Mit "ganz dicken Backen", wie es mancher Gemeinderat in der Debatte formulierte, hat der Stettener Gemeinderat der Vergabe der Arbeiten zur Fernwerkanbindung und steuerungstechnischen Erneuerung der Außenanlagen der Kläranlagen in Storzingen und im Kohltal zugestimmt. Dabei machte den Räten die enorme Kostensteigerung schwer zu schaffen, die mit Gesamtkosten von gut 363 000 Euro zu überplanmäßigen Ausgaben von rund 83 000 Euro führt.

"Wir werden nicht drum rum kommen, die Kröte zu schlucken", brachte Gemeinderat Daniel Sauter (FW) vor der einstimmigen Abstimmung die ausführliche Debatte auf den Punkt. In der hatte Bürgermeister Maik Lehn zunächst daran erinnert, dass die Gemeinde aufgrund der Aufkündigung der vorhandenen analogen ISDN-Verbindungen durch die Telekom dazu gezwungen worden sei, die Technik auf den neuesten Stand zu bringen. "Betroffen davon sind nun sechs Außenstationen der Kläranlagen Storzingen und Kohltal, die das zu reinigende Wasser in die Kläranlagen pumpen." Vom beauftragten Ingenieurbüro Kovacic war Werner Mauch in der Sitzung zugegen. Der Diplomingenieur erläuterte dem Gremium, wie es gegenüber der ursprünglichen Kostenschätzung seines Büros vom Oktober 2016 (253 000 Euro) zu derart hohen Überschreitungen kommen konnte.

Auch das Pumperk Unterglashütte zählt zu denen, die erneuert werden müssen.
Auch das Pumperk Unterglashütte zählt zu denen, die erneuert werden müssen.

Von 253 000 auf 363 000 Euro

Ergänzend zu der ursprünglichen Schätzung seien mit dem Einbau von Steigbügeln, der Erneuerung einer speicherprogrammierbaren Steuerung, diversen Beton- und Pflasterarbeiten und dergleichen zahlreiche zusätzliche Positionen in die Ausschreibung aufgenommen worden: "Kurz vor der Ausschreibung im Februar 2017 lag unsere aktualisierte Kostenschätzung für die Bau-, Maschinen- und Elektrotechnik bei 319 000 Euro", erläuterte Mauch. Die Bautechnik sei getrennt von den übrigen Arbeiten beschränkt an ortsansässige Unternehmen ausgeschrieben worden, und habe ein günstiges Ergebnis ergeben. Dagegen hätten bei der Maschinentechnik von 18 interessierten Unternehmen am Ende nur zwei ein Angebot abgegeben: "Dabei schlägt die aktuelle Marktsituation leider voll auf die Preise durch", sagte Mauch. Er erläuterte dem Gremium die Rückmeldungen, die er von Firmen erhalten hatte, die zwar die Unterlagen abgeholt aber kein Angebot abgegeben hatten. Gut gefüllte Auftragsbücher in Verbindung mit dem vorgegebenen Zeitraum bis Ende September seien ebenso ins Feld geführt worden, wie dass die Sache einigen kleineren Firmen schlicht zu groß geworden sei.

Gleiche Firma, höherer Preis

"Dazu kommt eine aktuelle Marktdynamik mit exorbitanten Preissteigerungen, die im Vorfeld nicht erkennbar war", begründete Mauch. Beispielhaft listete er Positionen aus dem Leistungsverzeichnis auf, die gegenüber einer zwei Monate zuvor erfolgten Ausschreibung um das acht- bis sogar zwölffache gestiegen waren: "Ja, es handelt sich um die selbe Firma", erklärte Mauch auf Nachfrage von Klaus-Dieter Halder (CDU), der die Preise als "willkürlich und kaum nachvollziehbar" empfand. Auch sein Kollege Adrian Schiefer (FW) fand die Preiserhöhung "geradezu dreist" und "rechtlich bedenklich". Seine Frage, ob man vergaberechtlich dagegen vorgehen könne, verneinte Experte Mauch. Auch wenn er die Steigerung selbst "ein Stück weit unverschämt" nannte, ließ er wissen, dass eine 20-prozentige Erhöhung die Aufhebung der Ausschreibung nicht rechtfertige: "Sie können kaum begründen, dass Sie wirtschaftlich nicht im Stande sind, das zu leisten". Im Übrigen habe die Firma für diesen Fall bereits angekündigt, "den entgangenen Gewinn einzuklagen".

In Erkenntnis, dass sich die Marktsituation in absehbarer Zeit nicht bessere und eine erneute Ausschreibung womöglich noch höhere Preise ergebe, stimmte das Gremium schließlich einhellig den Vergaben zu. Die maschinentechnische-, hydraulische- und elektrotechnischen Arbeiten gingen damit zum Preis von 285 088,43 Euro an die Firma Franz Lohr aus Ravensburg, während die heimische Firma Hahn Tiefbau zum Preis von 17 440,64 Euro bei der Bautechnik zum Zuge kam. Mit dem Honorar der Firma Kovacic in Höhe von 60 563,19 Euro betragen die Gesamtkosten damit 363 092,26 Euro. "Wir stimmen das in Kombination ab, dann tut`s nur ein Mal weh", sagte Bürgermeister Lehn abschließend.

"Ich stimme ihnen zu, dass derartige Preissteigerungen innerhalb von zwei Monaten ein Stück weit unverschämt sind", so Werner Mauch ...
"Ich stimme ihnen zu, dass derartige Preissteigerungen innerhalb von zwei Monaten ein Stück weit unverschämt sind", so Werner Mauch gegenüber dem Gremium.

Neue Technik

Folgende Pumpwerke und Regenüberlaufbecken sind komplett mit neuer Technik auszustatten:

  • Pumpwerk Oberglashütte
  • Pumpwerk Unterglashütte
  • Pumpwerk Steighöfe 1
  • Pumpwerk Steighöfe 2
  • Pumpwerk und Regenüberlaufbecken Nusplingen
  • Regenüberlaufbecken Stetten Ost