Zwei Jahre nachdem Jürgen Müller bekannt gab, dass er das Modegeschäft in der Uhlandstraße in VS-Schwenningen schließen werde und sich auf den Sportartikelhandel konzentrieren wolle, wird nun auch das Sportgeschäft in der Harzer Straße geschlossen. Sport Müller hat seit 1996 auch eine Filiale in Singen.

Bild 1: Sport Müller Schwenningen: Großer Räumungsverkauf bei Sport Müller

Der Ausverkauf startet am heutigen Mittwoch. Bis zu 70 Prozent Rabatt wartet dann auf die Kunden für die über 35 000 Teile, die zum Verkauf stehen. Den Standort Schwenningen gibt man nach gründlichen Überlegungen auf.

„Singen hat sich als Einkaufsstadt weiterentwickelt und ist für die Kunden attraktiver geworden, während sich Schwenningen nach hinten entwickelt hat“, sagt Müller. Man könne es eindeutig an den Zahlen festmachen. „Bei gleichem Sortiment steigen in der Filiale Singen die Umsätze, während diese in Schwenningen sinken“, stellt Müller fest. Kunden die aus Tuttlingen, Rottweil und Spaichingen bisher nach Schwenningen gekommen seien, ziehe es jetzt nach Singen.

„Wir haben lange Zeit gewartet und die Entscheidung nicht auf die leichte Schulter genommen und letztendlich spielen auch betriebswirtschaftliche Gründe eine Rolle“, sagt Alexander Kupprion, der seit Januar Geschäftsführer von Sport Müller ist. Der Winter-Olympiateilnehmer von Turin 2006 im Snowboard Cross ist seit Januar Geschäftsführer und neben Müller Gesellschafter bei Sport Müller. Die Schließungen während der Pandemie hätte das Unternehmen an den Rand der finanzielle Belastung gebracht. „Die Ukraine-Krise bewerten wir noch schlimmer als Corona“, sagt Kupprion. Das Konsumverhalten der Kunden hätte sich geändert und man spreche von einer ganz anderen Qualität in negativer Sicht.

„Der Internethandel in den Sport Müller schon 2012 eingestiegen ist, hat sich mit Kunden aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem guten Geschäft entwickelt und das Unternehmen am Leben erhalten“, beton Kupprion. Der Internethandel werde weiter von Schwenningen aus betrieben.

„Qualität statt Quantität, das gilt auch für die Anzahl an Filialen“, sagt Kupprion. Und auf Qualität setzt das Sportgeschäft nicht nur beim Sortiment, sondern auch bei seinen Mitarbeitern. Die Mitarbeiterentwicklung sei sehr aufwendig und eine große Investition. Die größte Herausforderung wäre, Mitarbeiter zu gewinnen, die gute Läufer oder Skifahrer seien und sich im Sport auskennen würden. „Die Kunden sind im stationären Handel anspruchsvoller geworden und wir müssen unsere Dienstleistung weiter ausbauen und die Verkäufer als Kundenbetreuer sehen“, so Müller.

Der Entschluss sich aus Schwenningen zurückzuziehen fällt Müller besonders schwer. Was bleibt: Die Erinnerungen was er in 41 Jahren alles erleben durfte. Die vielen Modeschauen, Skiausfahrten, Sportreisen, die zahlreichen Aktionen und der Dank an die Kunden für jahrelange Treue.

„Wir sind jetzt an einem Stand der Entwicklung, wo wir umdenken müssen“, sagt Müller. Das Bestehen und die Weiterentwicklung des Unternehmens müsse betriebswirtschaftlich der Sache gerecht werden. (rod)