Faschismus ist eine politische Bewegung, die sich an einem Anführerprinzip orientiert. Das Stück "Die Welle" basiert auf einer wahren Begebenheit. 1967 hatte der junge Highschool-Lehrer Ron Jones in Kalifornien mit seinen Schülern ein Experiment initiiert, um ihnen die Mechanismen des Dritten Reiches vorzuführen. Er erfand dazu die Bewegung "Die Welle". Die Schüler wurden in den Sog dieses Experimentes buchstäblich hineingezogen und es geriet außer Kontrolle. Darüber verfasste Jones eine Kurzgeschichte. Das vielfach ausgezeichnete Buch "Die Welle" gehört seit Jahrzehnten zur Lektüre in den Schulen.

Elf Teilnehmerinnen im Kurs Literatur

"Das Stück regt zum Nachdenken an", sagt Nina, die zu den elf Teilnehmerinnen des Kurses Literatur und Theater im Alter von 17 und 18 Jahren gehört. Es greift das Thematik Mitläufertum auf: sich anschließen wollen, weil es alle tun, aber das gar nicht hinterfragen. Marie schlüpft im Stück in die Rolle des Ausgegrenzten, der durch die Bewegung eine Chance bekommt, Anerkennung findet und diese nicht mehr missen möchte, erklärt sie.

Das Stück haben die Kursteilnehmerinnen selbst gewählt. Sie waren sich schnell einig, auch, weil die Rollen passten. "Es hatte jede eine Vorstellung von dem Stück", sagt Susanne Pantel. Das spiegle das kippende Rollenverhalten. Die Charaktere der Rollen im Stück sind sehr verschieden und auch die Veränderungen, die die Charaktere durch die Bewegung durchlaufen, sind unterschiedlich. "Jede von uns muss sich mit ihrer Rolle individuell auseinandersetzen", schildert Armgard.

Verlust der Individualität

Die Zugehörigkeit der Gruppe geht mit einem Verlust der Individualität einher, erklärt Kursleiterin Susanne Pantel ihr Regiekonzept. Deshalb spielen die Akteurinnen mit weißen Theatermasken und die Choreografie zur Musik stellt diese Gruppenzugehörigkeit dar. "Wir wollen nicht nur für uns, unsere Eltern und Mitschüler spielen", unterstreichen die Akteurinnen. "Wir freuen uns über Publikum von außen."

Der Kurs Theater und Literatur Klasse 12 ist mit elf Schülerinnen eine kleine Gruppe, mit der man gut arbeiten kann, lobt Susanne Pantel. Die meisten der Teilnehmerinnen haben noch keine private Theatererfahrung. "Es ist so, wie der Kurs gedacht ist. Jede, die einfach Lust hat, kann das Fach wählen", schildert sie. Ein Jahr lang haben die Schülerinnen Theaterübungen gemacht, Gedichte und Minidramen dargestellt, selbst Texte verfasst und daraus Theaterstücke entwickelt, um sich ins Theaterspiel einzufinden. Seit Oktober probt der Kurs Literatur und Theater für "Die Welle", unter anderem mit einem dreitägigen Seminar in Ochsenhausen.