Knapp anderthalb Jahre sind ins Land gezogen, seit Florian Pepke als Vorsitzender und Patrick Ruda als Vize das Ruder bei Stettens größtem Verein, dem Turn- und Sportverein (TSV) mit aktuell 1345 Mitgliedern, übernommen haben. Dass die erste Amtsperiode für die junge Führungscrew alles andere als einfach war, kam bei der jüngsten Hauptversammlung deutlich zum Ausdruck.

In der riesigen Alemannenhalle lauschen die wenigen anwesenden Mitglieder dem iZahlenwerk des Kassierers Eric Lehmann.
In der riesigen Alemannenhalle lauschen die wenigen anwesenden Mitglieder dem iZahlenwerk des Kassierers Eric Lehmann. | Bild: Gerd Feuerstein

Verein steht vor gewaltigen Herausforderungen

Corona-bedingt musste die Versammlung in den Herbst verschoben werden und fand in der Alemannenhalle statt, in der sich allerdings nur wenige Teilnehmer eingefunden hatten: „Eine solche Versammlung hat es in der 106-jährigen Geschichte des TSV wohl noch nie gegeben“, wies Florian Pepke auf die besonderen Umstände hin, die den Verein „vor gewaltige Herausforderungen“ gestellt hätten. Sofort nach Ausbruch der Pandemie seien die Verantwortlichen des Vereins zusammengesessen und bereits Mitte März sei – noch vor den offiziellen Vorgaben der Regierung – jeglicher Übungsbetrieb, auch im vereinseigenen Fitness- und Gesundheitszentrum (FGZ), eingestellt worden: „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, sie war allerdings alternativlos“, betonte der Vorsitzende. In der Folge wurde der Einzug der Beiträge für das FGZ ausgesetzt, während die normalen Mitgliedsbeiträge weiter erhoben wurden. Grund: „Unsere laufenden Kosten sind in der Zeit nicht geringer geworden“, warb er um Verständnis. Glücklicherweise sei dem Verein eine Soforthilfe bewilligt worden. Außerdem habe man beschlossen, „derzeit auf nicht zwingende Investitionen zu verzichten“.

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Allein im Turnen drei Gruppen aufgelöst

Die Wiederaufnahme des Sportbetriebs und die Erarbeitung von passenden Hygienekonzepten hätten Abteilungsleiter sowie Trainer und Betreuer vor große Herausforderungen gestellt: „Die haben einen tollen Job gemacht“, lobte Pepke und prognostizierte, dass „die Aufrechterhaltung des Betriebs eine gewaltige Aufgabe“ darstelle für die man sich „mehr Unterstützung der Mitglieder wünschen“ würde. Auch sein Stellvertreter Patrick Ruda legte diesbezüglich den Finger in die Wunde. Fehlende Trainer und Betreuer führten zunehmend dazu, dass Angebote gestrichen und ganze Gruppen geschlossen werden müssten: „Alleine in der Abteilung Turnen mussten mangels Betreuer drei Gruppen dicht gemacht werden“, bedauert Ruda und beklagte, dass sich unter 28 befragten Elternteilen niemand gefunden habe, auch nur einmal im Jahr eine Stunde zur Betreuung der Kids zu opfern: „Unser Fazit war dann die Schließung der Gruppe“.

Der neue Vorstand: Mathias Gabler (von links, je Reihe) mit Elise, Andreas und Florian Pepke, Robin Sieber; Michael Wolfram, Eric Lehmann, Patrick Ruda, Stephanie Tomaselli sowie Manuel Steeger, Jürgen Ruda, Daniela Knobel, Thomas Nicosia und Gerd Alber.
Der neue Vorstand: Mathias Gabler (von links, je Reihe) mit Elise, Andreas und Florian Pepke, Robin Sieber; Michael Wolfram, Eric Lehmann, Patrick Ruda, Stephanie Tomaselli sowie Manuel Steeger, Jürgen Ruda, Daniela Knobel, Thomas Nicosia und Gerd Alber. | Bild: Gerd Feuerstein

Pepke einstimmig für zwei Jahre gewählt

Nachdem Kassier Eric Lehmann einen Einblick in sein Zahlenwerk gewährt hatte, ließen die Zuständigen der Abteilungen Handball (Thomas Nicosia), Fitness (Mathias Gabler), Gesamtjugend (Daniela Knobel), Fussball (Robin Sieber), Jugend- (Gerd Alber) und Damenfussball (Manuel Steeger) sowie Turnen (Stephanie Tomaselli) hinter die Kulissen ihres jeweiligen Zuständigkeitsbereiches blicken. Unter der Leitung von Gemeindeoberhaupt Maik Lehn gingen die turnusmäßigen Neuwahlen zügig über die Bühne. Dabei wurde Florian Pepke nach einem Jahr einstimmig für weitere zwei Jahre als Vorsitzender bestätigt. Zahlreiche Ehrungen, auch für 50-jährige Treue, fielen den gebotenen Abstandsregeln zum Opfer. Zwar wurden die zu Ehrenden verlesen, doch das Anheften von Ehrennadeln sowie Übergabe von Urkunden und Präsenten musste entfallen.

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Mangelnder Einsatz verprellt aktive Vereinsmitglieder

Die Versammlung ging mit einem flammenden Appell des Vorsitzenden zu Ende, in dem er die Mitglieder zu mehr Engagement aufforderte: „Wir haben momentan noch die finanziellen Mittel, um den Laden am Laufen zu halten. Was allerdings fehlt, sind Leute die mithelfen!“, so Pepke. Ein Verein lebe vom Mitmachen und könne ohne das Engagement seiner Mitglieder auf Dauer nicht existieren: „Wir sind ein Verein und kein Dienstleister oder Wirtschaftsunternehmen“, brachte er die Dinge auf den Punkt. Man sei bestrebt, den Mitgliedern die Ausübung ihres Hobbys zu ermöglichen. Allerdings könne es nicht sein, dass der größte Teil ihrem Hobby unter besten Bedingungen nachgehe, während eine wenige die ganze Arbeit zu leisten hätten. „Viel Arbeit auf wenig Schultern lässt den Frustpegel anschwellen“, warnte Pepke, dass in der Folge immer mehr Leute verprellt würden und ebenfalls aufhörten, wodurch die Aufgaben durch noch weniger Leute zu leisten seien: „Unser Verein ist mit mehr als 1300 Mitgliedern groß, sogar sehr groß“, sagte Pepke, da falle das Wegducken leider viel leichter, als in einem kleinen Club: „Doch das ist nicht Sinn und Zweck eines Vereins: Wir leben vom Mitmachen, und ohne die Mitglieder wird es auf Dauer nicht funktionieren“.

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