Glasfaser ist in der Telekommunikation zukunftsweisend und ein schnelles Internet ein Grundbedürfnis von Menschen und Unternehmen. Die Gemeinde Wald hat für die Vorhaltung eines Glasfasernetzes in Wald Vorkehrungen getroffen und bereits über 200.000 Euro aufgewendet. Diese Investitionen wurden getätigt, da die Telekom bislang nicht die Absicht hegte, ein Glasfasernetz auszubauen. Nun habe offensichtlich die Telekom Kabelverzweiger in Wald mit einem Glasfaserkabel angefahren, war der Sitzungsvorlage in der vergangenen Sitzung des Gemeinderats zu entnehmen. Die Telekom hätte weiter angekündigt, im Zug der Erschließung in den Baugebieten "Sägeweiherwiesen", Gewerbegebiet "Härtleäcker" Glasfaserleitungen zu verlegen. Anscheinend wolle die Telekom im Hinblick auf eine mögliche Konkurrenz die Telefonnutzer in Wald mit dem Angebot einer sehr hohen Leitungsgeschwindigkeit an sich binden, so die Vorlage.

Die Gemeinde Wald ist Mitglied in der Breitbandversorgungsgesellschaft (BLS) im Landkreis Sigmaringen. Für den Breitbandausbau hat die Gemeinde jährlich 200.000 Euro veranschlagt. Für die Gemeinde als BLS-Beteiligte hätte dies zur Folge, dass mögliche Kunden langfristig, wenn nicht sogar auf Dauer verloren gingen. Bislang liegen in Wald nur die Leerrohre für ein Glasfasernetz. In den Ortsteilen liegen Glasfaserleitungen bis in die Kabelverzweiger, die letzten Meter bis zu den Häusern über Kupferkabel. Im Kernort Wald liegt eine Glasfaserleitung bis zur Vermittlungsstelle am Ortseingang aus Richtung Meßkirch. Für den Anschluss mit Glasfaser ins Haus legte die BLS für Privathaushalte einen Beitrag von 800 Euro netto (952 Euro brutto) fest. Die Verwaltung schlug daher vor, den Point of Presence (POP), über den die Einspeisung und Verteilung des Glasfasersignals läuft, zu aktivieren und zunächst beschränkt auf die Hohenzollernstraße und die Von-Weckenstein-Straße ein Glasfaserkabel einzuziehen. 200.000 Euro sind im Haushalt 2018 für den Ausbau des Glasfasernetzes eingestellt, würde mindestens 50.000 Euro zusätzlich kosten.

"Wenn wir nicht in Konkurrenz zur Telekom gehen, sind die bisher getätigten Investitionen vergebens", unterstrich Hauptamtsleiter Michael Wenzler in der Gemeinderatssitzung. "Doppelt Moppeln braucht man nicht, um zu zeigen, wer der Stärkere ist", argumentierte Gerhard Lohr (CDU). Die Leerrohre wurden verlegt, um die Bevölkerung zu versorgen, der Zweck sei erfüllt, wandte Jutta Krall (FWV) ein. Der Gemeinderat kam überein, dass die Gemeinde Wald grundsätzlich am weiteren Ausbau des Glasfasernetzes mit der BLS interessiert ist, aber nähere Informationen von der BLS benötige. Ferner soll bei der Telekom nach den Ausbauplänen in Wald gefragt werden.

Die Telekom bestätigt auf Nachfrage des SÜDKURIER, dass die Telekom im Ortsteil Wald den Nahbereich zur Vermittlungsstelle in einem Umkreis von 550 Metern im Bereich der Vermittlungsstelle ausbaue. Zwei Multifuktionsgehäuse (Straßenverteiler) werden gebaut und von der Vermittlungsstelle aus mit Glasfaserleitungen versorgt. Die Bundesnetzagentur habe 2017 den Ausbau der Nahbereiche mit Glasfaserleitungen geregelt und freigegeben. Die meisten dieser Nahbereiche baut die Telekom aus, erläutert Hubertus Kischkewitz, einer der Pressesprecher der Telekom. Von den modernen Multifunktionsgehäusen aus können rund 370 Haushalte mit schnellem Internet in einer Bandbreite bis zu 100 Mbit/sec versorgt werden. "Es geht nicht darum auszubauen, wo andere ausbauen, sondern um den Ausbau des Nahbereichs", unterstreicht der Pressesprecher.

Stehen die Anschlüsse zur Verfügung, der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest, müssen die Kunden aktiv werden. Die neuen Bandbreiten kommen nicht automatisch ins Haus. Kunden müssen einen neuen Vertrag abschließen. Eine neuerliche Anschlussgebühr entstehe keine. Kischkewitz bestätigt den Ausbau der beiden Baugebiete "Sägeweiherwiesen" und dem Gewerbegebiet "Härtleäcker" mit Glasfaserleitungen bis in die Wohnungen.

"Wenn wir nicht in Konkurrenz zur Telekom gehen, sind die bisher getätigten Investitionen vergebens."

Michael Wenzler, Hauptamtsleiter