Die Atmosphäre ist wirklich einmalig. Wer in Ruhestetten den Werkpark Kunst am Ried betritt, der fühlt sich in eine andere Welt versetzt. Es ist schon ein ganz besonderer Ort, den Susanne und Cornelius Hackenbracht da geschaffen haben. Hier verschmilzt die Emotionalität des Seins mit der Seele von Werkstoffen, die für den Betrachter zunächst tot erscheinen mögen, dann aber zu einem ganz eigenen Leben erwachen. Am Freitagabend wurde hier die 20. Auflage der Kunstausstellung Experimentelle eröffnet.

„Mit Kunst beginnt die Landschaft zu leben“, formulierte Susanne Hackenbracht und machte damit das deutlich, was die Besucher vielleicht dachten. Oder eher spürten? Eine Wiese mit Bäumen, mit Schafen und Eseln, die untergehende Sonne am Horizont, dazwischen die Skulpturen aus Stein und Metall und dazu die einfühlsame Musik von Multiinstrumentalistin und Sängerin Anna Sonne aus Heggelbach, der ideale Ort und die ideale Zeit, um der Hektik des Alltags zu entschwinden. Wenn man da so saß unter einem Dach aus grünen Blättern und den Blick schweifen ließ über das Land und die Kunstwerke, kam das Bewusstsein, dass eigentlich totes Material auf ganz besondere Art lebt, wenn es zum Leben erweckt wird. Und keine Frage: Zeitgenössische Kunst bietet auch ein hervorragendes Kommunikationsfeld, wie Laudatorin Katharina Wetzel feststellt. Denn was bei der Experimentellen in Ruhestetten zu sehen ist, das muss einfach auch zu Gesprächen anregen.

Neue Ausblicke verschafft Cornelius Hackenbracht.
Neue Ausblicke verschafft Cornelius Hackenbracht. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Dass sich 320 Künstler für die Ausstellung beworben haben, das macht den hohen Stellenwert deutlich. Aus 500 Werken wurden dann 76 ausgewählt. Neben den Skulpturen sind in einer ehemaligen Scheune auch Bilder zu sehen. Es lohnt sich also auf jeden Fall, dem Werkpark einen Besuch abzustatten. „Die Entwicklung ist in den vergangenen Jahren sehr positiv verlaufen“, stellte Kunsthistorikerin Wetzel fest und machte eine ungewöhnliche Aufforderung: „Schenken wir den Künstlern unser Vertrauen.“

Das sieht auch Titus Koch so, der vor 32 Jahren die Grundidee zur Experimentellen hatte. „Ich finde das sehr gut, was die Hackenbrachts hier machen“, stellte der 65-Jährige im Gespräch mit dem SÜDKURIER fest. „Man muss die Kunst da zeigen, wo sie nicht alltäglich ist“, lautet das Credo des Mannes, der im Schloss Randegg eine Galerie betreibt. Die erste Experimentelle veranstaltete er übrigens in einer Sporthalle in Randegg. Im Laufe der Jahre kamen immer neue Ausstellungsorte hinzu. So auch Ruhestetten. „Und das ist vielleicht der ungewöhnlichste Ort“, sagt Kunstsammler Titus

Es kommt immer auf den Blickwinkel an. Im Werkpark gibt es da viele Möglichkeiten.
Es kommt immer auf den Blickwinkel an. Im Werkpark gibt es da viele Möglichkeiten. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Koch, der von Beruf Bauingenieur ist und die einmalige Atmoshäre liebt.

 

„Die Experimentelle ist wichtig, denn Kunst spielt einen wichtigen Part in der Gesellschaft“, stellte die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden (Bündnis 90/Grüne) fest. Dass in diesem Fall die Kunst auch noch mit Werken aus Österreich, der Schweiz und Deutschland gernzüberschreitend sei, das fördere auch den Frieden in Europa. Für Bürgermeister Werner Müller ist klar, dass „Gegenwartskunst auch in der Provinz eine Daseinsberechtigung und ein Zuhause“ habe.

Die Experimentelle ist frei zugänglich, der Werkpark hat keine festen Öffnungszeiten.