Wald-Ruhestetten – Gleich mit zwei Eröffnungen ist der Werkpark "Neue Kunst am Ried" in Wald-Ruhestetten in die neue Saison gestartet. Am Sonntag wurden der neue Findlingsweg "Versammelte Steine- Moränefindlinge nördlich des Bodensees" und die Ausstellung "water-sky-lines" mit Fotografien von Stefan Fischer mit Vernissage und Rundgang eröffnet.

Künstlerin Susanne Hackenbracht, die mit dem Steinbildhauer Cornelius Hackenbracht 1998 den Werkpark "Neue Kunst am Ried" initiiert hat und seither kontinuierlich ausbaut, begrüßte rund 50 Kultur- und Kunstinteressierte. Cornelius Hackenbracht erläuterte die Entstehung des Findlingsprojektes. Es nahm seinen Anfang, als Susanne und Cornelius Hackenbracht auf der Suche nach einem Stein in der Pfullendorfer Kiesgrube über einen fünf Tonnen schweren, interessanten Nagelfluh gestolpert sind. Daraufhin machten sich die beiden in einem großen Bogen der letzten Endmoräne in den Kiesgruben der Region vom Hegau über Schwackenreute bis Ostrach auf die Suche nach weiteren Findlingen und machten reiche Beute.

Die Kieswerkbetreiber kamen den Künstlern entgegen und stellten die Findlinge als Dauergeschenk für den Findlingsweg zur Verfügung. Andere Firmen übernahmen kostenlos den teilweise mit enormem Aufwand verbundenen Transport. Das Projekt wird von der Gemeinde Wald und zahlreichen Sponsoren unterstützt. Auf dem Pfad finden sich nun 24 Findlinge mit 130 Tonnen Gesamtgewicht. Der Findlingsweg ist so angeordnet, dass sich in jedem künstlerischen Bereich des Werkparks Exemplare finden. Die Findlingsgruppen korrespondieren jeweils mit einem Werk, Element oder Bereich.

Oliver Wahl, Diplom-Geologe aus Immenstaad, hat die Aufgabe übernommen, die Findlinge auf ihre Gesteinszusammensetzung zu untersuchen und ihre Geschichte zu erzählen. Findlinge sind meist einzeln liegende große Steine, die während der Eiszeiten durch Gletscher transportiert und an ihrem Fundort abgelegt wurden. Sechs Mal hat der Gletscher das Gebiet von Oberschwaben überfahren und die gesamte Gesteinsvielfalt der Alpen wie Vulkangesteine, Sedimentgesteine und metamorphe Gesteine mitgebracht, erklärte Wahl. Die Form eines Findlings lässt Rückschlüsse über dessen Transportweg zu. So zeigt Wahl den Gästen an einem 28-Tonnen-Findling im Eingangsbereich Gletscherschrammen. Ein zwei Tonnen schwerer Serpentin lässt das Herz des Geologen höher schlagen. In diesem Serpentin sind drei verschiedene Gesteine vereint. Er ist rund 100 Millionen Jahre alt, stammt aus den Zentralalpen und wurde aus ehemaliger ozeanischer Kruste umgewandelt, erläuterte der Geologe. Derzeit ist eine Broschüre in Arbeit, welche die Gäste durch den Werkpark leiten soll. Oliver Wahl stellt darin die Findlinge vor und die Kunsthistorikerin Sarah Isabelle Dekoj aus Friedrichshafen verfasst die Textbeschreibung zu den künstlerischen Stationen der Neuen Kunst am Ried.

Mit einer Vernissage in der Galerie eröffnete der Werkpark die Ausstellung Ausstellung "water-sky-lines", die bis zum 19. Juni zu sehen ist. Fotograf Stefan Fischer aus Sonthofen hat seit 2004 sein Augenmerk darauf gelegt, die künstlerische Ästhetik in der Natur zu entdecken und zu transformieren. Jedes Bild ist ausgesucht und individuell ausgearbeitet, um das Wesentliche und den entsprechenden Moment aus der Fotografie herauszuholen, so Fischer. Die Fotografien greifen Themen wie Eis, Spiegelungen von Architektur und Gebäuden auf dem Wasser sowie Fotografien unter und über Wasser auf. Die Vernissage wurde von Karl-Josef Hübschle auf dem Alphorn umrahmt, der das musikalische Programm später im Außengelände zwischen Findlingen, Skulpturen und Eseln fortsetzte.

"Ich mag die Festigkeit, die mir entgegentritt"

Steinbildhauer Cornelius Hackenbracht, 53 Jahre, ist Mitgründer des Werkparks Neue Kunst am Ried in Wald-Ruhestetten.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Findlingspfad zu initiieren?

 

Beim Kiesabbau werden immer mal wieder auch große bis sehr große Steine gefunden. Die Schönheit dieser Findlinge und deren Vielfältigkeit brachten uns auf die Idee, einmal diese Steine mit einem Projekt in den Mittelpunkt zu stellen.

Was möchten Sie mit dem Findlingspfad zeigen?

 

Geologisch ist neben der Vielfalt auch die Bestimmung des jeweiligen Materials wie auch dessen urspüngliche Herkunft interessant. Die Besucher können etwas über die Entstehung unserer eiszeitlich geprägten Landschaft erfahren.

Wie groß war der Aufwand des Findlings-Transportes?

 

In den verschiedenen Kiesgruben von Steißlingen bis Ostrach wurden 24 Steine mit einem Gewicht von 130 Tonnen gesammelt und mit Lastwagen und teilweise Autokran hierher transportiert.

Was fasziniert Sie als Künstler am Werkstoff Stein?

 

Ich mag die Festigkeit, mit der er mir entgegentritt, den Klang der Werkzeuge. Die Steine des Findlingspfades bleiben aber genau so, wie sie gefunden wurden.

Fragen: Sandra Häusler