Seit Ende April sind Orgelbaumeister Wolfgang Brommer und sein Team von der Meisterwerkstatt „Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer„ mit der Restaurierung der Orgel der evangelischen Kirche in Stetten am kalten Markt beschäftigt. In den vergangenen Tagen wurden die frisch sanierten Prospektpfeifen, also das äußere Erscheinungsbild der Orgel, wieder eingebaut. Seitdem erstrahlt dieses golden. Mithin verfügt die Hindenburg-Gedächtniskirche nun über die einzige Orgel Deutschlands, die einen goldenen Prospekt vorweisen kann.

Der Auszubildende Doyun Kim aus Korea ist begeistert mit dabei.
Der Auszubildende Doyun Kim aus Korea ist begeistert mit dabei. | Bild: Gerd Feuerstein

Unter der Silberbronze schimmerte Gold durch

Wen wundert es da, dass Orgelbaumeister Wolfgang Brommer beim Besuch des SÜDKURIERS geradezu ins Schwärmen geriet: „Wir haben beim Restaurieren festgestellt, dass unter der alten Silberbronze aus den 70er-Jahren etwas anderes durchschimmerte“, berichtet er. Dabei habe man erkannt, dass die ursprüngliche Lackierung aus Gold bestand und vom damaligen Architekten Otto Bartning – einer Berühmtheit seiner Zeit – sicherlich ganz bewusst so gewählt worden war.

Der Auszubildende Magnus Weiß verbindet den generalüberholten Windladenmotor mit der Ledermanschette zum Windkanal.
Der Auszubildende Magnus Weiß verbindet den generalüberholten Windladenmotor mit der Ledermanschette zum Windkanal. | Bild: Gerd Feuerstein

780 Pfeifen auf 15 Register verteilt

In dem Zusammenhang legte Brommer dar, dass es sich bei der vorhandenen Welte-Orgel um ein „wahres Kleinod der Orgelszenerie“ handle, auf das nicht nur die evangelische Kirchengemeinde besonders stolz sein dürfe. Zwar sei die Ansicht der Orgel (des Prospekts) „vielleicht etwas eigenwillig“, weil die Pfeifen auf großer Lücke stünden. Doch sei dies dem Klang der vielen dahinter liegenden Pfeifen geschuldet, um diese zu vollem Ausdruck zu bringen: „Insgesamt hat die Orgel 780 Pfeifen, verteilt auf 15 Register, die aus elf Pfeifenreihen gezogen werden“, so der Experte.

Orgelbaumeister Uli Sekat kümmert sich um die Elektrik.
Orgelbaumeister Uli Sekat kümmert sich um die Elektrik. | Bild: Gerd Feuerstein

Komplette Modernisierung der Elektrik

Zahlen, die erahnen lassen, was die Fachleute in den vergangenen Wochen zu tun hatten. Während zunächst die Prospektpfeifen sorgfältig ausgebaut und verladen wurden, wurden die meisten der übrigen Pfeifen vor Ort ausgebaut, gereinigt und gerichtet. Defekte Tonpfeifen mussten allerdings in der Werkstatt in Waldkirch restauriert werden. Auch der alte Windladenmotor musste grundlegend erneuert und von einer Fachfirma komplett neu gewickelt werden. Zu den wichtigsten Aufgaben der Orgelbauer gehörte aber die komplette Modernisierung und Absicherung der Elektrik. Nicht zuletzt hatten „brandschutztechnische Auflagen den Austausch der uralten Elektrokabel erforderlich gemacht“, wie Stephan Spillecke aufgeklärt: „Die einzelnen Kabel waren noch mit Stoffbändern, und das Gesamtkabel mit einer Teerhülle ummantelt“, so der Kirchengemeinderatsvorsitzende. „Inzwischen ist aber alles wieder auf dem neuesten Stand“, wirft Restaurator Wolfgang Brommer ein, der mit seinem Team „alles neu verlegt, verkabelt und fachgerecht abgesichert“ hat. Im Prinzip sei „alles raus genommen“ worden, und müsse in den kommenden Wochen nun „wieder zusammengefügt“ werden, bringt der Experte die komplizierten Arbeiten auf einen einfachen Nenner.

Das könnte Sie auch interessieren

In Sachen Denkmalschutz das Maximum erreicht

Wie Brommer wissen lässt, sei die Welte-Orgel vor ihrer Sanierung eingehend von dem Orgelsachverständigen Professor Michael Kaufmann untersucht und begutachtet worden. Entsprechend dessen Befund seien neben der elektrischen Betriebssicherheit auch viele substanzerhaltende Maßnahmen ergriffen worden: „Mit der Restaurierung erreichen wir in Sachen Denkmalpflege das absolute Maximum“, hebt er hervor. Dass das die seltene Welte-Orgel allemal wert sei, daran lässt Brommer keinerlei Zweifel aufkommen: „Man verfügt hier in Stetten über eine spätromantische Orgelanlage von ganz, ganz hohem Rang, deren Klang wirklich sensationell ist“.

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.