Die "Glashütter Naturweiss GbR" ist eine Kooperation zwischen dem Schwenninger Straßenbauer und der Firma Klöpfer aus Winnenden. Diese Firma, so Unternehmenschef Stingel, habe praktische Erfahrungen mit dem Abbau und der Verarbeitung von hochreinen Kalken und sei daher der natürliche Partner für sein Haus. Stingel nimmt die Einwände der Glashütter gegen das Projekt ernst, kann sich jedoch die Intensität der Kritik am Abbauplan nicht erklären. "Dreh- und Angelpunkt des Projekts", so versichert der Schwenninger, "ist die Unbedenklichkeit in Bezug auf das Grundwasser". Diese Unbedenklichkeit ist aus Sicht der Kalkabbauer in spe zwar schon durch ein inzwischen zwei Jahre altes hydrologisches Gutachten nachgewiesen. Dieses Gutachten, so bedauert Stingel, werde allerdings von den Fachleuten im Sigmaringer Landratsamt derzeit noch nicht als ausreichende Grundlage für eine mögliche Genehmigung anerkannt.

Doch nicht nur in Sigmaringen wird über die Abbaupläne gewacht. Der Unternehmer zählt auf: "Regionalverband Bodensee-Oberschwaben, das Regierungspräsidium Tübingen, das dem Regierungspräsidium Freiburg angeschlossene Geologische Landesamt und die Kreisbehörde in Sigmaringen." Grundsätzlich hält der Schwenninger die für das geplante Abbaugebiet geltende Trinkwasserschutzzone III für kein Hindernis, weil 54 Prozent der Steinbrüche in Baden-Württemberg in einer Trinkwasserschutzzone I bis III lägen.

Christoph Stingel zeigt sich bemüht, die Argumentationslinie für den Abbau auf eine noch fundiertere wissenschaftliche Grundlage zu stellen, als dies bisher schon der Fall ist. Die GbR arbeite derzeit zusammen mit der Ruhruniversität Bochum an einem Färbeversuch, um die Wasserströme im Einzugsbereich der geplanten Abbaustelle exakt nachverfolgen zu können. Dazu würden neuste digitale Methoden eingesetzt. Sollten die örtlichen Behörden zustimmen, könnten die Färbeversuche noch in diesem oder spätestens im kommenden Jahr beginnen.

In diesem Zusammenhang macht der Schwenninger aber eines ganz deutlich: "Wir versuchen mit diesen Ergebnissen, in der emotionalen Diskussion neue, wissenschaftsfeste Fakten einzubringen." Diese Versuche seien für das Unternehmen ergebnisoffen. Daran änderten auch die bereits investierten Summen nichts: "Wir wollen unser Image als regional verwurzelter mittelständischer Betrieb bewahren, der sich seiner Verantwortung für Mensch und Umwelt in der Region bewusst ist."

 

Zum Hintergrund

Nach den Plänen der "Glashütter Naturweiss GbR" sollen pro Jahr 30 Jahre lang 270 000 Tonnen hochreine Kalke abgebaut werden. Ein Großteil des dafür vorgesehenen 9,6 Hektar großen Areals befindet sich bereits im Zugriffsrecht des Unternehmens. Wie Christoph Stingel betont, stehe die gesamte Fläche ausnahmslos unter keinem Schutzstatus, wie beispielsweise Vogelschutz, Landschaftsschutz oder entsprechend der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Die Firma Friedrich Stingel in Schwenningen besteht seit dem Jahr 1933. Derzeit beschäftigt das bundesweit tätige Unternehmen 140 Mitarbeiter. (hps)