Die jüdische Autorin kommt auf Vermittlung des Oberbürgermeisters Michael Beck aus Tuttlinge auf den Heuberg. Denn schließlich ist Beck gebürtiger Stettener.

Zeichen gegen Diskriminierung

Im SÜDKURIER-Gespräch sagte Schulleiter Klaus Flockerzie: "Die Lesung findet in der evangelischen Kirche aus zwei Gründen statt – zum Einen beginnt um 20 Uhr im Schulzentrum eine Veranstaltung für die Eltern von Grundschulkindern. Zum anderen möchten wir für die Autorin und ihr Anliegen eine möglichst große Öffentlichkeit herstellen." Deshalb sei der Zeitpunkt am Abend und der Veranstaltungsort Kirche gewählt worden. Es handle sich aber um eine schulische Veranstaltung, Schüler der neunten und zehnten Jahrgangsstufe seien eingeladen. Bürgermeister Maik Lehn erklärt dazu: "Wir wollen mit dieser Lesung ein Zeichen gegen Diskriminierung und Rassismus setzen."

Die Berliner Autorin Juna Grossmann liest aus ihrem Buch über ihre Erfahrungen als Jüdin mit dem Antisemitismus. <em>Bild: Privat</em>
Die Berliner Autorin Juna Grossmann liest aus ihrem Buch über ihre Erfahrungen als Jüdin mit dem Antisemitismus. | Bild: Grossmann

Die Autorin kommt auf Einladung von "Stiefels Buchladen" nach Tuttlingen und dann über die Verbindung des Tuttlinger Oberbürgermeisters auch auf den Heuberg. In der Lesung wird es um das Thema "Antisemitismus" gehen. Grossmann arbeitet im jüdischen Museum in Berlin und erlebt dort im Umgang mit den Besuchern tagtäglich antisemitische Äußerungen. Im Pressetext zu ihrem Buch ist von einem "permanenten antisemitischen Beschuss" die Rede.

Der Antisemitismus nimmt zu

Grossmann berichtet vom Wachsen einer inneren Angst, die sie vor einigen Jahren noch nicht kannte und davon, wie sie eines Tages merkte, dass auch sie mittlerweile aus gepackten Koffern lebt, bereit zur Flucht. Was sie seit vielen Jahren regelmäßig von Besuchern zu hören bekommt, schildert sie als "unfassbar".

Mal seien es kleine Spitzen, dann Frontalangriffe bis hin zu Beleidigungen und Bedrohungen. Die Berliner Autorin beobachtet nicht nur den "importierten Antisemitismus" von Migranten aus islamischen Ländern. Nach ihren Beobachtungen und Erfahrungen nimmt auch der klassische, deutsche Antisemitismus zu und wird in Teilen der bundesdeutschen Gesellschaft zum Problem. Das bekämen zunehmend jüdische Bürger zu spüren. Was das im Alltag der Bundeshauptstadt bedeutet, schildert Grossmann in ihrem Buch "Schonzeit vorbei". Im Rahmen einer Lesereise nach Tuttlingen wird die jüdische Berlinerin nun auch am Donnerstag, 15. November, in der evangelischen Kirche in Stetten a.k.M. aus ihrem Buch vorlesen und sich der Diskussion mit den Besuchern im Anschluss daran stellen. Beginn der Veranstaltung in Stetten ist um 18 Uhr.