Wer glaubt, den Strohbindern aus Schwenningen gingen die Ideen aus, siehst sich seit dem Wochenende eines Besseren belehrt. Die 23. Auflage der Freiluftausstellung „Ideen aus Stroh“ bietet wie schon in den Vorjahren tolle Strohfiguren und Einfälle, die von Händen erfahrener Frauen und Männer in wochenlanger Arbeit geschaffen wurden.

Rakete „STROHPOLLO 1“ überrragt den Strohpark 2019. Immer wieder zählt das Team in englisch von zehn rückwärts auf eins, ehe die Rakete zu dampfen beginnt und Startgeräusche von sich gibt.
Rakete „STROHPOLLO 1“ überrragt den Strohpark 2019. Immer wieder zählt das Team in englisch von zehn rückwärts auf eins, ehe die Rakete zu dampfen beginnt und Startgeräusche von sich gibt. | Bild: Wilfried Koch

Am Samstagnachmittag strahlten Steffen Löffler, der Vorsitzende des verantwortlichen Handels- und Gewerbevereines (HGV), sowie der stellvertretende Bürgermeister Vinzenz Greber bei der Eröffnung im Strohzelt um die Wette, weil es wieder gelungen war, eine tolle Show auf die Wiese neben der Heuberghalle zu zaubern. Die Bewertung der Figuren übernahm der baden-württemberische Justizminister Guido Wolf, der direkt von einem Termin in Heilbronn ins Strohparkdorf geeilt war, gemeinsam mit 22 Mitgliedern der Bergwacht Sigmaringen sowie Frank Richter und seiner Ehefrau, der für den Flyer des Strohparks verantwortlich war.

Der Narrenverein Wasserschöpfer zählt seit Jahrzehnten zu den fleißigsten Strohbindern. Mit ihrem lustigen Beitrag „Kohlhäuschen“ ist den Frauen und Männern wieder ein Volltreffer gelungen. Ehrenzunftmeister Raimund Glückler spricht die Texte, die beim Öffnen der Türe zu hören sind. Von links: Ingrid Reiser, Margit Kuri, Rebecca Glückler, Christine Siber, Claudia Roth, Leo Greber, Marcus Greber, Verena Greber und Bernd Roth.
Der Narrenverein Wasserschöpfer zählt seit Jahrzehnten zu den fleißigsten Strohbindern. Mit ihrem lustigen Beitrag „Kohlhäuschen“ ist den Frauen und Männern wieder ein Volltreffer gelungen. Ehrenzunftmeister Raimund Glückler spricht die Texte, die beim Öffnen der Türe zu hören sind. Von links: Ingrid Reiser, Margit Kuri, Rebecca Glückler, Christine Siber, Claudia Roth, Leo Greber, Marcus Greber, Verena Greber und Bernd Roth. | Bild: Wilfried Koch

Die Kommission, die über die Vergabe der ersten drei Plätze zu befinden musste, hatte es wirklich nicht leicht. Angefangen von Max und Moritz, die Witwe Bolte das Essen vom Herd klauten (Turnverein) über den Halloweenkürbis vom Vorjahressieger Tennisclub bis zum Insektenhotel (Albverein) reichte die Palette. Alles überragend die elf Meter hohe Rakete „STROHPOLLO 1“ von Musikverein und der Firma GaLö sowie die vom Männergesangverein Eintracht erschaffene, sich drehende Weltkugel, die durch ihre Beleuchtung besonders nach Einbruch der Dunkelheit faszinierend wirkt.

Fahrt mit der Achterbahn

Wahre Meisterwerke werden im Strohpark ausgestellt, die den Besucher nicht mehr aus dem Staunen heraus lassen. Die Feuerwehr erinnert an die Zeltlagerkulisse anlässlich ihres Kreisjugendfeuerwehrzeltlagers in Verbindung mit dem 50. Geburtstag der Jugendwehr. Die „Heuberger Gaumenfreunde“ (Martin Dannecker und Frank Johann Bosch) laden ein zur Fahrt mit der Achterbahn und die Firma Greber-Bau präsentiert das Maurerwappen mit Zirkel, Hammer, Maurerkelle und Zeichendreieck/Winkel – natürlich maßstabsgetreu. Bauernhofeis Löffler präsentiert den großen Wecker, der Narrenverein das lustige Kohlhäusle mit originellen Sprüchen ihres Ehrenzunftmeisters Raimund Glückler, Ofen-Berger ein Streichholz, Praxis Wendepunkt animiert zu Stretchübungen bei „Five Lateral“ und die Landjugend zeigt übergroß, an wo man sich hier aufhält: „STROHPARK„.

Wochenlang tüftelten die Männer vom Männergesangverein Eintracht Schwenningen, bis dieser tolle Globus fertig war. Unterstützt wurden sie wie in den Vorjahren von Claudia Greber (Mitte), die für filigranes Strohbinden bekannt ist. Besonders in dunklen Stunden kommt die sich drehende beleuchtete Weltkugel schön zur Geltung.
Wochenlang tüftelten die Männer vom Männergesangverein Eintracht Schwenningen, bis dieser tolle Globus fertig war. Unterstützt wurden sie wie in den Vorjahren von Claudia Greber (Mitte), die für filigranes Strohbinden bekannt ist. Besonders in dunklen Stunden kommt die sich drehende beleuchtete Weltkugel schön zur Geltung. | Bild: Wilfried Koch

Kanone aus der napoleonischen Zeit

Gleich zwei Kanonen sind zu besichtigen. Während sich die routinierte Strohbinder-Truppe vom Sportverein mit der großen Kanone aus der napoleonischen Zeit zeigt, ist die erstmals vertretene Reservistenkameradschaft, Kreisgruppe Neckar-Alb, mit einem Langrohrmörser angetreten.

Wie immer gibt es auch zahlreiche von Kindern und Jugendlichen geschaffene Strohkunstwerke. Aus einem Storchennest schauen zwei Störche herunter auf die Gäste, während mehrere Maulwürfe und Mäuse aus der Froschperspektive grüßen. An einem Gitter hängen Liebesschlösser, auf einem Tisch locken Früchte und natürlich dürfen auch die Vogelscheuchen nicht fehlen.

Vorsicht im Gastronomiebereich! Mit dieser Kanone wird auf die Gäste gezielt. Der Sportverein Schwenningen schuf diese gefährliche Waffe.
Vorsicht im Gastronomiebereich! Mit dieser Kanone wird auf die Gäste gezielt. Der Sportverein Schwenningen schuf diese gefährliche Waffe. | Bild: Wilfried Koch

Lob für die Bauern

Landtagsabgeordneter Klaus Burger lobte die Bauern, die mit ihrem Stroh überhaupt das wichtige Material für die Veranstaltung liefern und sprach gemeinsam mit Minister Guido Wolf an die Vertreter der 15 strohbindenden Gruppen und Vereine eine Einladung für eine Reise nach Stuttgart aus. Minister Wolf meinte, er sei bei seinem Besuch 2018 so vom Strohpark begeistert gewesen, dass er jetzt gleich zur Eröffnung kommen musste. Der in Baden-Württemberg für den Tourismus zuständige Minister erklärte: „Der Strohpark ist ein touristisches Ereignis erster Klasse, mit dem sowohl Leben im Dorf als auch im ländlichen Raum aktiv präsentiert wird.“ Er dankte allen Strohbindern für die echte Bürgerkunst und echte Bürgerkultur, die hier aktiv zelebriert wird.

Zuvor hatte HGV-Vorsitzender Steffen Löffler gemeinsam mit Bürgermeister-Stellvertreter Vinzenz Greber die Anwohner für die nächsten Wochen um Nachsicht gebeten. Das obligatorische Strohparkgedicht trug Margit Stingel vor. Die Prämierung erfolgt wie immer erst eine Woche nach Strohparkende bei der After-Strohpark-Party.

Das Wappen der Maurerzunft stellen die Mitarbeiter der Firma Greber-Bau vor.
Das Wappen der Maurerzunft stellen die Mitarbeiter der Firma Greber-Bau vor. | Bild: Wilfried Koch