Weil sie sich über weggeworfene Pizzakartons, Getränkedosen und zerschlagene Flaschen ärgert, hat die Stettenerin Heike Bienmöller selbst zu Besen, Kehrschaufel und Müllsack gegriffen, um den Abfall unter der Brücke der Landesstraße 218 Richtung Frohnstetten aufzusammeln. Offensichtlich feiern junge Leute unter der Brücke gern Partys und lassen ihren Müll hier liegen.

Platz ist abgelegen und Feiernde laufen kaum Gefahr aufzufallen

Der Platz, der zum größten Teil Eigentum des Landes Baden-Württemberg ist, bietet sich zum ungestörten Feiern geradezu an. Denn unter der Brücke führt nur der Richtung Truppenübungsplatz führende Teil der Storzinger Straße sowie ein Spazier- und Fahrradweg entlang. Wenig Gefahr also für die Feiernden, hier aufzufallen. Außerdem befinden sich direkt unter dem Bauwerk auf den gemauerten Schrägen beidseitig Podeste mit Schutzgerüsten, die nach Auskunft des Straßenverkehrsamtes der Wartung der Brücke dienen – und den Feierenden als idealer Sitzplatz.

Angesprochene Jugendliche machen sich über Bienmöller lustig

Es liegt auf der Hand: sichere Sitzgelegenheiten, trocken bei jedem Wetter, kaum Publikumsverkehr – ein idealer Platz für Gruppen junger Leute, die ungestört unter sich sein wollen. „Das ist natürlich absolut verständlich“, sagt Heike Bienmöller, selbst Mutter von zwei Kindern, während sie die Scherben aufsammelt. Sie habe hier schon Jugendliche getroffen und sie angesprochen, doch von Einsicht habe keine Rede sein können. „Eher hatte ich das Gefühl, dass sie sich über mich lustig machen.“ So nach dem Motto: „Wie kann man so blöd sein, den Müll anderer freiwillig wegzuräumen?“ Der Mangel an Respekt und der Mangel an Umweltbewusstsein mache sie betroffen, erklärt sie.

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Vor vier Wochen ein Sack Müll – jetzt liegt schon wieder viel Abfall herum

Vor vier Wochen habe sie hier schon einmal einen Sack voll Müll eingesammelt und zum Bauhof der Gemeinde gebracht. „Und nun schauen Sie sich das an!“, ärgert sich die Stettenerin. In der Tat sind unter der Brücke wieder reichlich Relikte vergangener Zusammenkünfte zu finden. „Für Spaziergänger mit kleinen Kindern oder Hundehalter, die ihren Vierbeiner Gassi führen, kann es hier schon mal gefährlich werden“, gibt Bienmöller zu bedenken. Bis vor nicht allzu langer Zeit hatte sie selbst noch einen Hund.

Bürgermeister: Beste Maßnahme, wenn Jugendliche selbst aufräumen müssten

Stettens Bürgermeister Maik Lehn rechnet es Heike Bienmöller hoch an, dass die in der Schulmensa Aushelfende in ihrer corona-bedingten Auszeit von der Mensa echten Gemeinsinn beweist. Er ist sich mit ihr einig, dass es die beste erzieherische Maßnahme wäre, die betreffenden Jugendlichen selbst aufräumen zu lassen. Dazu jedoch müsste regelmäßig zu Feierzeiten jemand vor Ort vorbeikommen, um die Verursacher direkt verpflichten zu können.

Abteilung Straßenbau im Landratsamt will sich um Müllproblem kümmern

Auf eine entsprechende Anfrage im Landratsamt erklärt Franziska Rumpel, Leiterin des Fachbereichs Straßenbau: „Als Untere Verwaltungsbehörde übernimmt das Landratsamt die Unterhaltung des Brückenbauwerks und somit auch die Abfallbeseitigung. Wir werden uns um die Müllablagerung kümmern.“