahren habe er Gras als Silage und Heu. Es sei noch zu früh, etwas über das gesamte Viehfutter zu sagen. In Zeiten wechselnder Trockenheit falle die Hitze nicht so stark ins Gewicht.

Noch nicht geblüht haben bei Karl Stadler die Sonnenblumen, er rechnet damit in zwei bis drei Wochen. "Mit dieser breiten Fruchtfolge und unterschiedlichen Reife auf meinen Feldern bin ich breit aufgestellt und weniger wetteranfällig", sagt er. Wenn das Wetter es zulasse, werde die Gerste gedroschen, dann Dinkel, Hafer, Erbsen, Bohnen, Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen.

In der Notreife schaltet die Gerste auf ihr Notprogramm mit geringen Ährenständen um.
In der Notreife schaltet die Gerste auf ihr Notprogramm mit geringen Ährenständen um. | Bild: Falko Hahn

Körner haben weniger Mehl im Kern

Bei zu geringen Niederschlägen, sagen beide Landwirte, werde das Getreide notreif. Die Pflanzen, erklärt Biolandwirt Clemens Stadler weiter, schalten auf ein Notprogramm um. Das bedeute, die Erhaltung der eigenen Art ist wichtiger als der Ertrag. Bei genügend Wasser im Boden werden die Körner dick und rund. Im vorigen Fall werden die Körner zu Kümmerkörnern. Die zusammengeschrumpelten Körner haben weniger Mehl im Kern. "Hält die Trockenheit an, dann ist Ende Juli Sichelhenke in Sentenhart angesagt." Vor 40 Jahren sei der Ernteabschluss noch Mitte September gefeiert worden.

Im Frühjahr habe sein Auszubildender ihm gegenüber die alte Bauernregel ausgesprochen, erinnert sich Clemens Stadler: "Blüht die Esche vor der Eiche, kommt die große Bleiche." Dies bewahrheite sich gerade. Alles wird trocken und verdorrt. Als Landwirt müsse man damit zurechtkommen, sagt er. In der vergangenen Woche habe er Proben von Gerste bei der örtlichen Genossenschaft in Pfullendorf-Krähenried messen lassen, wobei elf Prozent Restfeuchte festgestellt wurde. Unterhalb von 14 Prozent sei das Getreide leicht zu dreschen und bleibt lagerfähig. "Wie bei anderen Biobetriebe ist meine ganze Lebensmittelkette zertifiziert, was mir höhere Einnahmen garantiert", sagt Stadler. Seit dem Frühjahr ist er Mitglied in der Erzeugergemeinschaft Linzgaukorn. "Mit ihr erzeugen und verarbeiten wir Mehl aus der Region für die Region."