Ein Russe hat bei den 17. Schwäbischen Highlandgames in Leibertingen für Aufsehen gesorgt. Als „Sharap der Adjutor“ trat Sharapudin Kuramagomedov mit Norbert Hübschle alias „Grumberius der Festkochende“ im Team Reischach bei den Wettkämpfen an.

Das Team aus dem kleinen Walder Ortsteil Reischach, mit gerademal 60 Einwohnern, belegte in der Teamwertung Platz fünf. Sharapudin Kuramagomedov erreichte in der Einzelwertung den vierten Platz, sein Teamkollege Platz zwölf. Gottes Hilfe habe ihm Kraft gegeben, ist sich der gläubige Moslem sicher.

Seit Anfang April ist der 21-jährige Russe aus der Republik Dagestan als Praktikant auf dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit Kartoffel- und Getreideanbau von Norbert Hübschle. So erklären sich auch ihre Highlander-Namen „Adjutor“ für Gehilfe oder Helfer und „Grumberius der Festkochende“, vom schwäbischen Grumbiera für Kartoffel abgeleitet. Ihre Röcke und Schärpen waren passenderweise aus Kartoffelsäcken aus Jute gefertigt.

Über das Praktikantenprogramm der Agrar-Kontakte International (AKI), einem eingetragenen und gemeinnützigen Verein beim Landesbauernverband in Baden-Württemberg, kam der Technik-Student nach Deutschland. Ziel des Praktikantenprogramms ist es, jungen Auszubildenden durch „Lernen beim Tun“ praktische Erfahrungen und Kenntnisse in der Landwirtschaft zu vermitteln.

Ursprünglich stammt die Idee der Teilnahme an den Highlandgames von Betriebsleiter Norbert Hübschle, der diesen Traum schon lange hegte. Bislang hatte es ihm aber am richtigen Teampartner gemangelt. Mit dem athletischen Praktikanten sah der 52-Jährige eine Chance. Die strotzende Muskelkraft des jungen Russen zahlte sich aus. „Gegen Sharap kommt keiner an“, musste „Kompactus der Trinkende“, Alexander Nagel aus Steinenkirchen, beim Schlammpatscha klein beigeben.

Kuramagomedov hat die Fachschule für Landwirtschaft abgeschlossen und befindet sich im Ingenieurs-Studium. In seiner Heimatregion werden die Kartoffeln noch mit einem Schwingsiebroder aus der Erde geholt und von Hand aufgelesen, berichtet er. In Russland sei der Boden gut, aber die Technik nicht.

Das Interesse am anderen Land, an der anderen Kultur und an der Technik deutscher Traktoren waren für ihn Beweggründe für das Praktikum in Deutschland. Für den Technikinteressierten sind die modernen Traktoren, Maschinen und Geräte auf dem Hof zweifellos hochinteressant. Beim Schleppergeschicklichkeitsfahren der Studenten habe er den ersten Platz in Russland belegt, weiß sein Chef. „Er hat Interesse an der Technik und das merkt man“, lobt Norbert Hübschle.

Derzeit befindet sich der Familienbetrieb mitten in der Kartoffelernte. Noch bis 16. November dauert das Praktikum, in dem der 21-jährige Russe die Phasen des Kartoffelanbaus über Sortierung, Abpacken, Vermarktung, Ausfahren und Ernte durchläuft.

Sharapudin Kuramagomedov wohnt für die Zeit seines Praktikums im alten Bauernhaus auf dem Hof und hat hier Familienanschluss. „Dankeschön an Familie Hübschle für alles. Petra macht gutes Essen“, das ist ihm wichtig, mitzuteilen. Kontakte zu Russlanddeutschen hat er in Pfullendorf geknüpft und er liebt das Spiel mit Hofhund Leni. Der Moslem hat die Moschee in Pfullendorf besucht und feierte den Ramadan.

Den Fernseh-Beitrag eines regionalen Senders über die Schwäbischen Highlandgames habe er nach Russland geschickt, berichtet Sharapudin Kuramagomedov. Sein Vater sei stolz auf den Erfolg seines Sohnes gewesen. Seine Teilnahme ist eine schöne und bleibende Erinnerung an seine Praktikumszeit in Deutschland.

Praktikantenprogramm

Agrar-Kontakte International (AKI) ist ein eingetragener und gemeinnütziger Verein beim Landesbauernverband Baden-Württemberg, wurde 1998 gegründet und hat seinen Sitz in Stuttgart-Plieningen. Er bietet Praktikantenprogramme sowie Fachprogramme für Experten und ein Gastarbeitnehmerprogramm an. Ziel des Praktikantenprogramms ist es, jungen Auszubildenden durch "Lernen beim Tun" praktische Erfahrungen und Kenntnisse in der Landwirtschaft zu vermitteln. Das alltägliche Zusammenleben und Arbeiten in einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb, die Teilnahme am Dorfleben und das Kennenlernen von Land und Leuten sind wichtige Bestandteile des Programms. Außerdem gehören eintägige Exkursionen und mehrtägige Praktikantentreffen dazu.