Auf ein Jahr mit Höhen und Tiefen blickte der Verein „Diabetes-Projekt The Gambia e.V.“ am Samstag bei seiner Hauptversammlung im Gasthaus Sternen in Nusplingen zurück. Während das Hilfsprojekt Ende vergangenen Jahres finanziell noch von den Zuwendungen aus der Charity-Gala der Deutschen Diabetes Hilfe profitierte, bremste das weltweit grassierende Corona-Virus die freiwilligen Helfer bei ihrer Reise nach Gambia in diesem Frühjahr aus.

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Probleme nach erster Corona-Infektion

Unterstützt mit vielen Fotos führte Vorsitzender Roland Schindler den zahlreich anwesenden Mitgliedern vor Augen, wie dramatisch sich die Situation für die kleine Reisegruppe bei ihrer Reise nach Gambia im März entwickelt hatte. Bepackt mit zwei Koffern voller Insulin im Wert von über 10 000 Euro, war das Ehepaar in Begleitung des Arztes Dr. Christian Schwarzenberg aus Hechingen und dessen Ehefrau Cornelia von Stuttgart via Brüssel am 9. März planmäßig in Gambias Hauptstadt Banjul gelandet. Von Einschränkungen wegen des sich verbreitenden Corona-Virus sei da noch überhaupt nichts zu spüren gewesen. Lediglich in Gambia sei vorsichtshalber bei allen einreisenden Passagieren Fieber gemessen worden. In den folgenden Tagen konnte die Reisegruppe ihr Programm „eigentlich noch recht planmäßig“ absolvieren, Messungen und Schulungen bei Erkrankten und in der Klinik von Dr. Gaye vornehmen sowie insbesondere auch befreundete Familien besuchen und mit Hilfsgütern versorgen. Doch als nach einer guten Woche in Gambia ein erster Fall mit Corona-Infektion festgestellt worden sei, hätten sich „die Ereignisse überschlagen“, berichtete Schindler.

Rückholprogramm der Bundesregierung

Einerseits habe sich die Gruppe sofort „Zurückhaltung und strengste Vorsichtsmaßnahmen“ auferlegt. Andererseits sei das gebuchte Hotel von Tag zu Tag leerer geworden, weil Touristen vorzeitig abreisen mussten. Kritisch sei es dann aber geworden, als ihre Fluggesellschaft Brussels-Airlines den Flugbetrieb eingestellt habe: „Über das Rückholprogramm der Bundesregierung sind wir letztlich alle wieder heil in Deutschland angekommen“, fasste Schindler die dramatischen Ereignisse zusammen.

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Seitdem macht den Schindlers und ihren Mitstreitern die aktuelle Entwicklung in Gambia und bei ihren Schützlingen „ganz schön zu schaffen“. So habe es „enorme Probleme bereitet“, zwei große Bestellungen mit Teststreifen in das afrikanische Land zu transportieren, und das, obwohl Luftfracht weiterhin geflogen wurde. Die Lieferung der Pakete sei erst drei Monate nach dem geplanten Termin in Gambia angekommen. Und seit kurzem spitze sich die Lage vor Ort geradezu dramatisch zu: „Seit Montag ist die Pakala-Klinik von Dr. Gaye geschlossen, nachdem vier Pflegerinnen positiv getestet wurden“, berichtete Schindle, dass in Gambia seit 30. Juli der „Corona-Notstand“ ausgerufen worden sei und vorläufig für drei Monate gelte: „Ob wir unsere jährliche Reise zum Weltdiabetes-Tag überhaupt antreten können, steht damit in den Sternen“, so Schindler.

Nächste Lieferung ist sichergestellt

Dennoch sei die Lieferung von Insulin und Teststreifen nach Gambia zur Versorgung der Patienten „bereits sichergestellt“. Glücklicherweise verfüge der Verein inzwischen vor Ort über Mitstreiter und Ansprechpartner, die von Schindler und seinen Mitstreitern in den letzten Jahren eingehend geschult und ausgebildet worden seien: „Isatou Jallow und Ousman Ceesay sind für uns in den Diabetes-Familien im Einsatz“, so Schindler, der aber auch die traurige Nachricht im Gepäck hatte, dass mit dem 32-jährigen Lamin Dibba einer „unserer einst wichtigsten Unterstützer leider verstorben“ sei.

„Das Verladen der Hilfsgüter ist für uns jedes Mal eine nervenaufreibende Angelegenheit. Daheim würde man die Hände über dem Kopf zusammen schlagen“, schmunzeln die Schindlers.
„Das Verladen der Hilfsgüter ist für uns jedes Mal eine nervenaufreibende Angelegenheit. Daheim würde man die Hände über dem Kopf zusammen schlagen“, schmunzeln die Schindlers. | Bild: Diabetes-Projekt The Gambia e.V.

Nach rund anderthalb Stunden endete Schindler mit seinem spannenden Vortrag. Für ihr „beeindruckendes, ehrenamtliches Engagement“ erhielten Roland und Gudrun Schindler sowie ihre Mitstreiter ein dickes Lob von Bürgermeisterstellvertreter Klaus-Dieter Halder.