Das große, nur alle vier Jahre in der Heuberggemeinde Stetten am kalten Markt stattfindende Mittelalterfest Spectaculum, das turnusmäßig im kommenden Jahr stattfinden sollte, ist abgesagt worden. Bei einem Pressegespräch im Rathaus haben die Veranstalter, der Förderverein attraktive Region Stetten am kalten Markt unter Fritz Pfeiffer, Bürgermeister Maik Lehn für die Gemeinde und Harald Dreher von der Arbeitsgruppe Spectaculum 2021, die Entscheidung bekannt gegeben.

Entscheidung nicht leicht gemacht

Sie begründeten die Absage (von links): Fritz Pfeiffer vom Förderverein Attraktive Region Stetten, Bürgermeister Maik Lehn und Harald Dreher.
Sie begründeten die Absage (von links): Fritz Pfeiffer vom Förderverein Attraktive Region Stetten, Bürgermeister Maik Lehn und Harald Dreher. | Bild: Susanne Grimm

„Es war keine leichte Entscheidung“, sagte Pfeiffer bedauernd, „aber wir mussten sie jetzt treffen“. Gründe dafür gebe es viele, die alle der Covid-19-Pandemie geschuldet seien. Es seien „verrückte Zeiten“, brachte es Harald Dreher auf den Punkt. Zwar gingen die Fallzahlen zurück, „aber solange es keinen Impfstoff gibt, wird sich die Situation nicht viel ändern“.

Streuwirkung in der Cororona-Pandemie wäre riesengroß

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Eine Großveranstaltung wie das Spectaculum, das in der Vergangenheit regelmäßig tausende Besucher aus der ganzen Region in die Heuberggemeinde gelockt hat, sei wegen der Hygienevorschriften, Abstandsregeln und Begrenzung der Besucherzahlen nicht durchführbar. Außerdem sei wegen der vielen Gäste aus Nah und Fern die Streuwirkung riesengroß, sollten ein paar wenige symptomlose Infizierte das Virus im Laufe des zweitägigen Mittelalterfestes weitergeben. Das möge man sich gar nicht vorstellen, erklären die Verantwortlichen. Ein weiterer Grund, das Fest auf unbestimmte Zeit zu verschieben, liegt in der langen Planungsphase. „Wir brauchen rund ein Jahr Vorlaufzeit“, so der Arbeitsgruppenleiter, der rund 1000 Helfer aus örtlichen Vereinen, Gruppen und Institutionen koordiniert. Zwischen 30 und 35 zum Teil professionelle Mittelaltergruppierungen, Spielleute, Tanzensembles, Händler, Gauklertruppen und anderes mehr muss angeschrieben und eingeladen, Verträge ausgehandelt und unterschrieben, amtliche Genehmigungen, wie beispielsweise zu Straßensperren, eingeholt werden – wobei diese Aufzählung noch lange nicht vollständig ist. Hinzu komme der nicht unerhebliche finanzielle Aspekt bei dieser besonderen Veranstaltung, die sich aus der historischen Vergangenheit von Stetten am kalten Markt speist.

Auch die Buchung von Profigruppen ist problematisch

Viele Gruppen, hier ein Archvbild, locken tausende von Besuchern über die Region hinaus zum Mittelalterfest Spectaculum. Sollte bis 2021 noch kein Impfstoff gegen Covis-19 existieren, ist den Veranstaltern das Ansteckungsrisiko zu hoch.
Viele Gruppen, hier ein Archvbild, locken tausende von Besuchern über die Region hinaus zum Mittelalterfest Spectaculum. Sollte bis 2021 noch kein Impfstoff gegen Covis-19 existieren, ist den Veranstaltern das Ansteckungsrisiko zu hoch. | Bild: Susanne Grimm

Da die Verträge mit landesweit bekannten Profigruppen aus der Mittelalterszene Ausstiegsklauseln beinhalten, kann die kurzfristige Absage – auch aus pandemischen Gründen – richtig teuer werden. „Wir sind in der Verantwortung“, so der Bürgermeister, der sich mit dem Vorsitzenden des Fördervereins, Fritz Pfeiffer, einig ist: „Wir stecken in einem Dilemma!“ Einerseits habe sich das überaus beliebte Spectaculum ein Stück weit zur Tradition und regionalen Kultur entwickelt, auf das ungern verzichtet werde, andererseits „haben wir aber eine Verpflichtung gegenüber Besuchern, Standbetreibern und Gruppen aller Art“. Sie alle würden dem Fest das mitreißende Ambiente verleihen und es ermöglichen, für eine unterhaltsame Weile in eine andere Zeit einzutauchen. „Gerade die abendlichen Veranstaltungen und Beiträge auf dem Schlossplatz vor dem Rathaus haben immer jede Menge Besucher angezogen“, so Pfeiffer, „da stehen und sitzen die Leute dicht an dicht“. Hier Abstandsregeln einzuhalten oder die Besucherzahlen zu begrenzen, sei einfach nicht möglich.

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Risiko mit anderen verlegten Veranstaltungen zu kollidieren

Zwar werde das Jahr 2022 für das Spectaculum anvisiert, aber sicher ist das nicht, denn den Verantwortlichen bereitet auch Kopfzerbrechen, dass der Vier-Jahres-Rhythmus der beiden Stettener Großveranstaltungen durcheinander gerät. Denn das Spectaculum und das große Sommertheater finden im Wechsel alle vier Jahre statt, so dass jedes zweite Jahr eines der beiden Ereignisse in der Heuberggemeinde mit großem personellem und finanziellem Aufwand durchgeführt wird. Weil das nächste Sommertheater turnusmäßig 2023 auf dem Plan steht, wäre die Durchführung des Mittelalterfestes im Jahr 2022 ein enormer Kraftakt. „Deshalb werden wir uns jetzt noch nicht auf einen neuen Termin festlegen“, so Lehn. Denn, so führte Harald Dreher weiter aus, „nächstes Jahr finden einige Veranstaltungen statt, die eigentlich dieses Jahr auf der Agenda gestanden haben und aufgrund Corona auf das kommende Jahr verlegt worden sind“. Als Beispiel nannte er die Fußball-Europameisterschaft, die 800-Jahr-Feier der Stadt Pfullendorf oder die Landesgartenschau in Überlingen, ganz zu schweigen von Festen der örtlichen und nachbarschaftlichen Vereinen. „Da wird es unweigerlich zu Doppelveranstaltungen kommen“.

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