Heute so, Morgen so. Wer soll da noch durchblicken, fragen sich die Verantwortlichen des Stettener Skiclubs sowie viele Bürger angesichts des Schlingerkurses der Landesregierung und des Landratsamtes Sigmaringen in Sachen Liftbetrieb.

Familien und Paare genossen das Skifahren

Wie im SÜDKURIER ausführlich berichtete, hatten die Stettener Skiclubler am vergangenen Wochenende ihre beiden Lifte auf Grundlage einer vorläufigen Genehmigung des Landratsamtes Sigmaringen und eines eigens erstellten Hygienekonzeptes in Betrieb genommen. Das Angebot war in der gesamten Region auf ein riesiges Interesse gestoßen. Kaum hatte der SC Stetten die Sache in den sozialen Medien kommuniziert, gingen auch schon massenweise Reservierungen ein. In Nullkommanichts war der große Schlepplift bis zum Ende dieser Woche ausgebucht, lediglich am kleineren Bügellift waren noch einige freie Termine zu bekommen. Bei strahlendem Sonnenschein konnten so am vergangenen Wochenende zahlreiche Familien und Paare das Skifahren genießen. Durchweg alle zeigten sich davon begeistert, waren „rundum glücklich, dankbar und zufrieden“, wie viele der Nutzer ihre Freude auf den Punkt gebracht hatten.

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Schock am Montagnachmittag

Dann am Montagnachmittag der Schock. Die neue Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg trat in Kraft und am Spätnachmittag wurde Skiclubvorsitzender Martin Löffler per Mail vom Fachbereich Recht und Ordnung des Landratsamtes Sigmaringen davon in Kenntnis gesetzt. „Mit der neuen Verordnung hat der Verordnungsgeber klargestellt, dass Skilifte nicht betrieben werden dürfen. Wir bitten Sie, die Regelung zu beachten“, schrieb die Behörde. „Mit tiefer Enttäuschung“, haben wir das zu Kenntnis genommen, sagte Martin Löffler, ließ umgehend die Lifte sperren, und machte sich mit seinem Team daran, die gebuchten Termin abzusagen.

Auch erlaubt: Familien tummeln sich am Ski- oder Schlittenhang, wobei es dabei keine Kontrollen gibt.
Auch erlaubt: Familien tummeln sich am Ski- oder Schlittenhang, wobei es dabei keine Kontrollen gibt. | Bild: Gerd Feuerstein

Dass er für diese Entscheidung wenig Verständnis habe, brachte Löffler nicht nur gegenüber dem Landratsamt deutlich zum Ausdruck: „Wir haben drei Tage lang Familien glücklich gemacht“, sagte er gegenüber dem SÜDKURIER. „Und das, ohne jedes Corona-Risiko“, drückte er sein Unverständnis über das Verbot zum Betrieb der Skilifte auf den Punkt, zumal das Hygienekonzept des Club voll aufgegangen sei. Am Skihang im Storzinger Tal seien die Familien mindestens so sicher gewesen, wie im eigenen Wohnzimmer. Im Grundsatz habe der Skiclub genau das gemacht, was die Politik wolle. Nämlich kontrollierten Sport im Freien, ohne Begegnungen, ohne Kontakte – also auch ohne Risiko, so Löffler. Es mache ihn nachdenklich, wie Regierungen in Land und Bund eine solche „Politik am Bürger vorbei“ machen würde und er hege Befürchtungen, dass das „am Ende nicht gut“ ausgehe, macht Löffler am Montagabend aus seiner Verärgerung keine Mördergrube.

Am Montagabend kam die Wende

Und plötzlich schien sich noch am selben Abend eine Wende anzubahnen. Meldungen aus dem Stuttgarter Sozialministerium, dass die stundenweise Vermietung von Skiliften an Familien, Paare oder Wohngemeinschaften weiter erlaubt blieben, machten die Runde. Martin Löffler reagierte sofort, schrieb noch am späten Abend eine Mail an das Landratsamt Sigmaringen, in der er sein Befremden zum Ausdruck brachte. Grund: Die Dienststelle hatte dem SC die vorläufige Genehmigung zur Vermietung der Lifte mit der Maßgabe erteilt, sich beim Sozialministerium über die Zulässigkeit zu erkundigen. Und der Club hatte zugesagt, die endgültige Entscheidung zu akzeptieren: „Dass uns vom Landratsamt am Montag kurzerhand verboten wurde, die Lifte weiter zu betreiben, zeigt, dass man es sich dort ziemlich einfach gemacht hat und beim Sozialministerium erst gar nicht angefragt hat“, ärgert sich Martin Löffler im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Im Gegensatz zu den Beamten des Landratsamtes seien er und seine Mitstreiter ehrenamtlich tätig. Schriftlich hat er dem Landratsamt mitgeteilt, dass der SC seine Skilifte am 13. Januar um 14 Uhr wieder in Betrieb nehme, sofern sich die Behörde nicht bis Dienstag, 14 Uhr gegenteilig äußere: „Eine Reaktion ist von dort bis jetzt nicht mehr erfolgt“, so Löffler gestern Nachmittag.