Mobbing an Schulen ist kein neues Phänomen. Vom Schulhof verlagert sich Mobbing heute allerdings auch in soziale Medien oder den Klassenchat. Betroffen vom Cybermobbing sind nicht nur, aber besonders Kinder und Jugendliche.

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Das Gemeinschaftsschulzentrum in Stetten a.k.M. stellt sich dieser Herausforderung und gehört nun zu den ersten Schulen in Baden-Württemberg, die ein entsprechendes Zertifikat des Karlsruher Bündnisses gegen Cybermobbing erhalten haben. Ziel ist es, sachkundige Ansprechpartner für Eltern und Kinder im Schulbereich auszubilden und besonders im Schulalltag vorbeugend zu arbeiten. Kürzlich wurde die Urkunde im Rahmen eines Elternabends überreicht.

Zahlreiche Eltern und Mitschüler verfolgten die Referate über Cybermobbing beim Elternabend im Stettener Schulzentrum.
Zahlreiche Eltern und Mitschüler verfolgten die Referate über Cybermobbing beim Elternabend im Stettener Schulzentrum. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Das Schulzentrum kümmert sich zusammen mit Schulsozialarbeiter Tobias Buck bereits seit einigen Jahren um den Bereich „Kinder und Internetnutzung“. Der Sozialarbeiter erläutert: „Dafür gibt es ein Schülermentorenprogramm, in dessen Rahmen Schüler im Umgang mit dem Internet speziell ausgebildet werden, um ihr Wissen an die Mitschüler weiterzugeben.“ Sechs dieser Schülermentoren haben sich in den vergangenen Wochen in das Thema Cybermobbing eingearbeitet. Beim Elternabend stellten Leon Bosch, Leonie Beck, Simon Klemm, Patrick Schnitter, Florian Dattke und Maurice Ohnemus ihre dem Alter der jeweiligen Schüler angepassten Referate vor.

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Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Vorbeugung und Aufklärung. Was ist überhaupt Cybermobbing? Moritz Scherzer vom Bündnis gegen Cybermobbing erklärt das so: „Früher wurden Mobbingopfer vor der Klasse lächerlich gemacht, man ignorierte sie demonstrativ, wurde auch mal handgreiflich, spottete über sie, machte ihnen damit das Leben zur Hölle.“

Neue Formen sind nicht weniger roh

Beim Cybermobbing werde das Ganze auf Distanz und mit neuen Formen, aber nicht weniger roh vollzogen. „Da werden beispielsweise über die sozialen Netzwerke Lügen und Beschimpfungen oder unvorteilhafte Bilder des Opfers verbreitet.“ Ob analog oder digital – die Folgen können für die Opfer schlimm sein. Die Schülermentoren, die ihre Vorträge vor den jeweiligen Klassenstufen halten, haben ihre Referate in verschiedene Themen gegliedert. Die Mitschüler erfahren beispielsweise, dass ohne die Einwilligung des Betroffenen kein Bild im Internet veröffentlicht werden darf.

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Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen kann es zum Cybermobbing kommen, etwa dann, wenn die Beziehung zur bisherigen Freundin abgebrochen ist und der Ex-Freund Bilder verbreitet. An diesem Punkt setzten die Ausführungen von Moritz Scherzer an. Er nahm die Eltern in die Pflicht. Wünschenswert ist es aus seiner Sicht, wenn die Kinder und Jugendlichen ein ausgeprägtes Vertrauensverhältnis zu ihren Erziehungsberechtigten haben.

Für den Medienkonsum der Kinder zu interessieren

Diese Vertrauensbasis, davon zeigte sich Scherzer überzeugt, müssen sich die Eltern erarbeiten. Sein Appell besteht in dem Aufruf, sich für den Medienkonsum der Kinder zu interessieren, mit Sohn oder Tochter auch mal gemeinsam zu surfen. Eltern und Kinder sollten sich im Cybermobbingfall an die Schule, den Sozialarbeiter oder einen Lehrer wenden. Je nach Fall sei auch die Polizei einzuschalten.

„Stetten ist erste Schule im Kreis“

Moritz Scherzer
Moritz Scherzer | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Moritz Scherzer beschäftigt sich als hauptberuflicher Referent beim Verein „Bündnis gegen Cybermobbing„ mit einer der modernen Formen des Mobbings.

Seit wann gibt es das Bündnis und seit wann läuft das Präventionsprogramm an den Schulen?

Unseren Verein gibt es bereits seit 2011. Mit dem Präventionsprogramm, wie hier in Stetten, haben wir erst im vergangenen Jahr angefangen.

Wie viele Schulen haben sich bereits beteiligt?

Insgesamt sind es bisher rund 70 Schulen. Stetten ist die erste und bislang einzige im Landkreis Sigmaringen.

Wie kommt der Kontakt zwischen dem Bündnis und den Schulen zustande?

Wir schreiben die Schulen an und stellen unser Programm vor. Es liegt dann an den Schulen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Meist sind es die Schulsozialarbeiter, in anderen Fällen melden sich die Schulleiter.