Entstanden ist das Projekt unter dem Dach der Schulsozialarbeit, deren Chef Tobias Buck die Idee der Sigmaringer Rotarier aufgeschnappt hatte und sein Team, und damit das ganze Schulzentrum, zum Mitmachen gewinnen konnte. Insbesondere Selina Nicosia, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr am Stettener Schulzentrum leistet, zeigte sich von der Idee begeistert, mit einfachen Plastikdeckeln oder Wegwerfartikeln Kinderleben retten zu können. "Ich habe dann mit dem Kubus-Team geredet und die waren von Anfang an restlos begeistert", berichtet Selina Nicosia. Also habe man die Idee in alle Klassen, an alle Schülerinnen und Schüler und schließlich in die ganze Gemeinde hinaus getragen. Großartige Unterstützung habe man bei diesem Vorhaben in den Discountmärkten Norma und im Treff 3000 gefunden, wo man Sammelstationen in unmittelbarer Nähe zu den Flaschenrückgabeautomaten einrichten durfte.

"Man brauchte einfach nur den Deckel abschrauben und in unsere Behältnisse werfen", beschreibt es Selina Nicosia und ergänzt, dass man für jede Flasche auch ohne Deckel das Pfand erhalte. "Wir hätten nie gedacht, dass so viele Deckel zusammen kommen", freuen sich einige der teilnehmenden Schülerinnen bei der Übergabe, die sich in den vergangenen Wochen um das Einsammeln der Deckel gekümmert hatten. Und in der Tat: Über 35 000 der kleinen bunten Dinger lagen verpackt in Kisten und Kartons zur Übergabe bereit. Da staunte auch Florian Barking nicht schlecht: "Wenn man bedenkt, dass man mit 500 Deckeln eine Polio-Impfung finanzieren kann, ist das wirklich ein fantastisches Ergebnis", applaudierte er den anwesenden Schülerinnen, denen er stellvertretend für alle Beteiligten herzlich dankte. "Da habt ihr wirklich ein überragendes Ergebnis erzielt", sagte er.

Über die Aktion selbst ließ er wissen, dass die Kinderlähmung (Polio) noch vor wenigen Jahrzehnten eine der grausamsten Infektionskrankheiten auf der ganzen Welt gewesen sei, und heute dank intensiver Impfungen fast ganz verschwunden sei. Lediglich in den drei Ländern Nigeria, Afghanistan und Pakistan würden noch hin und wieder Fälle der Kinderlähmung auftreten und das große Ziel sei es, auch diese noch zu eliminieren. Denn solange noch irgendwo auf der Welt Polio-Viren unterwegs seien, blieben alle Kinder – auch in Deutschland – davon bedroht, machte er den Anwesenden klar. "Das Virus wird von Menschen übertragen und kann blitzschnell in poliofreie Länder eingeschleppt werden", sagte Barking und er erinnerte vor diesem Hintergrund daran, dass aus so auch der eigene Impfschutz nicht aus den Augen verloren werden dürfe.

"Mit der Aktion wollten wir unseren Schülerinnen und Schülern auch vermitteln, wie einfach es sein kann, anderen zu helfen", macht Schulsozialarbeiter Tobias Buck dann auch seinen Standpunkt deutlich. "Innerhalb einiger Wochen haben wir gemeinsam mit den Eltern und den Bürgern von Stetten haufenweise Deckel gesammelt, wodurch rund 70 lebenslange Impfungen ermöglicht werden." Das Ergebnis machte nicht nur die Initiatoren und beteiligten Schüler stolz, sondern auch den Vertreter von "Rotaract" Sigmaringen/Albstadt "besonders happy", wie dieser feststellte.

Wie Florian Barking im Gespräch mit dem SÜDKURIER wissen ließ, stehe der Name Rotaract für "Rotary in Action" und hinter dem Kürzel verberge sich die die Jugendorganisation in der internationalen Rotary-Bewegung. Genau wie bei Rotary International, handle es sich dabei um einen international verbreiteten Service-Club oder auch Wohltätigkeitsverein, in dem sich Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren für dieselben Ideen und Ideale gemeinsam engagierten.

So geht es weiter

Die Idee hinter dem vom Rotary-Club gegründeten Verein "Deckel drauf" ist simpel und geht so: Da Pfandflaschen auch ohne Deckel abgegeben werden können, um Pfand zu erhalten, werden diese Deckel für den guten Zweck gesammelt. Durch das Einschmelzen und den Verkauf des hochwertigen, recyclingfähigen Materials Polyethylen oder Polypropylen werden dann Schluckimpfungen gegen Polio finanziert – 500 Deckel wiegen etwa ein Kilogramm und finanzieren eine Impfung in Afghanistan, Pakistan und Nigeria. Ziel ist es, die Kinderlähmung weltweit auszurotten. (gfe)