Eine „dicke Kröte“ – wie Ratsherr Daniel Sauter (FW) es formulierte – musste der Stettener Gemeinderat am Mittwoch in Sachen Sanierung der Schneckenbergstraße in Storzingen schlucken. Denn gegenüber der ursprünglichen Kalkulation ist dabei mit Mehrkosten von rund 245 000 Euro zu rechnen. Es bleibt allerdings der Hoffnungsschimmer, dass die Ausschreibung bessere Preise bringt.

Diplomingenieur Joachim Hölle (Mitte) vom Planungsbüro Sweco stand dem Gemeinderat Rede und Antwort und musste sich in Sachen Kostenschätzung einige Vorwürfe anhören, links Bürgermeister Maik Lehn und rechts Kämmerer Ermilio Verrengia.
Diplomingenieur Joachim Hölle (Mitte) vom Planungsbüro Sweco stand dem Gemeinderat Rede und Antwort und musste sich in Sachen Kostenschätzung einige Vorwürfe anhören, links Bürgermeister Maik Lehn und rechts Kämmerer Ermilio Verrengia. | Bild: Gerd Feuerstein

Konzentration auf 600 Meter Straße

Bürgermeister Maik Lehn erinnerte, dass sich die Hoffnung auf Ausweisung einiger Bauplätze an der Mühlhalde im Zusammenhang mit der geplanten Sanierung der Schneckenbergstraße aus Natur- und artenschutzrechtlichen Gründen zerschlagen habe. Dies sei auch der Grund gewesen, warum im Vorfeld mehrere Varianten des Ausbaus untersucht worden waren. Wie Diplomingenieur Joachim Hölle vom Planungsbüro Sweco aus Balingen nun wissen ließ, habe man sich schließlich darauf verständigt, sich im Wesentlichen auf die Straßensanierung, „ein etwa 600 Meter langes Stück“, zu konzentrieren, mit der Option später auch einen Kanalanschluss des Sportgeländes zu ermöglichen, woraufhin von seinem Büro eine Entwurfsplanung erstellt wurde. Zwischenzeitlich habe ein geologisches Gutachten vom 24. September allerdings neue Erkenntnisse zu Tage gefördert, in deren Folge zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen seien, die bislang nicht in die Kalkulation eingeflossen waren.

Das könnte Sie auch interessieren

Entsorgungskosten steigen ganz erheblich

So sei der talseitige Hang teilweise aufgeschüttet und ohne zusätzliche Stützmauer nicht tragfähig. Nachdem der bestehende Straßenkoffer weder frostsicher, noch tragfähig sei, müsse dieser komplett ausgetauscht werden. Aufgrund der besonderen Lage der Straße müsse der Oberbau statt mit den üblichen 60 Zentimeter auf 75 Zentimeter ausgelegt werden, wobei der bestehende Fels nicht als Tragschicht verwendet werden könne. Gleichzeitig sei mit Blei belasteter Boden entdeckt worden, welcher als sogenanntes „Z2-Material“ eingestuft wurde, wodurch sich die Entsorgungskosten „ganz erheblich“ erhöhen. Der bestehende Straßenunterbau müsse komplett abgefahren werden und soll, nach Auskunft von Markus Spende vom gemeindlichen Bauamt in Stetten a.k.M. an der Ecke Storzinger-Straße/In der Breite zwischengelagert werden: „Das treibt die Kosten natürlich zusätzlich in die Höhe“, unterstrich Maik Lehn „leicht verschnupft“, weil sich in Storzingen bislang kein geeignete Grundstück finden ließ: „Ich hoffe, da bewegt sich noch was“, sagte Lehn.

Zwar zähneknirschend aber dennoch einhellig, stimmte der Gemeinderat den gewaltigen Mehrkosten zur Sanierung der Schneckenbergstraße zu.
Zwar zähneknirschend aber dennoch einhellig, stimmte der Gemeinderat den gewaltigen Mehrkosten zur Sanierung der Schneckenbergstraße zu. | Bild: Gerd Feuerstein

Zu optimistisch oder zu früh?

Ohnehin zeigte sich das Gemeindeoberhaupt von den drastischen Kostensteigerungen „ein bisschen enttäuscht“ und rieb dem Planungsbüro unter die Nase, dass die erste Schätzung „wohl zu optimistisch oder einfach auch zu früh“ gewesen sei. Gemeinderat Daniel Sauter (FW) und Lothar Löffler (ILS) schlugen in die gleiche Kerbe. Die Kostensteigerung sei „nicht in allen Teilen nachvollziehbar“, warf Sauter Planer Joachim Hölle vor: „Dass man eine Stützmauer braucht, müssten Fachleute doch früher wissen“, ärgerte er sich, zumal die Gemeinde anhand der ersten Schätzung einen Zuschuss aus dem Ausgleichstock beantragt hatte, wobei 80 000 Euro auch bewilligt wurden. Auch Lothar Löffler wünschte sich für die Zukunft „bessere Schätzungen“. Aus seiner Sicht war es ein Unding, das „geologische Gutachten derart spät in Auftrag zu geben“.

Hölle: Auch Leberwurst ist „Z2-Material“

Für eine gewisse Heiterkeit in der Debatte sorgten Nachfragen aus dem Gremium hinsichtlich der Einstufung des Aushubmaterials beziehungsweise dessen Entsorgung. Insbesondere der mit Blei belastete Boden, der als „Z2-Material“ eingestuft wurde, war von Interesse: „Die Zuordnungsklassen des Materials wurde im Laufe der Zeit extrem verschärft“, gab Planer Joachim Hölle Auskunft: „Auch eine Leberwurst wäre ‚Z2-Material‘, weil sie einen gewissen Kupfergehalt hat“, informierte Hölle unter entsprechendem Gelächter. Zähneknirschend stimmte das Gremium am Ende den Mehrkosten einhellig zu und beauftragte die Verwaltung, die Maßnahme in den Haushalt 2021 einzustellen.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €