Bürgermeister Maik Lehn hält nach der Verlautbarung des Verkehrsministeriums zu den anhaltenden Pannen beim Schülerverkehr mit der Bahn von Storzingen in die Kreisstadt fest, dass diese Stellungnahme, und die Haltung des Ministeriums wohl niemanden wirklich verwundern würde. "Es liegt nun am Landkreis Sigmaringen, für eine verlässliche Schülerbeförderung zu sorgen. Dabei muss es einem doch nachdenklich stimmen, wenn das Verkehrsministerium es 'akzeptieren' würde, wenn der Landkreis Sigmaringen wieder einen Parallelverkehr mit Bus zur ersten Unterrichtsstunde einrichten würde", sagt der Bürgermeister.

In einem mit dem Ministerium abgestimmten Pressetext hatte das Landratsamt mitgeteilt, dass die Frage der Verlässlichkeit dieser Strecke für die Schülerbeförderung im Fokus der Betrachtung bei einem Gespräch zwischen der Grünen-Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden, Verkehrsminister Winfried Hermann und Landrätin Stefanie Bürkle am Dienstag stand. Bei dem, auf Initiative von Bogner-Unden zustande gekommenen Gespräch, ging es indes auch um die Möglichkeiten zur Verbesserung der Erreichbarkeit des Landkreises auf der Schiene und um die Elektrifizierung der Zollernbahn.

Mit Bezug auf den Schülerverkehr teilt das Landratsamt mit: Gemeinsam hätten die Beteiligten die Pünktlichkeit der Bahn – trotz der Diskussion über Störfälle in den vergangenen Wochen – als grundsätzlich gegeben angesehen. Minister Hermann verwies darauf, dass der Schülerzug seit März mit sehr hoher Pünktlichkeit verkehrt, die deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt. „Trotz der Aufregung vor Ort: Objektiv betrachtet gehört dieser Zug nicht zu unseren großen Problemfällen.“ Der Minister wies darauf hin, dass mit dem Fahrplanwechsel ab dem 10. Dezember weitere Verbesserungen in Kraft treten werden. So werde eine weitere Frühverbindung für den Berufsverkehr geschaffen, die Sigmaringen kurz vor 7 Uhr erreicht, und auch der derzeitige Zug werde um drei Minuten vorverlegt, sodass künftig zwischen der Ankunftszeit in Sigmaringen und dem Unterrichtsbeginn 23 oder 28 Minuten liegen. Gemeinsam war man sich zudem einig, dass die Strecke zwischen Tübingen und Aulendorf elektrifiziert werden sollte, um nach der Realisierung von Stuttgart 21 den Landkreis vernünftig an den überregionalen Schienenverkehr anzubinden. Hierfür wurde verabredet, eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen.

Grundsätzlich solle an der zwischen Land und Landkreis verabredeten Verkehrskonzeption "Großer Heuberg", der die ÖPNV-Angebote des Landkreises auf die Schiene vorsieht, festgehalten werden. Trotz dieses gemeinsamen Ziels werde es das Verkehrsministerium akzeptieren, wenn der Landkreis zur Beruhigung der Diskussion zur Schülerbeförderung zwischen Stetten und Sigmaringen wieder einen Parallelverkehr mit Bus zur ersten Unterrichtsstunde einrichten sollte. Hermann sagte: "Für uns ist wichtig, dass bei einer Umstellung der morgendlichen Schülerverbindung das Bus-Schiene-Konzept für den Heuberg nicht grundsätzlich infrage gestellt, sondern weiter ausgebaut wird.“ Sollte sich der Landkreis Sigmaringen zu einer Umstellung dieses einen Kurses entschließen, werde dies die künftige Kosten-Nutzen Berechnung für die Strecke Sigmaringen-Tübingen nicht negativ belasten. Landrätin Bürkle zeigte sich einerseits erfreut, dass das Land mit der besprochenen Arbeitsgruppe nun erste konkrete Schritte zur Elektrifizierung der Zollernbahn geht. Andererseits sei der Landkreis mit der konkreten Frage der Schülerbeförderung für die Kinder und Jugendlichen vom Heuberg nun auf sich gestellt. Denn: Der derzeitige Nahverkehrsplan des Landkreises Sigmaringen, der die Schülerbeförderung regelt, setzt auf den Vorgaben des ÖPNV-Gesetzes des Landes auf, wonach die Busleistungen auf die Schiene ausgerichtet werden sollen, weshalb der Landkreis bis dato bewusst Parallelfahrten von Bus und Schiene reduziert und abgebaut hatte.

Die weitere Frühverbindung, die das Land zum Fahrplanwechsel 2018 einziehen wird, könne zwar ein Beitrag dazu sein, dass die Kapazität erhöht wird, allerdings stellt sie für die Schülerinnen und Schüler keine Redundanz dar, worin sich die Gesprächsteilnehmer einig waren. Die Verlässlichkeit auf der Schiene wäre aus Sicht von Landrätin Bürkle erreichbar gewesen, wenn das Land diese weitere Frühverbindung zeitlich anders im Fahrplan verankert hätte. Dies sei aber nach Angaben des Verkehrsministeriums aus Umlaufgründen nicht möglich. Nun gelte es für den Landkreis Sigmaringen die Sachlage neu zu bewerten. Da die Regelungen des Nahverkehrsplans in der Kompetenz des Kreistags liegen, wird Landrätin Bürkle dem Kreistag am 18. Dezember einen Vorschlag unterbreiten, der einerseits die Interessen der Schülerinnen und Schüler, wie auch die ihrer Eltern aufgreift, der andererseits aber auch geeignet ist, die Schienenverbindung zwischen Sigmaringen und Albstadt und damit den Erhalt des Schienen-Haltepunkts Storzingen zu sichern. "Im Kern ist dies die Quadratur des Kreises. Wir werden nun in den nächsten Tagen mit Hochdruck daran arbeiten, dem Kreistag eine Lösung vorzulegen, die dann auch dauerhaft Bestand hat“, so Landrätin Stefanie Bürkle.

Bürgermeister Maik Lehn stellt hierzu fest: "Ich bin mir sehr sicher, dass der Kreistag das anhaltende Problem der Schülerbeförderung anerkennt und entsprechende Beschlüsse zur Einrichtung einer Buslinie sowie zur Änderung des Verkehrskonzepts Großer Heuberg fassen wird. Ich habe Landrätin Bürkle zugesichert, dass die Gemeinde den Landkreis bei diesem Vorhaben unterstützen wird."

Und Bogner-Unden erklärt zum Ausgang des Gesprächs: „Ich bin froh, dass das Gespräch zwischen Verkehrsministerium und unserem Landkreis auf meine Initiative und Einladung hin stattgefunden hat. Ich bin auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Erstens, dass das Land die Notwendigkeit erkannt hat, eine Elektrifizierung der Bahnverbindung von Stuttgart bis Sigmaringen ins Auge zu fassen. Und zweitens, dass im Kreistag geprüft werden soll, ob es möglich ist, morgens eine Busverbindung für die Schüler vom Großen Heuberg nach Sigmaringen einzurichten.“

Neuer Zug wird nicht als Lösung gesehen

Die neue Frühverbindung, die ab dem 10. Dezember auf der Bahnstrecke von Storzingen nach Sigmaringen beginnen soll, wird nicht als Entlastung für die Schüler gesehen:

In einem offenen Brief an die Landrätin hatte Armin Dreher, erweiterte Schulleitung der Liebfrauenschule Sigmaringen und Bürger von Stetten a.k.M., vor einigen Tagen bereits festgehalten, dass diese Verbindung für den Berufsverkehr geschaffen wurde, die Sigmaringen kurz vor 7 Uhr erreicht. Im Mai habe es geheißen, dass dieser Zug gar nicht für Schüler, gedacht sei. Um das zu gewährleisten, wurde die Abfahrtszeit auch auf etwa 6.37 Uhr festgelegt. Nun stellt er fest: "Ich habe jedoch den Verdacht, dass aufgrund der anhaltenden Misere dieser Zug nur zur Beruhigung der Eltern und als Ausrede herhalten soll." Die Verbindung halte er nicht für eine Verbesserung, sondern für eine Verdummung. Denn: Als Antwort für einen Schülerverkehr, der den Schülern für eine Strecke von 14 bis 20 Kilometern mindestens ein- bis eineinhalb Stunden Schulweg zumutet, werde jetzt eine noch frühere Zugverbindung angeboten, die für Erwachsene und Berufspendler geplant sei. Deshalb appelliere er, eine dauerhafte und zuverlässige Lösung für Schüler und Eltern anzustreben. Die Buslösung sollte unbedingt dauerhaft eingeführt werden. Denn eine kaum zumutbare Beförderungslinie dürfe nicht Entscheidungskriterium für die Schul- und Schulortwahl sein.

Auch Bürgermeister Maik Lehn hatte festgestellt, dass dieser Pendlerzug angesichts der langen und frühen Reisezeit für die Schüler nicht die Lösung des Problems sein kann. (mos)