Stetten a.k.M. – Im Jahre 1999 feierte die Gemeinde Stetten am kalten Markt ihr 1200-jähriges Bestehen. Der Anlass sollte nicht nur in den sonst üblichen historischen Umzügen, sondern in einem groß angelegten Theaterspektakel als Open-Air-Event im Schlosshof gefeiert werden. In der Folge vereinbarte die Gemeinde Stetten eine Kooperation mit den Profis vom Theater Lindenhof aus Melchingen. Die damaligen Aufführungen, an denen sich über 270 Bürgerinnen und Bürger beteiligten, waren ein gigantischer Erfolg und ernteten überwältigenden Zuspruch von Publikum und Fachwelt. Das „Stettener Sommertheater“ war geboren.

Die Aktivsten gründeten einen Verein. Die Theaterspieler wurden Mitglied im Landesamateurtheaterverband. Die Prinzipien der zukünftigen Theaterarbeit wurden festgeschrieben und die bestehende Kooperation mit dem Theater Lindenhof verlängert. Seither fußt die Stettener Theaterarbeit im Wesentlichen auf drei Säulen: Da ist zum einen der „Lokalbezug“, weil mit jeder Inszenierung lokale Stoffe theatralisch aufbereitet werden. Zum anderen gilt in Sachen „Partizipation“ eine eiserne Regel: Jeder interessierte Bürger, egal welchen Alters, Geschlechts, Status oder Herkunft findet einen Platz in der Produktion. Es gibt kein Casting. Ob als Haupt- oder Nebenrolle – egal ob vor oder hinter den Kulissen – wer mitmachen möchte, wird in die Arbeit eingebunden. Die dritte Säule ist die „professionelle Anleitung“, wonach die Inszenierungen nach gemeinsamer Stoffauswahl in Kooperation mit einem professionellen Leitungsteam erstellt werden.

Engagement und Spielfreude

Inzwischen hat die Stettener Theatergemeinschaft sechs groß angelegte Stücke erarbeitet, die durchweg für viel Furore sorgten. Ein Kern von etwa 20 Akteuren bildet das schauspielerische Herz der Stettener Theaterbewegung. Diese hochengagierten und spielfreudigen Amateure erzeugen eine Zugkraft, die immer mehr Mitspielerinnen und Mitspieler mobilisiert. Gerade bei der Aufführung 2015 „Weit vom Schuss – und mittendrin!“ waren auffällig viele junge Mitwirkende zu sehen. Durch die Teilnahme unterschiedlichster Menschen aller Altersstufen verzeichnet die Stettener Spielgemeinschaft eine herausragende Figurenvielfalt verschiedenster Charaktere und Typen.

Kulturelle Identität schaffen

Auch hinter der Bühne legt der partizipative Grundsatz ungeahnte Ressourcen frei. Ob in der Nähstube, bei Technik und Bühnenbau, bei den Requisiten, bei der Werbung oder bei der Administration: das Engagement ist überdurchschnittlich. Durch Vermischung, Vernetzung und das Zusammenspiel unterschiedlicher Menschen und Gruppierungen verbinden sich ehrenamtliches Engagement, Freizeitgestaltung sowie Bildung und Kultur. Vieles und Viele sind im Dorf in Bewegung. Die gemeinsame Arbeit verbindet. Das Image der Gemeinde wird neu definiert und eine eigene kulturelle Identität entsteht. Auch abseits der Aufführungen wird ein offener Diskurs über die Themen des Theaters ausgelöst. Die Stettener gestalten aktiv ihre Gegenwart und erzählen in einer beeindruckenden Art und Weise die eigene Geschichte, und zwar differenziert, kritisch und neu. In einer ländlichen Gemeinde ist das keine Selbstverständlichkeit.

Streifzug durch die Geschichte mit rund 200 Laiendarstellern

<p>„Gsoffa, Prostata“, am Stammtisch wird gelacht, getrunken und gemotzt, und natürlich heiße Diskussionen um das Dorfgeschehen geführt. </p><p>Bilder: Gerd Feuerstein</p>

„Gsoffa, Prostata“, am Stammtisch wird gelacht, getrunken und gemotzt, und natürlich heiße Diskussionen um das Dorfgeschehen geführt.

Bilder: Gerd Feuerstein

Stetten a.k.M. (gfe) Nach monatelangen Vorbereitungen und intensiven Proben fällt beim „Stettener Sommertheater“ am morgigen Abend der erste Vorhang. Viel Prominenz aus Politik und Gesellschaft wird erwartet, wenn um 20 Uhr der Gong ertönt, und die vielen Laiendarsteller nach und nach die Bühne erobern. Gespielt wird in diesem Jahr das Stück „Stetten – dem Himmel so nah“

Handlung: Stetten am kalten Markt ist 1¦200 Jahre alt und feiert Geburtstag. Ein Fremder kommt vorbei und will sich ein Bild von dem Ort machen. Eine Reise durch die bewegte, teils auch dramatische Geschichte des Dorfes beginnt. Die wesentlichen Stationen und markanten Ereignisse werden zum Leben erweckt. Wechselnde ökonomische und politische Einflüsse und immer wieder heranstürmende Zwischenfälle der Weltgeschichte werden im Schlosshof in starken Bildern und großen Tableaus in Szene gesetzt. Das Dorfleben erscheint als ständiger Kampf zwischen oben und unten und der Mensch oft nur ein Spielball der Mächtigen und der äußeren Umstände. Der Fremde hat den Eindruck, als würden sich trotz aller Turbulenzen und Zeitenwechsel die Verhältnisse im Kern kaum ändern. Er sucht in der Geschichte des Ortes nach Empathie, Vernunft, Humanität und aufgeklärtem Handeln und stellt fest, dass dies eine Aufgabe für die Zukunft bleibt. Ein Anfang ist aber gemacht: Denn wer sich den Facetten seiner Geschichte stellt, hat den ersten Schritt in Richtung Veränderung getan.

Das Theater Lindenhof arbeitet seit zwanzig Jahren mit der Gemeinde Stetten am kalten Markt zusammen. Alle vier Jahre wird von den Bürgern des Ortes, unter der Anleitung eines professionellen Teams, ein Stück gespielt, das speziell für diesen Anlass geschrieben wird und sich mit der Geschichte des Ortes befasst. Insgesamt fünf solcher Zusammenarbeiten wurden mit großem Erfolg realisiert. Die Aufführung von „Stetten – dem Himmel so nah“ war die erste gemeinsame Produktion und wird nun neu inszeniert.

Morgen wird Premiere gefeiert

<p>Für Regisseur Stefan Hallmayer (Mitte) und seine beiden Assistenten Gerald Ettwein (links) und Peter Höfermayer (rechts) wurde der Stettener Schlosshof in den letzten Wochen zur zweiten Heimat. </p>

Für Regisseur Stefan Hallmayer (Mitte) und seine beiden Assistenten Gerald Ettwein (links) und Peter Höfermayer (rechts) wurde der Stettener Schlosshof in den letzten Wochen zur zweiten Heimat.

Daten & Fakten

 

  • Premiere:
    19. Juli 2019 um 20 Uhr
  • Weitere Aufführungen: 20./21./26./27./28. Juli sowie 2./3. August jeweils um 20 Uhr
  • Einlass:
    19.15 Uhr; Abendkasse ab 18 Uhr geöffnet
  • Mitwirkende:
    Bürgerinnen und Bürger aus Stetten am kalten Markt
  • Regie & Bühne:
    Stefan Hallmayer
  • Regieassistenz:
    Peter Höfermayer und Gerald Ettwein
  • Kostümbild:
    Claudia Rüll Calame-Rosset
  • Musikalische Leitung:
    Wolfram Karrer
  • Dramaturgie:
    Franz Xaver Ott
  • Technik:
    Ralf Wenzel
  • Leitung Nähstube:
    Irene Feuerstein und Inge Letsch
  • Produktionsleitung:
    Claudia Mogg
  • Karten im Stettener Rathaus erhältlich
    Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch: 8.15 Uhr bis 12.15 Uhr; Donnerstag: 14 Uhr bis 18.30 Uhr; Freitag: 8.15 Uhr bis 12.15 Uhr
  • Eintrittspreise
    im Vorverkauf: 13 Euro;
    Abendkasse: 19 Euro
  • Karten auch online buchbar unter: www.theater-lindenhof.de
  • Bewirtung:
    ab 18 Uhr, z.B. Bauernbrot mit Käse, Zanderfilet, Bauernbratwurst, Maultaschen, Theater-Burger